Diederichsen zur digitalen Revolution der Musik

Das Thema nimmt nur einen bescheidenen Platz in diesem knapp dreiviertelstündigen Gespräch vom 6. Mai diesen Jahres ein (von 33’30“ bis 36’30“) – aber Diederichsens Analyse passt ganz gut zu meinem Weltsicht-Artikel Musik und Materie aus dem vergangenen Jahr, wo es ebenfalls um Konsequenzen des Verschwindens des haptisch erfahrbaren Tonträgers ging. Diederichsen scheint es ähnlich zu gehen wie Elke Schmitter, deren SPIEGEL-Essay „Dateien kann man nicht lieben“ ich damals zum Ausgangspunkt eigener Gedanken nahm: Für ihn wird Musik uninteressanter, wenn sie nicht mehr untrennbar mit einem käuflichen Objekt und seiner Verpackung verbunden ist. Er geht sogar so weit, zu sagen: Musik ohne Verpackung ist keine Musik.

Das muss man erst mal sacken lassen.

Muss man sich Sorgen um Diederichsens Verstand, den ich bisher sehr schätzte, machen?

Wohl nicht.

Eher schon scheint er sich – wie Schmitter, aber aus anderen Gründen – über den historischen Wandel in der Distribution von Musik einfach zu ärgern, weil er Teilen seiner bisherigen kulturellen Praxis (und damit auch seiner, hm, Theorie) schlicht die Geschäftsgrundlage entzieht: Mit der Schallplatte/CD verschwindet auch die Notwendigkeit ihrer Kritik.

Wenn Musik jetzt plötzlich nur noch, pff, was zum Hören sein soll, interessiert sie nicht mehr.

Das ist so armselig, dass ich es kaum glauben kann. Meint er das ernst?

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Diederichsen zur digitalen Revolution der Musik