My re:publica 2017 2 von 3: Konrad Lischka und Christian Stöcker „Etwas Empirie“

Die klassischen Massenmedien, so Lischka & Stöcker (L&S), sind für die Meinungsbildung in Deutschland immer noch wichtiger als „das Internet“. Aber die Art & Weise, wie Information in Sozialen Netzwerken präsentiert wird, erregt die Impulsivität der Nutzerin stärker als bsp.weise das Zeitunglesen, weswegen „das Internet“ als stärker meinungsbildend wahrgenommen wird als dies eigentlich der Fall ist.

Wie genau politische Meinungsbildung im Netz funktioniert, wissen L&S auch (noch) nicht, aber sie konnten schon mal ein paar wechselwirkende Komponenten identifizieren:

Agenten politischer Meinungsbildung im und durch das Internet: PowerPoint-Folie zum Vortrag von Lischka & Stöcker auf der re:publica 2017.

Den Begriff „Captology“ musste ich nachschauen und wurde in der englischsprachigen Wikipedia fündig. In der deutschsprachigen Wikipedia wird der Begriff unter dem Eintrag Persuasive Computing mitbetreut, worunter die Beeinflussung menschlichen Verhaltens durch Computertechnologie verstanden wird. Steve Jobs bsp.weise war in dem Sinne Anhänger des Persuasive Computing, als er davon überzeugt war, dass das Interface-„Sein“  seiner Produkte das Weltsicht-„Bewusstsein“ der UserInnen beeinflusst. Die Microsoft-Ideologie („Scheißegal wie’s aussieht, solange wir das Monopol haben, muss es sowieso jeder kaufen.“) war – in diesem speziellen Sinn – weniger „persuasiv“, worüber ich vor vielen Jahren schon mal was geschrieben habe.

My re:publica 2017 2 von 3: Konrad Lischka und Christian Stöcker „Etwas Empirie“

Vorankündigung: My re:publica 2017

Das in meinen Ohren etwas nach Evangelischem Kirchentag klingende Motto der diesjährigen Veranstaltung. Na ja, es heißt ja auch „Netzgemeinde“.

Das ehemals bescheiden als „Bloggertreff“ apostrophierte alljährliche Berliner Netzkultur-Meeting re:publica ist mittlerweile zur documenta der Internet-Konferenzen geworden, will sagen: definitiv von globaler Wichtigkeit, aber auch definitiv gigantisch unübersichtlich und extrem ungeeignet zum „Einfach-Mal-Reinschnuppern“.* Kurz: Wenn man vorher nicht festlegt, was man von einem solchen Eventcluster will, wird er einen zwangsläufig enttäuschen.

Das muss nicht so sein.

Die Weltsicht hilft!

Deshalb die kommenden drei Samstage die für mich (=S.H., Blogbetreiber) relevantesten Vorträge…

    • 3: „Diskutieren lernen“ (Christoph Kappes)
    • 2: „Etwas Empirie“ (Konrad Lischka und Christian Stöcker)
    • 1: „Die Algorithmen, die wir brauchen“ (Felix Stalder)

…samt jeweils kurzer Kommentierung.

Ich war nicht selber in Berlin, sondern habe mich über den YouTube-Kanal der re:publica informiert und zumindest die Überschriften aller dort präsentierten Clips gelesen. Angeblich gab es aber auch Veranstaltungen, die nicht auf Video dokumentiert wurden. Also: Sowieso kein Anspruch auf Vollständigkeit.


* Damit ist diese Konferenz über das Netz endgültig selber netzförmig geworden. Auch dies eine Parallele zur documenta.
Vorankündigung: My re:publica 2017

Stokowski über das Phänomen „Schulzzug“

Die gesamte SPD wirkt zurzeit wie diese Leute, die jahrelang unfreiwillig Single waren … und die dann eines schönen Frühlings plötzlich … jemanden finden, der diesmal wirklich der Richtige ist …, von dem sie dann aber auch ununterbrochen sprechen. Und die allen Umstehenden schon sehr bald gehörig auf den Sack gehen, weil zwar vieles im Leben durchs Teilen schöner wird, aber Notgeilheit nicht.

Margarete Stokowski: Die ausgehungerte Partei (spiegel.de 2017-03-21)

Stokowski über das Phänomen „Schulzzug“

Komplexität, Philip Roth und „The Donald“

Hier klicken, um zur interaktiven Version dieser Visualisierung zu gelangen.
Kim Albrecht: „Trump Connections“. Um zur interaktiven Version dieser Visualisierung auf Albrechts Homepage zu gelangen, bitte auf das Bild klicken.

Als mir diese Visualisierung von Donald J. Trumps geschäftlichem Netzwerk fast gleichzeitig mit folgender Äußerung von Philip Roth über Trumps Wortschatz begegnete…

I found much that was alarming about being a citizen during the tenures of Richard Nixon and George W. Bush. But, whatever I may have seen as their limitations of character or intellect, neither was anything like as humanly impoverished as Trump is: ignorant of government, of history, of science, of philosophy, of art, incapable of expressing or recognizing subtlety or nuance, destitute of all decency, and wielding a vocabulary of seventy-seven words that is better called Jerkish than English.*

…kam mir der frevelhafte Gedanke, dass es in Trumps Lebenswelt ja Aspekte von Komplexität geben könnte, die der Sensibilität eines Schriftstellers komplett entgehen mögen.


* Philip Roth 2017 in einer E-Mail an den „New Yorker“, Quelle
Komplexität, Philip Roth und „The Donald“