Semana Brasilectra 4 of 4: „Beira Do Mar“ by S-Tone Inc. (2005)


Ein weiteres cooles Produkt aus dem Hause Tirone. Wunderschönes Kontrabassriff zu Anfang, dann portugiesische Vocals von „Toco, Adi Souza and Luciana Cury“ (keine Ahnung, was der Text bedeutet) und gegen Ende ein gekonntes Flötensolo von Carlo Nicita. Lässiger geht’s kaum.

Semana Brasilectra 3 of 4: „Carioca“ by Fragmentorchestra (2003)


Vom Fragmentorchestra weiß ich nur, dass mir der Name gefällt, die Band aus Reggio Emilia (Italien) stammt und die Musiker Giulio Vetrone und Luca Pernici wohl zu ihren Gründern gehören. Besonders gut an dem Track kommt sein konsequenter Minimalismus, hier unterbricht keine nostalgische Solo-Improv den anonymen Fluss der Dinge.

Semana Brasilectra 1 of 4: „Fruitcake“ by Can 7 (2003)

Hinter „Can 7“ verbirgt sich der Kölner Deutschtürke Levent Canseven, der hier auch Bass und Perkussion spielt und zudem für das Arrangement verantwortlich ist. Das überaus kühle Jazzklavier schlägt Guido Craveiro.

Der Track überzeugt durch Linearität und nie nachlassende Spannung (wie ein guter Technotrack), wobei besonders Craveiros subtiles Piano durchgehend viel Freude bereitet. Die Audioqualität des YouTube-Videos ist sehr gut.

Semana Brasilectra

Oscar Ribeiro de Almeida Niemeyer Soares Filho (1907 – 2012) ist vermutlich der bedeutendste, ganz sicher aber bekannteste braslianische Architekt der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine berühmtesten Bauten schuf er um 1960 herum, als sich das Land eine neue Hauptstadt vom Reißbrett namens Brasília wünschte. Das hier gezeigte Museu de Arte Contemporânea de Niterói in der Nähe von Rio aus dem Jahr 1996 ist aber auch ganz hübsch und darüber hinaus stilistisch nicht allzu weit von Niemeyers Brasília-Stil entfernt. Ich bringe es deswegen, weil Niemayer-Architektur um das Jahr 2000 herum ein sehr beliebtes Motiv für Brasilectro-Compilations war und diese affirmative ikonografische Einbindung moderner Architektur in eine popkulturelle Subkultur ein vermutlich singuläres Phänomen darstellt.

Da ich, wie mir kürzlich auffiel, die um die Jahrtausendwende herum grassierende Brasilectro-Welle komplett verpasst habe, wird nun kräftig nachgeholt: Kommende Woche gibt’s – außer dem montäglichen Klavierstück natürlich – jeden Tag eine musikalische Preziose aus jener Zeit.

Die interessanten Tracks, die mir begegneten, waren ausschließlich von Italienern, Deutschtürken und Briten produziert, BrasilianerInnen fanden sich nicht. Lupenreine cultural appropriation also, das Ganze. Die „authentische“ brasilianische Popkultur der 1960er- und 1970erjahre wurde von europäischen DJs in Sampleform appropriiert, expropriiert und exploitiert. Schändlich!

Aber leider geil.