Stumpfe Heilsbotschaft

David Hockney: "The Arrival of Spring in Woldgate, East Yorkshire in 2011 (Twenty Eleven) - 2 January 2011!", 2011Also David Hockney. Der Swimmingpool-Hockney ist zum Baumstumpf- und Bergpredigt-Hockney geworden. Selten war die Farbe grün grüner als in „A Bigger Picture“ im Musum Ludwig zu Köln. Apropos Stumpf: Der Stumpf-Sinn ist nie weit bei Hockneys obsessiven Variationen des Immergleichen, Banalen. Gut – eine gewisse Faszination geht von derlei „Konsequenz“ natürlich schon aus (naturgemäß sozusagen). Aber ist das ganze Unterfangen nicht eigentlich nur eine Dreistigkeit, eine Unverfrorenheit, ein sich als naive Malerei tarnender Anschlag auf kultivierte Bildfindung?

Die Arbeiten Hockneys sind tatsächlich simpel, sie verbergen nichts, deuten erstmal auf nichts außerhalb ihres Sujets, also europäischen Wald-, Wiesen- und Feldlandschaften in Frühling, Sommer, Herbst und Winter, hin. Mit viel Mühe und dem entsprechenden Hintergrundwissen kann man Homoerotisches heraus-, bzw. hineinlesen. Muss man aber nicht. Führt auch nicht weiter.

Viele Zeichnungen sind mit Hilfe einer ungenannten Anwendung am Tablet-Rechner entstanden (dieser wird allerdings stets mit dem vollen Marken-Namen benannt). Tatsächlich witzig ist, dass Hockney offenbar den Entstehungsprozess dieser Werke auf dem Rechner mitgeschnitten hat und man so die routinierte Bildkomposition im Zeitraffer bei einigen Werken mitverfolgen kann.

Hockneys nur von sehr peripherer Ironie gemilderte Darstellung von Jesu Bergpredigt, die, wie immer in dieser Ausstellung, mit allen Skizzen, Studien, Vorstudien und Probe-Realisierungen im wahrsten Sinne des Wortes erschöpfend präsentiert wird, verdient besondere, hm, Beachtung. Es handelt sich hierbei, wie ich nach ultra-kurzer Internet-Recherche herausfand, um ein post-postmodernes Re-Enactment eines Gemäldes von Claude Lorrain (1600 – 1682). Post-postmodern deswegen, weil das Wiederaufgreifen einer historischen Bildfindung zunächst wie postmoderner Mainstream anmutet, Hockneys Appropriation jedoch frei von „dekonstruierender“ Skepsis zu sein scheint (die ja nun mal die conditio sine qua non der Postmoderne ist bzw. war) – sie kündet einzig und allein von der Gewissheit des Glaubens an die jesuanische Heilsbotschaft. Hockney steht so zweifellos Michael Triegel näher als, sagen wir, Jeff Koons.

Er scheint mir ein Künstler zu sein, der vor allem nach breiter, wenn nicht breitester Anerkennung strebt (Nein, nicht alle Künstler streben vor allem nach Anerkennung, einigen geht es auch um Wahrheit, um Erkenntnis, um Fortschritt, oder um wirtschaftlichen Erfolg, anderen wieder um Hipness – legitime Ziele sind das allesamt). Er dürfte sein Ziel – einmal wieder – erreichen.

Und natürlich strömen sie, die Massen. Die Männer, vor allem die älteren, oft skeptisch bis ablehnend („Simpel, das ist einfach nur simpel.“), die Frauen manchmal irritiert, manchmal begeistert (im Sinne von „Endlich traut sich mal einer!“). Aber was eigentlich genau wird sich hier „getraut“?

Ich habe diesen Artikel zeitgleich in meinem Community-Blog beim Freitag veröffentlicht. Die Debatte dazu lässst sich hier verfolgen.

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