Die GEMA bekommt Konkurrenz – vielleicht

c3sUnd ich in meiner juristischen Ahnungslosigkeit Unbildung dachte bisher, das ginge gar nicht, die GEMA sei so etwas wie eine Behörde – also etwas Alternativloses sozusagen. Es gibt ja schließlich auch nur ein Finanzamt, an das Steuern zu entrichten sind. Jens Uthoff schreibt aber heute auf taz.de, dass dem nicht so ist (also das mit der GEMA jetzt, mit dem Finanzamt lag ich schon richtig):

Aus der Düsseldorfer Initiative C3S (Cultural Commons Collecting Society) wird … eine Verwertungsgesellschaft – so denn das Deutsche Patent- und Markenamt im kommenden Jahr die Zulassung erteilt.

Ziel sei eine Art GEMA 2.0 speziell für Marginalmusiker (also praktisch für alle bis auf Dieter Bohlen und ähnliche Kaventsmänner, denn ordentliches Mitglied der GEMA kann weiterhin nur werden, an wen in in 5 aufeinanderfolgenden Jahren mindestens 30.000 € oder in 4 aufeinanderfolgenden Jahren mindestens jährlich 1.800 € an Tantiemen ausgeschüttet wurden), die viel differenzierte und lebens-, sprich internetnähere Lizensierungsoptionen ermögliche als die GEMA bisher.

Interpreten sollen für jedes einzelne Werk entscheiden können, ob sie die Rechte ganz abtreten oder ob sie Creative-Commons-Lizenzen … nutzen möchten. Mit diesen können die Autoren auf einfachem Wege die Rechte (etwa für Remixe) freigeben. Mit einer Gema-Mitgliedschaft geht dies nicht. Des Weiteren strebt man bei C3S trackgenaue Abrechnungen im Bereich Online- und Live-Lizensierung an.

Na, das klingt doch mal vernünftig – wenn auch nicht nach reichem Geldsegen. Aber immer noch besser als garnix, oder?

Es wäre schon viel damit gewonnen, wenn auch Marginalmusiker („marginal“ meint hier „ökonomisch unbedeutend“, nicht etwa „künstlerisch ambitionslos“ – im Gegenteil!) wie ich z. B. wenigstens Mikrobeträge für die Downloads ihrer Musik bekämen. Genaugenommen würde ich die Höhe der Downloadkosten ganz gerne selbst festlegen können: Einiges könnte frei bleiben, anderes eher nicht. Nachdem das Social-Payment-Modell Flattr irgendwie dann doch nicht so richtig zu funktionieren scheint, ist C3S vielleicht gar ein Silberstreif am bisher stets zuverlässig kargen und düsteren Horizont digitaler Musikverwertung?

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Die GEMA bekommt Konkurrenz – vielleicht