„Neue Gremien basteln!“

Der Politologe Christoph Bieber fordert im untenstehenden Video – wenn auch verhalten – das „Basteln“ neuer Gremien, die über die Verteilung öffentlicher Gelder zu entscheiden haben. Die soziokulturellen Folgen der Digitalisierung machten dies notwendig. Es geht in diesem Interview zwar nicht um Kultur oder gar Musik im engeren Sinn, sondern um Journalismus, doch scheinen mir Biebers Gedankengänge gut übertragbar zu sein auf den Bereich der Förderung von Kunst durch Steuergelder.

Gerade im Journalismus, so Bieber, gebe es immer mehr Akteure, die zwar in keinster Weise den öffentlich-rechtlichen Institutionen angehörten, deren Ethos (Aufklärung statt Profit) aber teilweise deutlicher umsetzten als die Landesrundfunkanstalten (LRA) selbst (Blogger z. B.). Den LRAs wiederum sei es aufgrund ihrer durch die Nachkriegszeit determinierten institutionellen Verfasstheit schlicht untersagt, diese Akteure zu fördern. Dabei, so Bieber, der im WDR-Rundfunkrat sitzt, es also wissen muss, gebe es durchaus öffentlich-rechtliche Akteure, die das idealistische Treiben ihrer freidigitalen KollegInnen mit großer Sympathie beobachteten.

Ein weiteres Fortschrittshemmnis stelle die Tatsache dar, dass es den Leuten in den (journalistischen) Institutionen immer noch zu gut gehe. Ein Leidensdruck als Folge der Digitalisierung sei dort schlicht nicht spürbar. Dies, so möchte ich hinzufügen, hat aber mehr mit der Persistenz der Institutionen zu tun als mit der Irrelevanz der Digitalisierung. Martin Hufners Artikel „Revolution, wo?“ über die Vorstellung von Harry Lehmanns Buch „Die digitale Revolution der Musik“ aus dem Jahr 2012 schildert diese Gemengelage – jetzt wieder bezogen auf das Soziotop „Neue Musik“ – recht plastisch:

Lehmanns Thesen blieben nicht unwidersprochen. Von Seiten der anwesenden Komponisten und Interpreten schlägt ihm dabei mehr oder weniger deutlich Ablehnung entgegen. Sie sehen diese Wende oder gar Revolution nicht. Die Institutionalisierung der Neuen Musik sei nach wie vor fest wie nichts anderes.

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„Neue Gremien basteln!“