Lektüretagebuch 2018

2018-04-29 Bedeutendes Lektüre-Ereignis: Der Roman „Orfeo“ von dem mir bisher nur dem Namen nach bekannten US-Amerikaner Richard Powers. Wurde mir von einer guten Bekannten empfohlen, nachdem es um einen Komponisten gehe. Zu Beginn der Lektüre denke ich „Doktor Faustus“ – all die Metaphern, abgegriffen etc. aber jetzt wird’s doch dramatisch besser, v. a. da Powers‘ Gewährsmann nicht Schönberg bzw. Richard Strauss bzw. irgendeine irreale Mischung aus beiden ist, sondern: – Olivier Messiaen, speziell sein „Quartett zum Ende der Zeit“! – Klar wird das wieder narrativ aufmotiviert, Literatur kann Musik halt „nur“ erzählen und nicht einfach hören oder abspielen. Aber so ist „Orfeo“ tatsächlich ein major update zur Mann’schen Schwiemelei, die mir schon als Germanistik-Student in den späten 1980er-Jahren gehörige Hassliebe abverlangte. – Powers verleugnet nicht das nahezu kollektive Vor-den-Kopf-gestoßen-sein des Publikums, aber er legitimiert das überzeugend durch das Kriegstrauma sowohl des letzteren wie auch des Komponisten (vgl. BA Zimmermanns „Soldaten“). Meine Rede: die beste „Neue Musik“ ist vor 1945 bereits geschrieben worden.

2018-07-14 Die große Sommerlektüre 2018 hat begonnen: „New York 2140“ von Kim Stanley Robinson. Liest sich schon mal gut an, so wie ich es vom Meister erwartet habe: Viele geografisch korrekte, breit angelegte Schilderungen, gute Figurenzeichnung, zeitgemäßer, aber nicht an die Zeitläufte angeschleimter Plot. Kann so weitergehen 🙂

2018-08-09 „Autonomous“ liest sich weiter gut, obwohl das Buch deutlich als Trivialroman inkl. blutrünstiger Szenen (ok, bisher nur eine) angelegt ist. Das explizite Ausbuchstabieren exotischer bzw. „innovativer“ Werkstoffe und genetisch modifizierter Organismen / Materialien hat deutlich fetischhaften Charakter. Das scheint aber genre-typisch zu sein in der zeitgenössichen SF. Das befriedigt die Fans, das wollen sie: Die Handlung kann so konventionell sein wie nur irgendwas, solange nur bestimmte keywords genannt werden, bestimmte irgendwie abgefahrene, irgendwie gerade szenemäßig hippe gadgetstools, Materialien, technologische Ideen. Aber war das nicht immer schon so in der SF?

2018-08-13 Nee, Newitz ist doch keine große Autorin wie etwa Robinson, es mangelt ihr an Originalität, obwohl sie ungleich mehr Einfälle hat als Robinson. Aber man hat eben das Gefühl, das alles irgendwo schon mal gehört zu haben – auf die eine oder andere Weise.

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