Systemtheorie und Künstliche Intelligenz

Dirk Baecker, einer der bekanntesten Schüler Niklas Luhmanns, schlägt in einem aktuellen Interview deutlich fatalistische Töne an, was das zukünftige Verhältnis von systemtheoretisch informierter und Künstlicher Intelligenz angeht:

Die nächste Organisationsberatung besteht aus Therapeuten, die uns darüber beruhigen, dass die Computer schon wissen werden, was sie tun.

aus Dirk Baecker: Organisationsberatung 4.0, Blog-Artikel vom 13. Mai 2016

Besonders bemerkenswert erscheint mir dabei, dass Baecker diese Bemerkung auf seinem eigenen Blog The Catjects Project nachreichte, gehört sie doch zu dem Teil des erwähnten Interviews, der es „nicht mehr auf Gerhard Krejcis Blog schaffte“ (Baecker). Wenn sich der Interviewte nun die Mühe macht, diese – aus welchem Grund auch immer – bereits hinauseditierte Passage selbst zu publizieren, muss es sich wohl um mehr als eine flapsige Bemerkung handeln.

Aber was will uns Baecker damit eigentlich sagen? Etwa, dass auch Soziologen der Luhmann-Schule nun allmählich gezwungen sind, von gestaltender Erklärung zur bloßen „Bildschirmrückseitenberatung“ (G. Dueck 2010) überzugehen?

Update 2016-06-16T12:14 Eben sehe ich, dass Dirk Baecker URL und Titel des Artikels noch mal geändert hat. Er heißt jetzt Die Organisation im Wandel, a never ending story. Die von mir oben zitierte Passage steht jetzt in einem eigenen PDF, zu dem vom Artikel aus verlinkt wird.

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Systemtheorie und Künstliche Intelligenz

Cargo-Kulte des 21. Jahrhunderts

Hätte Oswald Wiener eine etwas andere Sozialisierung erfahren, er hieße vielleicht Gunter Dueck. Was die beiden eint, ist ein mathematisch-quantifizierender Blick auf Menschlich-Allzumenschliches, den sie nur mit Hilfe von abgründigem Dauersarkasmus aushalten – was nicht wenige immer wieder als Zynismus bzw. Menschenverachtung fehl-interpretieren.

Berufsredner Dueck hat ein Timing, eine Rhetorik und eine Art und Weise, seine Stimme einzusetzen – seine abrupte Dynamik ist ebenso singulär wie effektiv -, um die ihn mancher Stand-up-Comedian beneiden würde, gäbe es denn einen Stand-up-Comedian, der von der Existenz Duecks wüsste („Ej mir is schon der Lesch zu langweilig mit seinem Physiker-Geschwalle und jetzt soll ich mir auch noch ’n Mathematiker anhören? No way, Alter!“). Aber vielleicht irre ich hier?

Solange sich die re:publica subtile Hofnarren wie Dueck leisten kann und will, gebe ich sie – trotz gefühlt 1.000 sonstiger Vorträge à la „Unsere wunderbare neue Technik-Welt [RednerIn gefördert von Microsoft / Apple / Cisco / …]“ – noch nicht verloren.

Und jetzt mal den Kopf ein wenig auf die Seite kippen, damit die Hirnmasse zusammenlaufen kann. Liebe Kinder, gebt fein acht, der Onkel Gunter hat euch etwas mitgebracht:

Cargo-Kulte des 21. Jahrhunderts