Software der Woche : KW 17 : Windows VU Meter

Screenshot des Windows VU Meters im Einsatz (links oben), getriggert vom Audioplyer qmmp (rechts oben), der ein andermal gefeaturet wird.

Diese Software ist dahingehend nerdig, dass sie unter einem funktionalistischen Deckmäntelchen lediglich dekorativen Charakter hat. Aus letztlich unklaren Gründen* kann ich mich ihrem ästhetischen Reiz nicht entziehen, sicherlich auch, weil sie sich farblich frei konfigurieren lässt und ich sie origineller- und kindlicherweise im Stereoschema meiner Cinch-Stecker gestaltet habe, also links = weiß und rechts = rot. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Abgesehen davon handelt es sich eben auch um eine Visualisierung von Musik – und nicht um die schlechteste. Und es hat etwas ausgesprochen Beruhigendes für mich, die kleinen Zeigerchen im Rhythmus der Musik tanzen zu sehen.

Published by Burnsy Enterprises
Getestet unter Windows 7 Home Premium Service Pack 1 64-Bit
Download Location http://windowsvumeter.sourceforge.net/
Nerdizität (0 – 10) 5

Wird die Weltsicht jetzt zum Nerd-Portal? Sinn & Zweck der Reihe „Software der Woche“


* Ist es ihr „Minimalismus“?
Software der Woche : KW 17 : Windows VU Meter

Neue Reihe montags: Software der Woche

Hetzel als Nerd (Abb. ähnlich)

Ab kommender Woche, also der KW 17, werde ich eine Weile immer montags eine für mich wertvolle Software kurz vorstellen und auch deren Download-Link verraten. Es wird sich stets um kostenlose, werbefreie Software handeln, die von mir selber ausgiebig getestet wurde, was euch eine gewisse Sicherheit gibt, dass sie unbedenklich, d. h. viren- und trojanerfrei ist. Aus bitterer Erfahrung empfehle ich dennoch dringend die Installation eines sog. Anti-Malware-Wächters*, bevor ihr sie euch auf euren Rechner herunterladet.

Inhaltlich wird es sich manchmal um recht nerdiges Zeugs vor allem zu meinem Lieblingsthema MIDI handeln, das ein allgemeines Publikum nicht interessiert und auch nicht zu interessieren braucht, was mit dem bisherigen Weltsicht-Konzept bricht, nur (potentiell) allgemein interessierende Artikel zu posten. Aber keine Angst, die Masse der Weltsicht-Artikel wird weiterhin von (potentiell) allgemein interessierendem Charakter bleiben, also, geschätze Nicht-Nerds, toleriert bitte diese neue Nische in der Weltsicht.

Dennoch hat die Reihe auch einen gesellschaftspolitischen Zweck: Die genannten Software-Tools stellen allesamt frei zugängliche Alternativen zu kommerzieller Kauf-Software mehr oder minder großer Konzerne dar. Sie wurden allesamt von zivilgesellschaftlichen Individuen aus aller Welt** programmiert und aus mehr oder minder idealistischen Gründen frei ins Netz gestellt (klar sollen sie auch für andere, kostenpflichtige Dienstleitungen dieser Programmierer werben). Damit dienen sie dem ursprünglichen, im Jahr 2017 gelegentlich marginalisiert erscheinenden, Zweck des Internets, frei zugängliches Wissen von freien Bürgern für freie Bürger zu liefern.

Begriffslandkarte zum Artikel „Freie Software“ in der deutschsprachigen Wikipedia. Caveat: Mangels juristischer Bildung kann ich nicht sagen, wo exakt die in meiner Reihe vorgestellte Software jeweils ihren Ort in dieser Karte hat. Was ich sagen kann, ist, dass ihr alle vorgestellten Tools kostenlos und werbefrei uneingeschränkt nutzen dürft.

Herzlich

Stefan Hetzel, Blogbetreiber & Teilzeitnerd


Diesen hier benutze ich seit Jahren ohne Probleme. Kostet aber ein bisschen was.
** Auch aus Staaten wie China oder Russland, die nicht der sog. „freien Welt“ angehören.
Neue Reihe montags: Software der Woche

Michael Seemann über Vernetzung und Moral

So hat sich die Auffassung etabliert, das Nichtnutzen von [Internet-]Diensten sei ein ethisches Distinktionsmerkmal so wie „bio“ kaufen. Dass sie [damit] sich und ihren Freunden schaden und jedem, der mit ihnen in Kontakt kommen will, wird schulterzuckend hingenommen, weil Individualismus, (Daten-)Souveränität und (informationelle) Selbstbestimmung als ungleich höhere Werte gelten. Es ist ein bisschen so wie mit dem Brexit.[…] Ein Vorteil, den jemand anderes hat, ist automatisch mein Nachteil. Dass der gemeinsame Wirtschaftsraum mit gemeinsamen Regeln, der die EU ausmacht, allen daran Teilnehmenden Vorteile bringt, geht nicht wirklich zusammen mit einer individualistischen Logik.

Michael Seemann: „Geburtstagseinladungen, Brexit und die positive Filtersouveränität“, Blog-Artikel vom 13. Juli 2016

Michael Seemann über Vernetzung und Moral

Die Filterblase als Ursprung und Grenze der Welt(sicht)

Der von der Weltsicht seit Jahr & Tag geschätzte soziologisch informierte (Luhmann-Schule) Web-Entrepreneur Christoph Kappes wartet in diesem Text mit einer überraschenden Beobachtung auf, die ich von meinem alltäglichen Internet-Nutzungsverhalten her nur bestätigen kann:

Stabiler und instruktiver Inhalt findet sich häufig in der Wikipedia, die in den ersten Tagen eines Ereignisses halbwegs neutral und gesichert guten Überblick bietet. Ich jedenfalls beobachte bei mir, dass ich ein aktuelles Thema bei Wikipedia nachlese […].

Gut, ich recherchiere zwar meist eher zu nicht tagesaktuellen Themen aus Philosophie, Musik und Naturwissenschaft, aber dennoch erscheint mir das Informationsangebot der bekanntermaßen durch vielerlei Checks and Balances regulierten Online-Enzyklopädie oft alternativlos.

Damit hätte sich das, was wir Journalismus zu nennen gewohnt waren, erübrigt, obwohl es, so Kappes, „keinen Anhaltspunkt“ gibt, „dass Journalisten dümmer oder schlechter geworden wären.“ Faszinierend.

Ich spreche hier in erster Linie von der sich selbst gerne als „Qualitätsjournalismus“ bezeichnenden Arbeit der Print-Journalisten von ZEIT, WELT, SÜDDEUTSCHER und FAZ, in der es nicht um Tagesaktualität und Schnelligkeit geht, sondern um die Analyse von Kontextualitäten (früher auch „Aufdecken von Hintergründen“ genannt). Seit vielen Jahren lese ich keines der oben genannten vier führenden deutschen „Intelligenzblätter“ mehr (die WELT habe ich allerdings nie regelmäßig gelesen) und deren Online-Angebot nutze ich auch nicht. Dennoch habe ich nicht den Eindruck, seitdem „schlechter informiert“ zu sein über die Dinge, die mich wirklich interessieren. In die Bresche gesprungen sind Facebook (bzw. meine hochgradig personalisierte Variante davon), meine ebenso hochgradig personalisierte Variante der Blogosphäre und einige wenige, handverlesene Podcasts – ja, und eben die Wikipedia. [Ergänzung 2016-07-11: „sowie YouTube und Vimeo“]

Die „Tagesschau“ sah und sehe ich täglich, benutze sie aber als reinen Newsfeed, d. h. sobald kommentiert wird, drehe ich den Ton ab (kein Scherz). Der Neutralität bzw. Objektivität dieses Feeds bringe ich weiterhin Vertrauen entgegen. Nicht nur, weil ich an das Prinzip „öffentlich-rechtlich“ glaube, sondern weil ich feststelle, dass sich all meine Meinungsfeeds stets weiter auf diesen Primärfeed beziehen. Taucht in meinen Meinungsfeeds einmal ein Thema auf, dass die Tagesschau nicht kennt, werde ich sofort misstrauisch. Es gilt aber auch das Umgekehrte.

So versuche ich – auf evtl. etwas unterkomplexe, dafür aber praktikable (d. h. zeitlich nicht allzu übergriffige) Art – ein eigenes kleines System von Checks and Balances in meine tägliche Informationsdiät einzubauen und am Laufen zu halten.

„Siehst du, auch du lebst nur in einer Filterblase!“, höre ich populistische Ignoranten und Provinzialisten jetzt triumphieren – aber DAS IST NICHT DER PUNKT. Zu keiner Zeit hat irgendein Mensch jemals komplett außerhalb irgendwelcher Filterblasen gelebt. Dieses Feeling bleibt Gott* vorbehalten – falls es ihn gibt**

Um so wichtiger, sich über Entwurf, Konstruktion und Instandhaltung dieser Blase gehörig den Kopf zu zerbrechen (evtl. ist das sogar wichtiger als das Kopfzerbrechen über den Content, also die Probleme selbst).

Auch das Projekt Wikipedia hat evtl. seine besten Tage schon hinter sich, wird aber – da bin ich optimistisch – rechtzeitig durch etwas anderes (das wir uns heute technisch noch gar nicht vorstellen können) abgelöst werden.

Kurz gesagt: Ohne Filterblase keine „Welt“, sie ist sowohl ihr Ursprung als auch ihre Grenze***.


* Gottesdefinition für das 21. Jahrhundert: Als Gott bezeichnen wir eine Entität, die zur Gewinnnung von Information nicht auf die Konstruktion von Filterblasen angewiesen ist.
**  Als glücklicher Agnostiker verfüge ich bekanntermaßen (?) über das sichere Wissen, die Existenz Gottes weder beweisen noch widerlegen zu können.
*** „Grenze“ steht hier für die naturgemäß endlichen kognitiven Kapazitäten des Einzelnen, nicht für „Beschränktheit“. Ich plädiere hier nicht für diese neumodische Art von „Ignoranz mit gutem Gewissen, weil ja sowieso alles viel zu komplex ist“, ganz im Gegenteil.

 

Hat dir dieser Text gefallen? Dann gib mir doch auch etwas zu lesen.
Am besten von meinem Wunschzettel.
Die Filterblase als Ursprung und Grenze der Welt(sicht)

Systemtheorie und Künstliche Intelligenz

Dirk Baecker, einer der bekanntesten Schüler Niklas Luhmanns, schlägt in einem aktuellen Interview deutlich fatalistische Töne an, was das zukünftige Verhältnis von systemtheoretisch informierter und Künstlicher Intelligenz angeht:

Die nächste Organisationsberatung besteht aus Therapeuten, die uns darüber beruhigen, dass die Computer schon wissen werden, was sie tun.

aus Dirk Baecker: Organisationsberatung 4.0, Blog-Artikel vom 13. Mai 2016

Besonders bemerkenswert erscheint mir dabei, dass Baecker diese Bemerkung auf seinem eigenen Blog The Catjects Project nachreichte, gehört sie doch zu dem Teil des erwähnten Interviews, der es „nicht mehr auf Gerhard Krejcis Blog schaffte“ (Baecker). Wenn sich der Interviewte nun die Mühe macht, diese – aus welchem Grund auch immer – bereits hinauseditierte Passage selbst zu publizieren, muss es sich wohl um mehr als eine flapsige Bemerkung handeln.

Aber was will uns Baecker damit eigentlich sagen? Etwa, dass auch Soziologen der Luhmann-Schule nun allmählich gezwungen sind, von gestaltender Erklärung zur bloßen „Bildschirmrückseitenberatung“ (G. Dueck 2010) überzugehen?

Update 2016-06-16T12:14 Eben sehe ich, dass Dirk Baecker URL und Titel des Artikels noch mal geändert hat. Er heißt jetzt Die Organisation im Wandel, a never ending story. Die von mir oben zitierte Passage steht jetzt in einem eigenen PDF, zu dem vom Artikel aus verlinkt wird.

Systemtheorie und Künstliche Intelligenz

algorithmwatch.org

Ein wichtiges Thema der vergangenen re:publica, für das sich aber nach meinem Empfinden zu wenige wirklich interessieren (Argument: „zu speziell“): Wer kontrolliert eigentlich, wie Algorithmen gebaut werden?

Dass Algorithmen „wichtig“ sind für die nächste Gesellschaft (D. Baecker), hat sich zwar mittlerweile als Erkenntnis durchgesetzt – in Deutschland natürlich wie gewohnt begleitet von Horrorvision apokalyptischer Ausmaße, zumindest im Mainstream-Feuilleton – , die logische Folge allerdings noch nicht:

Struktur und Konstruktion von Algorithmen werden mehr und mehr zum Politikum und deshalb zu einer Angelegenheit von öffentlichem Interesse, über die geredet werden und evtl. nicht mehr allein privatwirtschaftlich entschieden werden sollte.

Prof. Dr. Zweig, die nicht wirkt, als ob sie sich von irgendjemandem die Butter vom Brot nehmen lassen würde, hat dies messerscharf erkannt und die Plattform algorithmwatch.org gegründet, auf die ich hiermit nachdrücklich hingewiesen haben will.

Es geht dabei nicht darum, die Struktur von bestimmten Algorithmen fachlich zu verstehen – dazu sind tatsächlich nur Experten in der Lage – sondern sich um die soziokulturellen Folgen dieser Struktur Gedanken zu machen.

Schließlich hatten die meisten Atomkraftgegner der 1970er Jahre auch nicht den Wissensstand von Niels Bohr – was sie aber nicht daran hinderte, kräftig auf die Kacke zu hauen.

algorithmwatch.org