아버지 „in the garden“ (2020)

Noch ein depressiver Gruß aus Südkorea (oder ist es doch Pittsburgh, wie kopf & gestalt vermutete?). Nur eine kurze Sopransaxofon-Phrase in feierlichem Moll, wie von einer ECM-Schallplatte von Jan Garbarek gesamplet. Dazu eine Menge Noise, Hall, Unterwasser. Was am Ende herauskommt, hat mit der Wellness-Spiritualität des Norwegers so gar nichts mehr gemein. Stattdessen gähnt einem ein Abgrund aus shopping villages frech ins Gesicht.

아버지 „Tomorrow“ (2016)

Minimalistischer Vaporwave aus Korea. „Tomorrow“ ist keine Sekunde zu lang, was bei über 11 Minuten Laufzeit gar nicht so einfach ist. Die latent obszöne wie depressive Künstlichkeit dieser noch sehr jungen Ästhetik, die mit „Sehnsucht nach Substanz angesichts kapitalistischer Entfremdung bis in die Knochen“ mal provisorisch umrissen sei, wurde hier sehr eindringlich umgesetzt.

Die opernhafte Vibrato-Stimme ab ca. Minute 3 lässt mich an das lachhafte Pathos der stalinistischen Erbmonarchie Nordkoreas denken, aber das ist natürlich nur der Fall, weil ich weiß, dass 아버지 Koreaner ist.

Ab 3ʹ50ʺ gewinnt die Musik durch eine weitere Oberstimme dann überraschend ganz ironiefreien Ernst. Ab Minute 7 kommen pulsierende Mallet-ähnliche Klänge wie aus Reichs „Music for 18 Musicians“ dazu. Der abrupte Schluss ist kein Unfall, sondern Stilmittel. Ich habe es überprüft: Auch andere Tracks von 아버지 enden so.