John Cheever: „Falconer“, Roman (1977)

John Cheever (1912 - 1982)

Meine erste Begegnung mit dem US-Amerikaner John Cheever, der mir bisher nur ganz vage als einer der wichtigen Verfasser von short stories der Nachkriegszeit bekannt war, gelesen hatte ich noch nichts. Jetzt bin ich halt zufällig an „Falconer“ geraten, einen recht kurzen Roman aus dem Jahr 1977.

Nun ja, ich habe mich gequält, die Lektüre immer wieder unterbrochen, was anderes gelesen, neu angesetzt, wieder unterbrochen. Dabei konnte ich nie genau sagen, was mir das Lesen so anstrengend machte. Die Sprache war es nicht, die ist klar, manchmal lyrisch, manchmal vulgär, aber ganz sicher nicht „schwierig“. Das Sujet vielleicht? Schon eher – es ist ein Gefängnisroman, erzählt aus der Perspektive eines wegen Brudermordes verurteilten Intellektuellen, der zudem auch noch heroinsüchtig ist – und bisexuell. Bisschen viel auf einmal vielleicht. Schwer lastet von Anfang an eine Atmosphäre der Hoffnungslosigkeit auf den Sätzen dieses Buches. Irgendwie wird mir auch sofort klar, dass sich das im Verlauf des Geschehens wohl nicht zum Besseren wandeln wird.

„Falconer“ ist ein Tunnel ohne Ausgang, eine Sammlung deprimierender Einsichten. Wer sich einmal durch George Orwells „Auftauchen, um Luft zu holen“ gekämpft hat, wird verstehen, was ich meine: es geht nicht um Resignation, gar Depression oder Defätismus – geschildert werden „einfach“ die pausenlosen Nackenschläge, die einem das Leben so bieten kann, und denen es immer wieder illusionslos Paroli zu bieten gilt – bis zur nächsten kleineren oder größeren Katastrophe eben.

Der Protagonist erweckt zunächst keine Sympathie – das ist wohl das Hauptproblem: Wer möchte sich schon mit einem heroinsüchtigen Totschläger identifizieren, der zudem nur wenig Schmeichelhaftes über die Menschen in seinem Leben zu berichten weiß?

In jedem Fall machte mich „Falconer“ aber neugierig auf Cheevers „Hauptwerk“, die oben erwähnten short stories, denn bei aller drückenden Statik und Ereignislosigkeit ist das Buch doch durch und durch das Werk eines Dichters, dessen Sprache (die Übersetzung von Dieter Dörr ist gut) und Weltsicht (besser: Welt-Erfindung) ganz lässig ihre vollkommene Eigenständigkeit und Prägnanz behaupten können. Darüber vergaß ich dann manchmal sogar komplett die Schäbigkeit der geschilderten Ereignisse.

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John Cheever: „Falconer“, Roman (1977)