MIDI-Miniaturen der Klaviermusik Alexander Skrjabins, Kollektion 2

Playlist:

  1. Prélude op. 74 #2 | Jof Lee, SH edit
  2. Mazurka op. 25 #3 | Serge Winitzki 1996
  3. Mazurka op. 25 #9 | Serge Winitzki 1997
  4. Prélude op. 74 #5 | Jof Lee, SH edit
  5. Poème op. 32 #1 | Serge Winitzki 1996
  6. Prélude op. 74 #1 | Jof Lee, SH edit
  7. Mazurka op. 40 #2 | Serge Winitzki 1997
  8. Prélude op. 74 #3 | Jof Lee, SH edit
  9. Etude op. 42 #1 | Serge Winitzki 1998
  10. Etude op. 42 #4 | Robert Finley
  11. Prélude op 74 #4 | Jof Lee, SH edit

Zur Kollektion 1 geht’s hier.

Soundfont City Piano (Joe „bigcat“ Stevens)
MIDI Player FSMP (Zoltan Bacsko)
Faltungshall Anchorage Tunnel (EchoThief)
Effekte Mono-Rendering inkl. künstlicher Schallplattenknackser und weißem Rauschen (Edirol SD-90)

Skrjabin, optimiert

Die Dramaturgie der kürzlich hier präsentierten und für mich exemplarischen Kollektion von MIDI-Renderings ebenso exemplarischer Klavierminiaturen Alexander Skrjabins hat mich nicht ganz zufriedengestellt, deshalb heute eine optimierte Fassung: Ein Stück (op. 11 #4) ist dazugekommen, die Reihenfolge wurde geändert und – vor allem – habe ich teilweise nun doch etwas längere Pausen zwischen den „Sätzen“ eingefügt, damit die Musik mehr Luft zum Atmen hat. Hier kommt die aktualisierte Playlist:

  1. Etude op. 2 #1 | Robert Finley 1995
  2. Masque op. 63 #1 | Serge Winitzki 1997
  3. Etude op. 8 #4 | Robert Finley
  4. Poème op. 69 #2 | B. Restemeyer
  5. Prélude op. 11 #4 | Peter Kriek
  6. Prélude op. 11 #11 | B. Restemeyer
  7. Etrangeté op. 63 #2 | Serge Winitzki 1997
  8. Prélude op. 11 # 8 | Chris Todd 1998
  9. Fragilité op. 51 #1 | Serge Winitzki 1996
  10. Etude op. 8 #12 | Robert Finley 1995

Soundfont City Piano (Joe „bigcat“ Stevens)
MIDI Player FSMP (Zoltan Bacsko)
Faltungshall Anchorage Tunnel (EchoThief)
Effekte Mono-Rendering inkl. künstlicher Schallplattenknackser und weißem Rauschen (Edirol SD-90)

10 Skrjabin-Klavierminiaturen als Seelen- und Herz-Erwärmer

Die folgenden MIDI-Renderings stellen ein besonderes Kleinod für mich dar: Es handelt sich um Interpretationen kurzer bis kürzester Klavierkompositionen des verehrten Meisters Александр Николаевич Скрябин (1872-1915), die ich – teilweise schon vor langer Zeit – im Netz fand (v. a. hier).

Alexander Skrjabin (1872-1915) in gelöster Stimmung. Man beachte: Die (für ihn besonders wichtige) linke Hand schützt ein Handschuh, die rechte nicht. [Ich konnte mir nicht verkneifen, dieses alte Foto mit einem „Altes Foto“-Filter  wie ein „altes Foto“ aussehen zu lassen.]
Erst jetzt habe ich einen wirklich adäquaten Soundfont gefunden, um diese Dateien in Klang umzusetzen. Es handelt sich um die frei erhältliche Sample-Bibliothek eines kleinen Baldwin-Flügels, die Joe „bigcat“ Stevens unter der Bezeichung „City Piano“ vor 4 Jahren ins Netz stellte.

Ich habe mir beim Arrangement der Miniaturen große Mühe gegeben, um einen dramaturgisch interessanten Gesamtverlauf zu erzeugen. So gibt es keine Pausen zwischen den einzelnen Stücken, so dass der Skrjabin-unerfahrene Hörer die Musik als eine fortlaufende Komposition wahrnehmen kann (und soll). Die Skrjabin-Expertin wird feststellen, dass ich Kompositionen aus dem schwärmerischen Frühwerk mit solchen aus dem konstruktivistischen Spätwerk wild durcheinander mischte.

Die Stücke und ihre Interpreten im Einzelnen:

  1. Etude op. 2 #1 | Robert Finley 1995
  2. Masque op. 63 #1 | Serge Winitzki 1997
  3. Etude op. 8 #4 | Robert Finley
  4. Poème op. 69 #2 | B. Restemeyer
  5. Prélude op. 11 #4 | Peter Kriek
  6. Prélude op. 11 #11 | B. Restemeyer
  7. Etrangeté op. 63 #2 | Serge Winitzki 1997
  8. Prélude op. 11 # 8 | Chris Todd 1998
  9. Fragilité op. 51 #1 | Serge Winitzki 1996
  10. Etude op. 8 #12 | Robert Finley 1995

Die Liste wurde aktualisiert. Hier geht’s zur aktuellen Fassung. Den Audiolink gibt’s aber auch hier:

Ihren vollen Charme entfaltet diese Musik erst, wenn man vorher den Alltagskopf amputiert und beiseite gelegt hat. Zum Nebenbeizwischendurchhören ist sie nicht geeignet*, vermutlich, weil das in ihr ausgedrückte Lebensgefühl allzu weit von dem des Jahres 2018 entfernt ist. Aber exakt deswegen liebe ich sie ja.

Wie gefällt euch diese Musik?


* Ich höre sie auch so gut wie nie im Klassische Musik-Radio.

Feinbergiana 00

Der hier durchaus gequält und melancholisch dreinblickende Herr ist der Pianist und Komponist Samuil Jewgenjewitsch Feinberg (wenn ihr den Namen noch nie gehört habt, keine Angst, der Mann ist geradezu skandalös unbekannt), der von 1890 bis 1962 vor allem in Moskau lebte und am dortigen Konservatorium als Klavierprofessor wirkte, d. h., Zeit seines Erwachsenenlebens hauptsächlich mit der Sowjetunion Josef Wissarionowitsch Stalins Umgang zu pflegen sich genötigt sah.

Nun, wer weiß, wie ich dreinblicken würde, wäre ich in derart missgünstige Zeitläufte hineingeboren? Feinberg jedenfalls ließ sich – zumindest als Komponist von Klaviersonaten – den Schneid nicht abkaufen und verfertigte im Lauf seines Lebens deren 12 (also Klaviersonaten jetzt), die ich an den kommenden Montagen allesamt hier in der Weltsicht dem geneigten Publikum präsentieren möchte (=“Feinbergiana 01 – 12″).

Zum Eingang („Feinbergiana 00“) heute jedoch Feinbergs überaus emotionale Interpretation der 9 Mazurken op. 25 Alexander Nikolajewitsch Skrjabins, die um 1899 entstanden. Es handelt sich hierbei um eine wunderschöne, exakt halbstündige Mono-Aufnahme aus den 1950er-Jahren (Und bevor sich jemand über die schlechte Tonqualität des Videos beschwert: mir liegt das Kauf-mp3 vor, das genauso scheppert. Ich bitte vielmehr das Ohrenmerk auf die ganz erstaunliche Dynamik des Mitschnitts zu richten, an den „Honkytonk-Sound“ des Klaviers gewöhnt man sich mit der Weile, besonders gut ist auch Samuil Jewgenjewitschs scharfes Atemholen festgehalten.), d. h., Feinberg war zum Zeitpunkt der Einspielung mindestens 60 Jahre alt.

Mich rührt diese scheinbar „unsentimentale“ und mitunter fremdartig gehetzt wirkende Interpretation von Skrjabins (pseudo-)volkstümlicher Musik auf schwer zu definierende Weise, denn Feinbergs Spielweise haftet etwas Paradoxes an: Einerseits „reißt“ er gerade die „schönen“, d. h. zum Schwelgen einladenden, Stellen geradezu mitleidlos bzw. beiläufig „herunter“, andererseits richtet er die Aufmerksamkeit des Hörers durch eigentümliche Verlangsamungen auf Stellen, denen, wenn ich mich nicht irre, sonst eher weniger Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Ich habe hier den Eindruck eines durch und durch „skrupulösen“ Spiels am Rande des Manierierten, d. h. der Pianist ist derartig „verliebt“ in die Komposition, dass er sie eigentlich kaum zu „berühren“ vermag. Nun, eine derartige Herangehensweise mag viele, vielleicht sogar die meisten Hörer befremden (bzw. sie vermögen sie gar nicht „herauszuhören“ und meine Interpretation für spekulativ halten – und letztlich ist sie das natürlich auch), mich jedenfalls entzückt sie – also die Herangehensweise jetzt – über alle Maßen, denn der Komponist Feinberg spielt hier Skrjabin, einen seiner erklärten Lieblingskomponisten, quasi in Anführungszeichen, ohne dabei aber irgendwelche emotionalen Abstriche zu machen – und das grenzt ästhetisch an die, pardon, Quadratur des Kreises.

Dabei stand es mit Feinbergs pianistischer Technik nicht zum Besten, vermutlich hätte er heutzutage als Konzertpianist keine Chance mehr, zu schlampig, undeutlich und fehlerhaft erscheint sein Spiel, was aber der emotionalen Notwendigkeit jeder seiner Phrasierungen keinerlei Abbruch tut – wäre er Jazzpianist, würde man von soulfulness sprechen.

Was wollen wir: Interpretationsroboter (dafür gibt’s doch MIDI!) oder Interpreten, die etwas riskieren und sich damit oft am Rand ihrer Möglichkeiten bewegen? – Im Licht dieser rhetorischen Frage erscheinen mir Feinbergs halsbrecherische interpretatorische Freiheiten aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts überaus zeitgemäß (wenn auch in keinster Weise im Einklang mit dem Zeitgeist, d. h., Lang Lang und sowas).

Anspieltipp: die ganz besonders herzzerreißende Mazurka #2 von 2:45 bis 6:08, die klingt, wie ein Original von Bill Evans … Unsinn, andersrum wird ein Schuh draus: Evans‘ Originale verdanken ihre spezifische, intime Qualität offenbar zum Teil dem Einfluss Skrjabins – was jetzt aber nicht als Kritik an Evans zu verstehen ist.


Konzept und Inhaltsverzeichnis des Projekts „Feinbergiana“

«Sykorujabing» for well-tuned piano (ePlayer realization)

MIDI-Editoren Cubase, MidiEditor (M. Schwenk), MIDIPLEX (Stas’M), Sekaiju (kuzu)
Temperierung nach La Monte Young (mehr dazu hier)
Microtonal MIDI Software Harmonic, PianoTuner (F. Nachbaur)
Sample-Bibliothek Bösendorfer Imperial-Konzertflügel (VSL)
Sample-Renderer [Host] Vienna Ensemble [Freepiano]
Faltungshall [Software] ORTF-Studio (Urheber unbekannt) [FreeverbVST3_Impulser2]

Kompositionsnotiz

Skrjabins fünfteiliges Prélude op. 74 aus dem Jahr 1914 begegnete mir als von einem gewissen Jof Lee sequenziertes Standard MIDI File. Ich war sofort fasziniert von der harmonischen Architektur der Komposition. Sie wirkt einerseits wie aus einem Guss und quasi-modal, atmet aber gleichzeitig den unstillbar sinnsuchenden Geist des Expressionismus. Das erinnerte mich an einen ganz anderen, harmonisch aber ebenfalls recht eigenständigen Komponisten: La Monte Young. Dessen in den 1960er-Jahren für seine Performance „The Well-Tuned Piano“ entwickelte Klavierstimmung übertrug ich kurzerhand auf Skrjabins Werk.

Die Abfolge der Préludes habe ich anschließend aus dramaturgischen Gründen verändert, sie erklingen nun in der Reihenfolge 2, 5, 1, 3 und 4. Der Kompositionstitel ist ein Anagramm aus den Worten „Skrjabin“ und „Young“.

Wenn du die Weltsicht unterstützen möchtest, erwirb einen Download meiner Musik im WeltsichtWebShop oder sende mir ein Buch von meinem Wunschzettel.

«Hommage à Scriabine» pour piano (réalisation d’ePlayer)

MIDI-Editoren MidiEditor (M. Schwenk), MIDIPLEX (Stas’M), Sekaiju (kuzu), Cubase
Sample-Bibliothek Yamaha CF III-Konzertflügel (Mats Helgesson)
Sample-Renderer SynthFont2 (K. Rundt)
Faltungshall [Software] Saitenresonanz eines Klaviers, ORTF-Studiohall (Urheber jeweils unbek.) [FreeverbVST3_Impulser2]

Kompositionsnotiz

Eine Huldigung des russischen Meisters war schon lang fällig. Die Komposition klingt zwar eher nach Claude (Debussy) als nach Alexander Nikolajewitsch, aber was soll’s? Es ist für mich „gefühlter Skrjabin“, der aus einer MIDI-Piano-Impro, die irgendwann während der letzten 12 Monate entstand, erwirtschaftet wurde.

Wenn du die Weltsicht unterstützen möchtest, erwirb einen Download meiner Musik im WeltsichtWebShop oder sende mir ein Buch von meinem Wunschzettel.