Populäre Irrtümer und das Haptik-Argument

Eben entdeckte ich auf der (mir bislang unbekannten) „Informationsquelle zu E-Books und E-Book-Readern“ lesen.net, die von dem Hannoveraner Johannes Haupt verantwortet wird, einen Artikel über populäre Irrtümer in Sachen E-Book, dessen wichtigste Fakten ich, angereichert durch eigenes Wissen und eigene Beobachtungen, dem Weltsicht-Leser nicht vorenthalten möchte:

  • E-Books kann man kaufen Falsch. Man erwirbt lediglich ein Nutzungsrecht.
  • E-Books unterliegen dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7% wie Bücher. Falsch: Der MwSt.-Satz für E-Books beträgt 19% – es handelt sich nämlich nicht um, äh, Bücher. Ein, wenn auch peripherer, Grund, warum E-Books nicht billiger sind.
  • Ich bin gezwungen, einen Kindle zu kaufen, um bei Amazon heruntergeladene E-Books zu lesen. Kann man so pauschal nicht sagen, sagt lesen.net. Die Freeware Calibre schafft hier Abhilfe: Beim Amazon gekaufte E-Books kann man damit in das Dateiformat EPUB konvertieren und so auch auf E-Book-Readern anderer Hersteller lesen. Ist die Amazon-Ware kopiergeschützt, kann man sich das Calibre-Plugin DRM Removal Tool des Hackers Apprentice Alf herunterladen und … bewegt sich dann vermutlich schon in einer rechtlich eher dunkelgrauen Zone, zugegeben (von mir habt ihr’s nicht).
  • Die Verwendung von anderen E-Book-Readern als dem notorischen Kindle befreit mich von der Bindung an den fiesen Monopolisten Amazon. Schon richtig – was die Hardware betrifft. Aber: Andere E-Book-Reader verwenden ebenfalls proprietäre Verschlüsselungstechniken, nur stammen die dann aus dem Hause anderer fieser Monopolisten: Adobe oder Apple. (Details im Kommentar)
  • Mit dem Kindle kann ich nur bei Amazon gekaufte E-Books lesen. Blödsinn. Mit Calibre (s. o.) und, o.k., ein bisschen Programmierwissen lassen sich beliebige HTML-Dateien aus dem Netz (oder auch eigene Texte, Texte von Freunden etc.) ins MOBI-Format konvertieren und dann prima auf dem Kindle lesen. Sogar PDFs kann der Kindle, äh, anzeigen, irgendwie (meine Omnibusfahrpläne zum Beispiel, das geht schon).
  • E-Books, die bei klassischen Verlagen erscheinen, sind grundsätzlich sorgfältiger gearbeitet als Independent-Produke. Muss nicht sein. Zitat lesen.net: „Während es viele Self-Publisher gibt, die ihre E-Books professionell lektorieren und produzieren lassen, finden sich gerade bei E-Books von Großverlagen teilweise haarsträubende Herstellungsfehler – von den Inhalten ganz zu schweigen.“
  • Ich hab keinen Bock, nach 8 Stunden Bildschirmarbeit im Büro am Feierabend weiter auf das Flackerdisplay eines E-Book-Readers zu starren! Das Display gerade vieler einfacher E-Book-Reader kann gar nicht „flackern“, weil es schlicht nicht beleuchtet ist. Es reflektiert lediglich das einfallende Licht. Je heller dieses ist, desto besser der Kontrast – ganz wie beim Lesen eines Buches.

Bleibt noch das berüchtigte „Haptik-Argument“, das weiter sehr oft reflexhaft hervorgebracht wird, sobald ich das Wort „E-Book-Reader“ in den Mund nehme. Es geht ungefähr so: „Ich werde mich nie an das E-Book gewöhnen, weil es kein Buch ist – es fühlt sich anders an, es riecht nicht nach Leim und Papier, es raschelt nicht, man kann keine Schokoladenflecken rein machen oder Körperflüssigkeiten auf den Seiten verschmieren, menno!“ Mir war nicht klar, dass es so viele Menschen gibt, die Bücher hauptsächlich als Objekte (Fetische?) wahrnehmen, sie liebevoll befingern, lustvoll an ihnen riechen (logisch, in der Bindung ist ja Klebstoff drin!), mit ihnen tief befriedigende Geräusche machen, sie leidenschaftlich beschmutzen oder gar mutwillig deformieren (Eselsohren, Buchrücken durchbrechen, Seiten herausreißen etc.). Nun gut, hier hat das Buch einen Punkt, für Freunde polymorpher Perversionen (S. Freud) bietet der E-Book-Reader in seiner spröden Kompaktheit natürlich entschieden weniger Angriffsfläche.

Aber das allein wird seinen Siegeszug nicht aufhalten. Da bin ich ganz sicher!

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Populäre Irrtümer und das Haptik-Argument