Witty re-designed und einige eigene Gedanken zu L. W.

Wittgenstein als Street Art, flankiert von zwei sog. „Hasenenten“, die das Phänomen des Gestaltwechsels bzw. der Multistabilität symbolisieren. Das Bild dient meinem Wittgenstein-Glossar seit 17 Jahren als Logo und ich finde es immer noch witzig. 1 

Meiner seit 2002(!) pausenlos verfügbaren Seite L. W.? – – – L. W.! Ein Glossar zentraler Begriffe der Philosophie Ludwig Wittgensteins (1889-1951) habe ich jüngst ein paar kleine, aber markante gestalterische Updates – neue Farben, abgerundete Ecken, sowas – verpasst. Vielleicht ein Anlass, mal reinzusehen?

Ich habe mir damals Mühe gegeben, die Artikel so klar und einfach wie möglich zu formulieren, ganz getreu dem Diktum des Meisters „Was sich überhaupt sagen läßt, läßt sich klar sagen.“ – an das er sich freilich kaum je selber hielt, der Schlingel! Kurz gesagt, wer Wittgenstein beim Wort nimmt, hat schon verloren und wird ihm nicht einmal ansatzweise gerecht.

Der US-amerikanische Philosoph C. Sartwell attestierte L. W. jüngst auf standpointmag.co.uk gar einen ausschließlich destruktiven Einfluss auf die Philosophie als akademischer Disziplin. Denken und Argumentation des Österreichers entbehrten bei genauem Hinsehen jeglicher Konsistenz. Dennoch schaffte er es – interessanterweise post mortem ungleich erfolgreicher als zu Lebzeiten – immer wieder, trotz oder gerade wegen seiner erratischen Gedankenführung auch akademisch arbeitende PhilosophInnen für sich zu interessiern. Was für letztere, so Sartwell, nicht selten fatale berufliche Folgen zeitigte. Denn angesichts der Zerfahrenheit von Wittgensteins Texten ist es nahezu unmöglich, ihn rein werkimmanent zu verstehen. Also, so Sartwell, kam es, wie es kommen musste:

Wittgenstein has been more of a cult than an argument (…). [His] followers know he is right; the only difficulty is knowing what he meant.

Und Sartwell hat recht! Meiner Erfahrung nach fallen L. W.s Gedanken tatsächlich in sich zusammen, je genauer man sie sich anschaut – allerdings auf faszinierende Art. Sie scheitern ausgesprochen erhaben, m. E. aber nicht aus intellektueller Koketterie bzw. irgendeinem „Stilwillen“ heraus oder gar aufgrund eines schrägen Konzepts – dafür war L. W. viel zu ernsthaft –, nein, der Mann konnte sich meiner Meinung nach wirklich nicht „normal“ ausdrücken. Und er hat, soviel ist klar, zeitweise entsetzlich unter diesem Unvermögen gelitten.

M. E. war L. W., zumindest in seiner ersten Philosophie (Tractatus), gerade deshalb so von Logik besessen, weil sein Denken eben von Haus aus disparat, impulsiv, irrational, d. h. un-logisch war. Dass sich so einer von Logik angezogen fühlt, ohne dabei selbst je zum Logiker zu werden, ist für mich, äh, logisch (Entschuldigung).

Niemand kann heute sagen, ob L. W. Asperger, ADHS oder sonst eine mehr oder minder subtile geistige Behinderung (ja: Behinderung!) hatte, aber diese postume Ferndiagnose würde tatsächlich vieles einfacher machen. Es würde vor allem dem komplett kontraproduktiven „Genie“-Geraune evtl. endgültig den Garaus machen und L. W.s obsessiv-repetitives Gestammel endlich als das auffassen, was es ist: Teilweise brilliante und – entsprechende Disposition der LeserIn vorausgesetzt – inspirierende Gedankensplitter eines überdurchschnittlich intelligenten erkenntnis- und sinndurstigen Eigenbrötlers mit ziemlich mittelgroßem kognitivem Handicap.

Für traditionelle akademische Philosophen wäre eine solche Diagnose vermutlich willkommener Anlass für die finale Exklusion L. W.s aus dem Kreis ernstzunehmender Denker. Für Künstlertypen wie Thomas Bernhard, Steve Reich oder Joseph Kosuth freilich fing und fängt es da erst an, interessant zu werden. Nicht, weil sie Freude an der Chaotik L. W.’scher Gedankenführung hätten, sondern weil diese Chaotik im Wittgenstein’schen Sinn zeigt, was nicht verbalisiert werden kann: ästhetisches, mystisches, religiöses und ethisches Empfinden.

Dass sich tatsächliche, zumindest tendenziell apollinisch in sich ruhende Logiker wie Bertrand Russell von L. W. so irritieren ließen – und am Ende an der Nase herumgeführt fühlten, als Wittgenstein gar kein Interesse daran zeigte, eine eigene logikbasierte Philosophie zu formulieren –, ist in meinen Augen keine Schuld Wittgensteins, sondern eines seiner größten Verdienste. Und dafür, dass Russell diese Irritation, so Sartwell, nicht produktiv machen konnte (Stimmt das eigentlich? Immerhin war er eine der wichtigen Stimmen des Pazifismus in der Mitte des 20. Jahrhunderts), kann Wittgenstein ja nun wirklich nichts.


 

1 Das Gegenteil von Multistabilität ist übrigens nicht In-, sondern Hyperstabilität.
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RD Precht zur Lage der Dinge (umfassend)

RD Precht kann zwar ein Rüpel sein und als Person habe ich weiterhin Schwierigkeiten mit ihm, aber er ist halt einfach einer der großartigsten Kommunikatoren deutscher Sprache meiner Alterskohorte (Generation X). In diesem spielfilmlangen Interview mit dem berüchtigten Bundespressekonferenz-Performer Thilo Jung, der hier aber nur seine intellektuelle Überforderung mühsam durch coole Zerstreutheit maskierender Stichwortgeber ist und sich ansonsten weise zurückhält, stecken jedenfalls mehr anregende Ideen als in 2½ Büchern von Armin Nassehi:


Prechts Stärke besteht nicht darin, eine eigene Philosophie zu entwickeln, aber er versteht es ganz ausgezeichnet, in der Luft liegende gesellschaftliche Fragen bzw. Desiderate zu erfassen und produktiv ideengeschichtlich zu unterfüttern.

Selten äußert er dabei wirklich dezidierte Prognosen (was ich ihm hoch anrechne, denn er hätte das Potential zum dem Politikflüsterer, der Nassehi gerne wäre). Nur beim bedingungslosen Grundeinkommen macht er eine bemerkenswerte Ausnahme: Das ist, so meint er, alternativlos und wird kommen, so (als produktive Befreiung halbwegs aufgeklärter Massen von öder Lohnarbeit) oder so (als Almosen autoritär-plutokratischer HerrscherInnen für ein stumpf und dumpf vor sich hinvegetierendes Prekariat), wobei er die erste Variante bevorzugt. Ich übrigens auch.

Ansonsten gibt’s Einiges über die komplette Un-Originalität der Schriften von Karl Marx, der alles von Hegel, Proudhon und Fourier zusammengesamplet hat, die stupende Stupidität deutscher Gewerkschaftler der Gegenwart, die Opposition von MenschTierPflanze und KI, den als Wildsau durchs Unterholz brechenden philosophischen Einzelgänger (also RDP selbst), die kümmerliche Gegenwart und erbärmliche Zukunft der deutschen Sozialdemokratie (sehr unterhaltsam),  wirklich wichtige Denker des 19. Jahrhunderts wie Godwin und Cabet, K-Gruppen der 1970er-Jahre, die keine Gefangenen machten u. v. m.

Liebe FreundInnen der Weltsicht, hört euch bitte an, was der Mann aus Lüneburg zu sagen hat, am besten in mehreren kleinen Portionen. Mir war’s auf einen Happs zuviel an Geist und das kommt nicht allzu oft vor.

Dem Walser sein Verlag

Die minimalistische Umschlaggestaltung der Reihe suhrkamp taschenbuch von Fleckhaus/Staudt gehört zu meinen Allzeit-Favoriten, vor allem in dieser die Eiseskälte Bernhard’scher Prosa angemessen widerspiegelnden Variante.

Vier Bemerkungen und zwei Fragen zu Siegfried Ressels Doku „Mythos Suhrkamp“ (2019)

Bemerkungen

  1. Martin Walser ist noch geltungsbedürftiger und büffelhafter, als ich bisher annahm.
  2. Bernhard, Frisch und Johnson würden sich heute für free speech einsetzen und wären Parteigänger des „klassischen Liberalen“ Jordan Peterson.
  3. Dass Thomas Bernhard in den 1970er-Jahren als linker Autor galt, muss faszinieren.
  4. Durs Grünbeins Bemerkung (sinngemäß) „Ich wollte nicht in den Westen, ich wollte dahin, wo es Suhrkamp gab.“, ist ebenso entwaffnend wie ernüchternd.

Fragen

  1. Siegfried Unseld demütigte Walser in Gesellschaft vor laufender Kamera im Schach und reckte danach offen die Faust zum Sieg. Während Walsers Blick unverwandt finster auf das Spielbrett gerichtet blieb, erhob sich Unseld betont lässig, um sich ein wenig die Beine zu vertreten. Wird man eines Tages einen unveröffentlichten Roman „Tod eines Verlegers“ in Walsers Nachlass finden?
  2. Helmut Schmidt, dessen Deutsch dem seiner NachfolgerInnen erschreckend überlegen war, holte sich einst Martin Walser, Max Frisch und Siegfried Lenz zu einem Gespräch ins Kanzleramt, um die Denke der RAF besser zu verstehen. Welche renommierten deutschsprachigen GegenwartsautorInnen sollte sich Angela Merkel ins Kanzleramt holen, um die Denke des NSU besser zu verstehen?

9-11 re-designed

Am 11. September 2001 erschien mir während des vergeblichen Versuchs, Manhattan zu verlassen, ein Werbeplakat plötzlich in ganz anderem Licht, also machte ich dieses Foto.

Vor ziemlich genau 18 Jahren wurden Ralf Schuster und ich versehentlich Zaungäste der Weltgeschichte, denn am 11. September 2001 weilten wir als stinknormale Touristen in Manhattan, New York, New York, USA. Wir logierten im längst nicht mehr existierenden „Gershwin Hotel“, was unser Glück war, denn das lag so weit vom Ground Zero entfernt, dass bisher keiner von uns an Asbestose oder Ähnlichem verstarb. Andere hatten dieses Glück nicht.

Nun habe ich unsere Nine Eleven Memorial Page neu gestaltet. Von Ralf gibt es einen experimentellen Dokumentarfilm mit meiner Musik, von mir eine Slideshow, zwei Essays und noch mehr Musik. Schaut rein, wenn ihr Zeit und Muße habt! Kommentieren kann man dort nicht, aber hier schon.

Die Slideshow könnt ihr allerdings auch gleich von hier aus betrachten. Die meisten Bilder sind die üblichen Touristenfotos von Hochhäusern, nur 2, 3 Aufnahmen haben direkt mit dem 11. September zu tun. Das entspricht allerdings genau unserer damaligen Wahrnehmung: Ein disruptives, eigentlich inkommensurables Ereignis überwölbte ankündigungslos unsere „banale“ (R. Schuster) Touristenexistenz.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Soziodigitalisierung und kulturelle Hyperstabilität

music cultures

1945-1983: Jeder kennt Rock ’n’ Roll… Die Mittelschicht wird allmählich vermögender (man beachte aber auch die lokale Depression vor Erfindung der Pille) und der Reihe nach erblühen musikalische Popkulturen, die zumindest dem Namen nach den meisten Menschen bis heute etwas sagen.
1984-heute: …aber was zum Teufel ist Dubstep? Die Mittelschicht verarmt rasch, während die von zahlenmäßig immer kleineren Bevölkerungskohorten (Generationen X, Y, und Z) getragenen musikalischen Popkulturen hypertrophieren und sich schlussendlich gegenseitig neutralisieren.
Quelle (Ausgangsgrafik vom Blogbetreiber stark bearbeitet)

1 Die Retro-Schleife
2 Zum Beispiel Post-Punk
3 Die Abschaffung der Langeweile
4 Musikalische Popkultur 2019
5 Kulturelle Hyperstabilität als Nebeneffekt der Soziodigitalisierung
6 Lob der Grille

*

1 Die Retro-Schleife

Etwas stimmt nicht. Fast immer, wenn ich Omnibus fahre, hören die FahrerInnen Popsongs meiner Adoleszenz im Privatradio, das ja bekanntlich keinen Bildungsauftrag hat, sondern nur spielt, was die HörerInnen wirklich wollen. Sie wollen also Phil Collins, Wham!, Tina Turner. Ich wähne mich im falschen Film, gefangen in einer längst vergangenen Zeit inkl. der damit verbundenen Erinnerungen, Assoziationen, Gefühle etc. Aber außer mir scheint das niemand so zu empfinden. Frage ich nach, bekomme ich Antworten wie „Na ja, heute gibt es ja keine Musik mehr, oder?“, was mein Unbehagen ins nahezu Unerträgliche steigert, denn das ist ja ganz offenbar totaler Schwachsinn.

Seit 40 Jahren sind wir nun schon technologischen Innovationen ausgesetzt, die unseren Alltag komplett verändert haben. Die Antwort des Busfahrers darauf lautet Phil Collins. Sind also BusfahrerInnen kollektiv aus der Zeit gefallen? Wählen sie deshalb AfD bzw. wählen sie gar nicht mehr? Oder bin ich es, der nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist, weil er es sich in seiner blogosphärischen Generation X-Filterblase allzu bequem gemacht hat und kulturell entfremdet auf den Rest der Welt herabsieht?

Technologische Innovationen oder meinetwegen sogar Revolutionen waren immer, da sind sich die GelehrtInnen sogar einig, „Katalysator“ (H. Lehmann über den Zusammenhang von Digitalisierung und Konzeptmusik) ebensolcher Vorgänge auf soziokulturellem Gebiet. Selbst der erzkonservativste Historiker würde nicht bestreiten, dass die Musik der Klassischen Moderne ohne vorhergehenden Siegeszug von Web- und Dampfmaschine ganz anders klingen würde. Wieso also kann es sein, frage ich mich, dass die Antwort auf 40 Jahre technologische Innovation für viele Menschen Phil Collins lautet? Etwas stimmt ganz und gar nicht.

*

2 Zum Beispiel Post-Punk

Ich wurde geprägt durch eine Zeit, in der Musik emanzipatorische Kraft entfaltete, die das Leben verändern konnte. Allein durch das Hören bestimmter Musik eröffneten sich mir emotionale, sinnliche und geistige Möglichkeitsräume, die ich anders nie hätte betreten können, denn die Kultur, in der ich aufgewachsen war, wusste nichts von ihnen.

Und tatsächlich hatte ich damals, in den Achtzigerjahren, den Eindruck, dass bsp.weise die Musik, die man heute Post-Punk nennt, dringend notwendige, aber durch allgemeine Trägheit bisher blockierte gesellschaftliche Veränderungen derart exakt adressierte, dass es zum Heulen war. Die besten Stücke demonstrierten drastisch und nicht selten sarkastisch, dass und warum es so nicht mehr weitergehen konnte.

Post-Punk war dabei nur das neueste Update einer ganzen Reihe musikalischer Popkulturen, über die man sich im 20. Jahrhundert als Jugendliche via Affirmation oder Ablehnung identifizieren konnte. So entstand ein soziokultureller Horizont, vor dem sich der Rest der Welt abspielte. Mit dem public intellectual Diedrich Diederichsen als Gewährsmann fasste auch ich „Punk“ als geradezu – bitte jetzt nicht lachen, wir waren jung und naiv – archimedischen kulturgeschichtlichen Punkt auf, der für historische Orientierung sorgte. „Punk“ war dabei eine Chiffre, die nicht viel mit der gleichnamigen musikalischen Popkultur zu tun haben musste, denn Punk als Musik habe ich praktisch nie gehört.

Hatte man dieses Narrativ erst einmal verinnerlicht, ließ sich auf einen Schlag eine Unmasse soziokultureller Einzelphänomene sortieren. In diesem Sinn fungierte Post-Punk wie eine Ideologie: Mithilfe einer neuen basalen Unterscheidung („vor Punk“ / „nach Punk“) eröffnete sich plötzliche eine neue Weltsicht aus der Nische. Wo vorher chaotisch-widersprüchliche Mannigfaltigkeiten das Hirn vernebelten, sortierten sich die Dinge nun quasi von selber. Vermutlich gefiel mir diese Operation auch wg. ihrer enormen intellektuellen Effizienz – die man mit Fug und Recht allerdings auch einfach Arroganz nennen könnte.

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3 Die Abschaffung der Langeweile

Heute befriedigen auf immer subtilere und diskretere Weise allgegenwärtige algorithmische Wunscherfüllungsmaschinen wie das Smartphone oder das Tablet ebenso virtuos wie variantenreich unsere weiterhin nicht stillzustellende Sehnsucht nach dem Neuen. Musste Punk noch wohl oder übel lokal ausgebrütet (W. Gibson) werden, um als Heilmittel gegen unerträgliche provinzielle Langeweile wirksam werden zu können, haben wir heute eher Mühe damit, uns daran zu erinnern, was das eigentlich mal war: Langeweile.

Intuitiv dürfte den meisten Menschen zwar weiterhin klar sein, dass die komplette Abwesenheit von Langeweile ebenso ungesund sein kann wie ihre ständige penetrante Vorherrschaft. Und doch gibt es heute kaum ein größeres Tabu 1 , als das Empfinden von oder auch nur die Sehnsucht nach Langeweile zur Sprache zu bringen.

Ich spreche hier weder von der Sehnsucht, einfach mal nichts zu tun, noch von der Sehnsucht, mal eine Weile „aus allem auszusteigen“, sondern von der Sehnsucht nach echtem Leerlauf, der einem sogar auf den Geist gehen mag. Wer aber so empfindet, ist einfach eine Verliererin, die es nicht gecheckt hat, dass man sich zeit seines Lebens auf den Hosenboden setzen und hart arbeiten (D. Trump) muss, um im „Ausscheidungskampf“ (N. Elias) des Lebens bestehen zu können.

Ohne quälend empfundene Leere aber keine diffuse Sehnsucht nach dem Unbekannten. Und ohne diffuse Sehnsucht nach dem Unbekannten kein kreatives Handeln, das sich nicht bereits in der Generierung von Wellnessempfindungen, der Optimierung von Arbeitsabläufen, „Hausfrauenkreativität“ (R. Schuster) oder gar, äh, „Selbstverwirklichung“ 2  erschöpft.

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4 Musikalische Popkultur 2019

Die feuilletonseitig einst gerne als Symptom von Bildungsferne und Oberflächlichkeit belächelte Option, das Werden und Vergehen von Popkulturen als historischen Horizont ernst zu nehmen, scheint, wie obenstehende Grafik zu zeigen versucht, spätestens seit Beginn des dritten Jahrtausends nicht mehr zu existieren. Dieser Horizont ist weggewischt. Es gibt heute zwar musikalische Popkulturen wie Sand am Meer, aber sie scheinen keine soziokulturelle Prägekraft mehr zu haben. Vor allem dienen musikalische Popkulturen längst nicht mehr der Solidarisierung, sondern der Abgrenzung. Popmusik wird gehört wie eh und je, aber dass ein Song oder gar eine Sammlung von Songs (einst „Album“ genannt) gesellschaftliche Desiderate artikulieren könnte, die über die Abfackelung individueller SorgenFreudenNöteEuphorienÄngste hinausgehen, dieser Gedanke mutet 2019 abwegig an.

Waren musikalische Popkulturen im 20. Jahrhundert stets agonal, d. h. für oder gegen etwas, mutet die heutige Situation eher wie ein „befriedeter Raum“ im Sinne von Norbert Elias an: Popmusik artikuliert zwar weiterhin soziale Missstände (vgl. HipHop) oder negative Emotionen, die sogar beliebig extrem sein können (vgl. diverse Spielarten von Metal), aber angesichts der Atomisierung der zugehörigen Szenen verpuffen diese ebenso legitimen wie zeitlosen postadoleszenten Aufschreie / Empörungen / Rebellionen zuverlässig in der Tiefe des granular segregierten soziokulturellen Raumes. Den Rest regelt bzw. erledigt die weiterhin neoliberal geprägte Ökonomie. Unterm Strich passiert – nichts.

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5 Kulturelle Hyperstabilität als Nebeneffekt der Soziodigitalisierung

Einen ersten Vorgeschmack davon, was kulturelle Hyperstabilität sein könnte, lieferten die französischen Intellektuellen Baudrillard und Virilio bereits in den frühen 1980er-Jahren mit heute zu Unrecht vergessenen Begriffen wie Hyperrealität bzw. Dromologie. Damals nannte man das putzigerweise „Postmoderne“ oder auch, vornehmer, weil französischer, Posthistoire. Die Digitalisierung, die damals erst in den Anfängen war, hatte man dabei noch nicht auf dem Atari-Schirm, es ging um die Rolle der guten alten Massenmedien. Tempi passati.

Die Digitalisierung, so meine These, hat den Wärmetod popmusikalischer Innovation (mach ruhig was du willst, es hat sowieso keine Bedeutung) nachhaltig beschleunigt. Dass die technologischen Innovationen der letzten 40 Jahre auf Kosten popmusikalischer Innovationen gehen würden, hatte jedoch vermutlich niemand im Silicon Valley jemals beabsichtigt. Es handelt sich also um einen klassischen Nebeneffekt.

Die KalifornierInnen haben gegen ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen gehandelt, denn mit was machte man mehr Kohle als mit popmusikalischer Innovation, die ja niemals isoliert daherkommt, sondern immer Teil bzw. Ausdruck eines spezifischen, d. h. so-noch-nie-dagewesenen-und-genau-so-niemals-wiederkehrenden, äh, Lebensgefühls sind, welches dann auch entsprechende Fernsehserien, ensprechende Kleidungsstile, entsprechende Computergames, entsprechende Drogen etc. hervorbringen muss? Weswegen sie auch in tiefer Verzweiflung ständig versuchen, diesen Motor mit der einzigen ihnen zur Verfügung stehenden Methode, dem Algorithmus bzw. der KI, wieder in Gang zu bringen. Allein, es gelingt nicht.

Was mir, ich gestehe es freimütig, ständigen Anlass zur Beruhigung gibt.

 

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6 Lob der Grille

Leider ist der an sich sehr adäquate Begriff Kreativität im Lauf der letzten 40 Jahre derart von neoliberalen Kräften usurpiert worden, das er schon fast als Synonym von Kohle machen durchgeht. Der Kreative ist demzufolge jemand, der Chancen bzw. Märkte erkennt oder erfindet, um Geld zu verdienen, Punkt.

Kreativität kann aber auch bedeuten, Dinge zu amalgamieren, die nicht zusammengehören, weil sie eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Die kognitive Instanz, die Derartiges bewerkstelligen kann, nennt man allgemein Intuition oder Fantasie. Man kann aber auch Laune, Spleen, Spielerei, Fimmel, Tick, kindischer Einfall, Schrulle, fixe Idee, Lust, Spinnerei, Marotte oder Grille (Jean Paul, E. T. A. Hoffmann) dazu sagen.

Die Grille hat kein Interesse an der Optimierung von Arbeitsabläufen, sie will einfach nur ein Geräusch machen. Daran erschöpft sich der Zweck ihrer Existenz. Dafür aber hat die Kreative im o. g. Sinn buchstäblich keinen Sinn bzw. keine Sinne. Es erscheint ihr als verschwendete Zeit, die man besser mit dringend notwendiger harter Arbeit (D. Trump) gefüllt hätte, um etwas aus sich zu machen.

Cecil Taylor, einer der grillenhaftesten Musiker der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, sah sich einmal mit der Feststellung konfrontiert, im Grund sei er ja ebenso diszipliniert wie ein klassischer Konzertpianist, er übe schließlich täglich mehrere Stunden. Taylor daraufhin: „Discipline? – No!“ Er habe lediglich das Bedürfnis, jeden Tag mehrere Stunden Klavier zu spielen.

Taylor hatte zweifellos ständig ganze Heerscharen von Grillen im Kopf, die nach Ausdruck drängten. Aber er wollte sie eben nur rauslassen, das war alles. Als er gefragt wurde, warum er sich nicht einmal die Aufnahmen seiner zahllosen Performances anhöre, sagte er: „I know what happened.“ Eine härtere Opposition zum Konzept harter Arbeit (D. Trump) erscheint kaum möglich.

Aber – gut, zugegeben – niemand von uns ist so irre wie Cecil Taylor, es waren die 1960er-Jahre etc. Normale Menschen wie ich und du werden ihre überschaubar vielen Grillen dann doch zumindest gelegentlich mit harter Arbeit (D. Trump) päppeln müssen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass uns nur die Grille vor dem Infinite Jest (DF Wallace) kultureller Hyperstabilisierung retten kann. Lauscht auf ihr Zirpen, und sei es auch noch so zart! Und wer mal wieder nichts oder fast nichts hört, möge sich einstweilen mit Jean Paul’scher Weisheit trösten:

Grillen sind indes schwerer zu vertreiben als Schmerzen; diese sterben an der Zeit, jene wachsen an ihr. [Quelle]

 


 

1 Mir fällt gerade nur ein noch größeres Tabu ein: Jemandem kategorisch das Recht abzusprechen, weiter Konsument sein zu dürfen. Das dürfte fast allen Menschen in entwickelten Ländern nicht nur die Zornesröte ins Gesicht treiben, sondern auch den Wunsch befördern, die Urheberin eines solchen Dekrets unverzüglich unschädlich zu machen.

 

2 Grund für die Unsterblichkeit oder, besser, Untotheit, dieses monströsen Begriffs ist, dass niemand jemals in der Lage war, ihn semantisch dingfest zu machen. Will sagen, weder ist es möglich, ohne weltanschauliche Prämissen zu beweisen, dass so etwas wie Selbstverwirklichung existiert, noch ist es möglich, ihre Nichtexistenz zu beweisen. Ein Ausweg aus dieser Sackgasse bietet m. E. einzig eine agnostische Haltung, die den Vorteil hat, dann sowohl Verfechterinnen (progressive Personen) wie Leugner (konservative Personen) der Selbstverwirklichung gegen sich aufbringen zu können.

Was ist eigentlich „gute Musik“?

Gehaltsästhetik nach Harry Lehmann

Seit meiner Lektüre von Harry Lehmanns Kunstphilosophie „Gehaltsästhetik“ 2015 geht mir das Buch nicht mehr aus dem Kopf. Zentrale These des Buches war ja die Feststellung eines postmodernen Moments im Fortgang der Künste („Alles schon mal dagewesen!“), dem mit einer gehaltlichen Aufladung der Werke unter utilitaristischer bzw. pragmatischer Nutzung aller nun zu freier Verfügung stehenden ästhetischen Mittel zu begegnen sei. Nur so lasse sich der kulturelle Stillstand, den die Postmoderne darstelle, überwinden.

Schaut man sich 2019 ein wenig um im Bereich der zeitgenössischen Bildenden Kunst, scheint „Gehaltsästhetik“ das richtige Buch zur richtigen Zeit gewesen zu sein: Allerorten dominiert engagierte bzw. politisch aufgeladene Kunst, meistens von links, aber zunehmend auch von rechts. Für immanentistische Ausdifferenzierungen / l’art pour l’art scheinen sich derzeit weder auf Seiten der KünstlerInnen noch beim Publikum viele begeistern zu können. In der Kunstmusik sieht’s ähnlich aus. Kreidlers „Neuer Konzeptualismus“ ist zwar ein nach vielen Seiten offenes Konstrukt, wurde vom Meister selber aber nicht selten gehaltsästhetisch im Sinne klassisch linker Gesellschaftskritik benutzt („Fremdarbeit“, „Charts Music“) – wogegen freilich nichts zu sagen ist.

Aber ein Großteil derartig politischer oder besser politisierter Kunst und/oder Kunstmusik entspricht gerade nicht den Desideraten der Lehmann’schen Gehaltsästhetik. Warum das so ist, möchte ich in der Folge ausführen.

Gut/gut gemacht

Dem einen oder der anderen wird das nicht in den Kram passen, aber gut gemacht ist keine conditio sine qua non für gute Kunst. Viele Romane und short stories von Philip K. Dick bsp.weise sind schlampig und eilig heruntergeschrieben, gehören aber aufgrund ihres herausragenden Gehalts zum besten, was das 20. Jahrhundert an Literatur hervorgebracht hat. Anders gesagt: Für die qualitative Beurteilung von Kunst ist das Auseinanderhalten von gut und gut gemacht zentral.

Die Demokratisierung einst kostspieliger Produktionsmethoden durch die Digitalisierung hat eine historisch beispiellos gigantische Menge gut gemachter Artefakte hervorgebracht. Manchmal habe ich den Eindruck, das hat die Geschmacksbildung vieler Menschen so verwirrt, dass sie nicht mehr imstande sind, zwischen gut gemacht und gut zu unterscheiden. Vor allem in der Rezeption des zeitgenössischen Mainstream-Kinos fällt mir das auf. Wie oft schon habe ich auf die Frage: „War der Film gut?“ die Antwort „Er war gut gemacht.“ bekommen, aber eher mit einem bewundernden als mit einem kritischen Unterton.

Diese übertriebene, ja übergriffige Wertschätzung des Handwerklichen kommt vielleicht daher, dass man die FilmemacherInnen für die virtuose Beherrschung digitaler Produktionsmittel bewundert, mit denen man selber im Alltag nicht ganz so gut zurechtkommt. Das ist zwar eine psychologisch verständliche Reaktion, die aber das ästhetische Urteil nicht beeinflussen sollte. Das Recht auf ein ästhetisches Qualitätsurteil steht jeder Bürgerin zu, unabhängig davon, ob sie etwas von CGI versteht oder nicht. Ebenso sollte klar sein, dass sich mir die ästhetische Qualität bsp.weise Elektroakustischer Musik auch dann mitteilen muss, wenn ich die Max/MSP-Algorithmen, die die Komposition generiert haben, weder kenne noch verstehe. Falls das nicht möglich ist, hat die Komponistin versagt.

Anliegen, Stil und Gehalt: Vorschlag einer qualitativen Kategorisierung von Musik

Musik (sowie Kunst im Allgemeinen) bekommt ein Gesicht durch ihren Stil, d. h. durch die mehr oder minder gekonnte Verwendung mehr oder minder anerkannter Ausdrucksmittel. Darüber hinaus sollte Musik gehaltvoll sein, also ein frei wählbares außermusikalisches Anliegen durch ihren Stil vermitteln. Gehaltvolle Musik entsteht durch die Vermittlung dieses Anliegens mit stilistischen Mitteln, anders geht es nicht, denn „Music is a prostitute“ (S. Brown 2009), will sagen, eine überwältigende, aber ethisch und moralisch komplett indifferente Verführerin. Bezahlt man sie nur ordentlich, lässt sie alles mit sich machen, es ist ihr egal. Alles, was die Musik von sich selber weiß, ist, wie sie manipuliert.

Das Verhältnis von Anliegen und Stil kann in mannigfaltiger Art und Weise problematisch sein. Transportiert der Stil das Anliegen nicht, versteht keiner, was die Komponistin gemeint hat. Geht es dem Komponisten eigentlich nur um das Anliegen und die Musik dient nur als Schmiermittel, merkt man die Absicht und ist verstimmt. Ist die Komponistin Meisterin eines speziellen Stils, hat aber darüber hinaus kein Anliegen, lässt sich ihre Arbeit mit Fug und Recht als hochkultiviert, aber leer abkanzeln. Erst, wenn sich Anliegen und Stil gegenseitig kommentieren bzw. bereichern, entsteht wirklich interessante, d. h. gute Musik. Nach diesem Schema lässt sich jede Art von Musik qualitativ in eine von vier Kategorien einteilen.

  • In Kategorie I stehen Anliegen und Stil in einem Missverhältnis. Ein Beispiel wäre etwa uncooler Pop, der zu kompliziert, zu angestrengt und zu intellektuell daherkommt, darüber hinaus auch noch schlecht produziert ist und nicht ins Ohr geht. Neue Musik, die sich auf die Vorführung erweiterter Spieltechniken beschränkt, gehört ebenso hierhier wie sog. intelligente elektronische Tanzmusik, die nicht groovt. Und natürlich sämtliche Formen volkstümlicher Musik, die keine Volksmusik sind.
  • Die Musik der Kategorie II dient lediglich als Schmiermittel für ein Anliegen. Popmusik, die lediglich populär sein bzw. werden will und sonst nichts, ist hier richtig aufgehoben, ebenso politische engagierte Kunstmusik, deren Anliegen man evtl. zwar sogar unterstützt, die aber musikalisch nicht zu überzeugen weiß. Gute Filmmusik, die man aber einfach so, d. h. ohne dabei den Film zu sehen, nicht hören würde, gehört auch hierher, genauso wie animierende, d. h. funktionierende elektronische Tanzmusik, die einen, zuhause in Ruhe angehört, aber nur noch nervt. Und schließlich die meiste authentische Volksmusik, der man noch anhören kann, dass sie einst zur Unterstützung eines gesellschaftlichen Rituals entstand.
  • Handwerkliche und/oder stilistische Meisterschaft in Abwesenheit eines Anliegens charakterisiert Musik, die in die Kategorie III gehört. Hier glaubt man die KomponistInnen ständig „Wir sind wahre KönnerInnen und demonstrieren Ihnen das auch gerne ausgiebig, aber außer für Musik interessieren wir uns eigentlich für nichts.“ sagen zu hören. Gekonnt komponierte Neue Musik gehört hierher, ebenso wie mehr oder minder akademischer Jazz „auf höchstem Niveau“, wie es immer so schön heißt. Weiterhin die meiste Improvisierte Musik und alle Formen mehr oder minder elaborierter (post-)moderner Salonmusik à la Quadro Nuevo, Kronos Quartett etc.
  • Nur, wenn sich Anliegen und Stil gegenseitig befruchten oder hochschaukeln, entsteht Musik der Kategorie IV. Das kann gehaltvolle Musik jeglicher Couleur sein, denn Gute Musik ist (leider) kein Genre, sonst wäre es einfach. Es ist eher so, dass sich irgendwann intersubjektiv ein Erspüren dieser Gehalthaftigkeit einstellt. Und zwar nicht nur bei ExpertInnen. Wichtig dabei ist, dass auch normale HörerInnen irgendwann den Eindruck gewinnen, es hier mit einem guten und nicht etwa nur mit einem gut gemachten Stück Musik zu tun zu haben, denn das würde in die Kategorie III gehören.

Erstmalig publiziert 2019-08-14 im Bad Blog of Musick, danke! Die sich dort anschließenden Kommentare sind durch die Bank auf hohem Niveau, konstruktiv und sehr lesenswert 🙂

Donaueschingen auf AI – aber leider ohne mich :-(

Mit der folgenden Aufnahme und einem Standard MIDI File der Komposition antwortete ich auf einen Call for Piano Music der Donaueschinger Musiktage, der erstmalig von einer eigens konzipierten Künstlichen Intelligenz, dem curAItor von Nick Collins, kuratiert wurde:

Am 23. Juli ging mir diese Analyse des curAItors inkl. eines freundlichen Dankesschreibens des „Donaueschingen Teams“ zu:

Score based on a corpus model's prediction of your piece, in comparison to previous concert pieces (higher is better, 0 to 1): 0.48801252348274
Score based on proximity to a corpus and avoidance of an anticorpus (higher is better, 0 to 1): 0.7026725360496
Combined final score: 0.59534252976617
Final ranking (out of 97, ranking hidden if out of top 50): >50

Breakdown by individual audio features:
Loudness:  5.5346552351223  versus reference value on corpus:  5.2232684801942
Sensory Dissonance:  4.692594439056  versus reference value on corpus:  4.5037298522905
Bass Energy:  5.3462620477312  versus reference value on corpus:  5.3025771911455
Mid Range Energy:  5.5850956411719  versus reference value on corpus:  5.2259321343936
High Frequency Energy:  5.5245241634743  versus reference value on corpus:  4.9222018875124
Harmonic Energy:  5.5040426003768  versus reference value on corpus:  5.2830766894793
Percussive Energy:  5.2509538924743  versus reference value on corpus:  5.3410536707862
Tonal Root:  5.3842366804151  versus reference value on corpus:  5.1884044160175
Tonal Mode:  3.7466802932466  versus reference value on corpus:  3.6490005699024
Key Clarity:  5.5564387294373  versus reference value on corpus:  5.5196535155713
Density of Onsets:  3.9153920106925  versus reference value on corpus:  2.9400751912191
Mean Inter-Onset Intervals:  4.527680502488  versus reference value on corpus:  3.4991224039002
Standard Deviation of Inter-Onset Intervals:  3.9641032799717  versus reference value on corpus:  2.907427133889
Beat Histogram Entropy:  1.5237079556482  versus reference value on corpus:  4.9871679891972
Beat Histogram 1st to 2nd Ratio:  5.0052519324022  versus reference value on corpus:  5.519946147904
Beat Histogram Diversity:  1.4394362949168  versus reference value on corpus:  5.027475842776
Beat Histogram Metricity:  4.6642308265936  versus reference value on corpus:  5.2292435026894

Moderne Zeiten!

Schwach nur, dass der Künstlerische Leiter Björn Gottstein nicht in der Lage zu sein scheint (?), Fragen zum curAItor per Facebook zu beantworten – trotz prominentem Support (u. a. Karlheinz Essl!) meiner Anfrage:

Auch 3 Wochen nach meiner dreimaligen höflichen Anfrage keine Reaktion des Künstlerischen Leiters.

Bemerkenswert dagegen, dass meine Komposition auch ohne mitgelieferte Partitur (sie existiert bis heute nicht) überhaupt teilnehmen durfte. Die Audio-Aufnahme und das Standard MIDI File (SMF) genügten offenbar. Harry Lehmanns Erkenntnis, Leitmedium der Komposition im digitalen Zeitalter seien nicht mehr Noten, sondern Samples, scheint sich also ganz allmählich durchzusetzen.

Genaugenommen enthält ein SMF natürlich keine Samples, sondern Befehle wie Note On, Note Off etc., aber diese machen nur Sinn, wenn damit Samples oder MIDIfizierte traditionelle Instrumente angetriggert werden, z. B. eben ein Selbstspielklavier. In diesem Sinn ist das bereits 1983 standardisierte MIDI-Protokoll eine historische Verbindung zwischen Partitur und „nativem“ Komponieren mit Samples.

Wen’s interessiert: Das 59 KB große eingesandte SMF ist hier => SMF