Zwei Opfer von Jeffrey Epstein

(SH) Elite (Epstein), 2020

Das Thema zieht natürlich reißerische Berichterstattung magisch an, aber diese ca. 40-minütige Podcastfolge ist weitgehend frei davon. Außerdem kommen beide betroffenen Frauen selbst zu Wort. Eine von ihnen sieht sich bis heute ganz und gar nicht als Opfer, sondern als Verführte.

Es handelt sich hier um die 4. Episode des frei im Netz stehenden Podcasts Broken, hinter dem u. a. US-Filmregisseur Adam McKay („Vice – Der zweite Mann“) steht. – Aber Vorsicht, die Reportage geht, wie beim Thema sexueller Missbrauch zu erwarten, so richtig an die Nieren!

Die professionellen Sprecher sprechen gut verständliches amerikanisches Englisch in nicht allzu hoher Geschwindigkeit.


Quelle: megaphone.fm

Trotzdem schönen Sonntag noch wünscht

der Blogbetreiber

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Garfinkle über Lesekompetenz und Zivilisation

We know that a significant decline in a society’s deep literacy 1  can matter because it has happened before. Thanks in part to the revolutionary impact of the codex, male literacy rates in the Roman Republic and then Empire were probably in the 30% to 40% range, at least in urban areas. […] After the collapse of the Western Roman Empire in 476, literacy rates quickly dropped below 5%, and did not regain their previous levels until the 16th century at the earliest. Until they did, the advent of liberalism as we understand the term could not happen.

Adam Garfinkle: The Erosion of Deep Literacy | www.nationalaffairs.com aufgerufen 2020-05-27


 

1 Garfinkle definiert Deep Literacy im selben Text wie folgt: „Deep literacy is what happens when a reader engages with an extended piece of writing in such a way as to anticipate an author’s direction and meaning, and engages what one already knows in a dialectical process with the text. The result, with any luck, is a fusion of writer and reader, with the potential to bear original insight. […] Deep reading alone creates the possibility of a private internal dialogue with an author not physically present.“

Rosenthal über das Dresdner Bürgertum

S. Rosenthal: „Rorschach oliv rot goldgelb“ (2019)

Ok, Dresden ist eine provinzielle Beamtenstadt – und wer hier als Künstler existieren (von „leben“ rede ich gar nicht) möchte, der spielt irgendwann auch Beamtenmikado, ist zu allen scheißnett und wird mal hier, mal dort von irgendeinem genauso rückgratlosen Provinzgroßkunstsammler zum Kaffeekränzchen in seine klimatisierte Altbauwohnung eingeladen – und darf dann in seinem Büro, im Stadtmuseum oder in irgendeinem zweitklassigen Schickeriarestaurant ausstellen. „Das ist ja dann auch gute Werbung für dich!“ Alles gaaanz toll… Nur eines darf man niemals tun: widersprechen, eigene Meinungen vertreten! Man soll sich still und nett beugen und diesen Leuten für jedes Almosen ihr Ego auf Hochglanz polieren! Und man lernt solches Verhalten ja schon an der Kunstakademie. Was meinen Sie, wie man ausgegrenzt wird, wenn man seinem Professor widerspricht oder einem seiner Lieblingsstudenten? Da lernt man, was Freiheit wirklich bedeutet! Insofern ist die Dresdner Kunstszene sicher Vorreiter jener neuen Bürgerlichkeit, von der ich bereits sprach. Sie wird sich nicht wehren, wenn die AfD sie zu Eierschecke püriert.

Wolfgang Ullrich / Simon Rosenthal: Pandemie des Nichts. Simon Rosenthal im Gespräch mit Wolfgang Ullrich. | atelier-simon-rosenthal.de 2020-05-06

Simon ROSENthal (nicht Wiesenthal!) ist gebürtiger Saarbrücker und 36 Jahre alt. Das o.g. Interview, in dem es beileibe nicht nur um Dresden, ja nicht einmal nur um Kunst geht, umfasst gedanklich dichte 42 Druckseiten inklusiver guter Reproduktionen aller im Text angesprochenen Arbeiten des Künstlers und sei hiermit der geneigten Weltsicht-LeserIn ausdrücklich zur Sonntagslektüre anempfohlen.

Rückseiten der Digitalisierung II

… in order to carry out almost anything online we must subject ourselves to a hypercommodified hellscape of targeted advertising and algorithmic sorting … .

Adrian Chen: The Confidence Game | www.thenation.com 2019-10-14

Immerhin gibt es Werbeblocker. (Ja, dieser Artikel ist bereits 8 Jahre alt, aber an der Großwetterlage hat sich erstaunlicherweise nichts geändert.)