Gute Musik® 2 von 3 | Ashley Abrman: „Your Lips“ (2018)

Information Die Sängerin ist Slowakin und das Ganze wurde auch in der Slowakei komponiert, produziert und aufgenommen.

Das Faszinierende und mir erkenntnistheoretisch bzw. letztlich philosophisch seit je Problematische ist, dass diese Zusatzinformation kein Jota am akustischen Inhalt 1  dieses Tracks ändert, aber sehr viel am auralen Gehalt 2 . Über diese Art von ästhetischem Gestaltwechsel brüte ich, kein Scherz, seit Jahrzehnten.

Anderes Beispiel: Ein Track mit zeitgenössischer Instrumentalmusik, gespielt von realen MusikerInnen auf klassischen Instrumenten, wird von zufällig ausgewählten HörerInnen mehrheitlich als „spannend“, zumindest aber „originell“ bewertet. Anschließend erhalten sie die Zusatzinformation, dass die Komposition komplett von einem KI-Programm errechnet wurde. Bei erneuter Befragung wird derselbe Track von denselben HörerInnen nun vorwiegend als „eigentlich langweilig“ und „irgendwie epigonal“ bewertet. – Exakt diesen Versuchsaufbau habe ich frei erfunden, aber ähnliche Experimente gibt es tatsächlich, v. a. mit Abstrakter Bildender Kunst von Automaten (AutomatInnen?).


 

1 d. h. der physikalisch messbaren Materialität der Tonaufnahme, also letztlich der zeitlichen Abfolge von Frequenzgemischen, aus der Musik nun mal besteht

 

2 d. h. dem, wie wir Musik hören und wie sie uns gefällt, welche Gefühle sie in uns hervorruft, zu welchen weiterführenden Gedanken sie uns anstiftet, kurz, was die Musik „mit uns macht“