Anthony Braxton: Interview / Performance

Interviewer ist ein gewisser Alexander, der seit über 6 Jahren hauptsächlich afro-amerikanische Musiker unter dem Label underyourskin über die Dinge des Lebens befragt. Die Videoqualität ist abenteuerlich, das Gespräch aufschlussreich und – für Braxtons Verhältnisse – sehr entspannt. Es fand (vermutlich) im Jahr 2008 statt:

Bereits 1998 schrieb ich, basierend auf Peter Niklas Wilsons Braxton-Monografie von 1993, einen längeren Text über Braxton, der mittlerweile von der deutschsprachigen Wikipedia empfohlen wird.

27 Jahre vor diesem Interview  interpretierte Braxton „Impressions“ von John Coltrane folgendermaßen (Mitschnitt vom Woodstock Jazz Festival 1981):

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Anthony Braxton: Interview / Performance

Anthony Braxton Quartet @ Jazzbühne Berlin (Friedrichstadtpalast), DDR 1985

Es ist immer wieder faszinierend, wie es Braxton versteht, durch seine erweiterten Spielanweisungen für improvisierende MusikerInnen („Compositions“) die Dinge im Fluss und spannungsreich zu halten, ohne dass man das Gefühl hätte, diese (also die MusikerInnen jetzt) seien dadurch irgendwie eingeengt.

Wenn es nicht so hässlich klingen würde, könnte man von einem Hybrid- bzw., äh, Bastardverfahren zwischen Improvisation und Komposition sprechen („Amalgam“ klänge ja ganz komisch nach Zahnarzt, „Komprovisation“ irgendwie obszön. „Gelenkte Improvisation“ wiederum hört sich an wie ein durchaus entbehrliches musikalisches Gegenstück zu Wladimir Putins „Gelenkter Demokratie“). Bleiben wir also bei der etwas monströsen Formulierung „erweiterte Spielanweisungen für improvisierende MusikerInnen“.

Anthony Braxton Quartet @ Jazzbühne Berlin (Friedrichstadtpalast), DDR 1985