Dubstep Week 3 of 6 | Joy Orbison „Wet Look“ (2009)

Orbison habe ich in der Weltsicht ja bereits des Öfteren gefeaturet (Bitte bei Bedarf unten auf den entsprechenden tag bei „Verschlagwortet mit“ klicken.) – ganz einfach weil er so bemerkenswert ist. „Wet Look“ ist ein typischer Joy Orbison-Track, weil er zwar, oberflächlich gehört, Clubmusik ist, also ein ausgesprochen repetitives Arrangement weniger Elemente, dank effizienter Handhabe prägnanter Vokalsamples, ein paar eingängigen Harmonien und bestechenden Formgefühls jedoch einen gewissen Pop-Appeal hat. Gelegentlich kommt gar das Gefühl auf, man habe es mit Soul zu tun. Ein Song ist „Wet Look“ deswegen zwar noch lange nicht, aben eben auch keine irgendwie randomly wirkende Ansammlung von Samples.

Werbeanzeigen

Neues von Joy Orbison 1 von 2

 

Im April letzten Jahren featurete ich erstmals drei Tracks dieses britischen techno composers (bei Interesse bitte Schlagwortlink links anklicken). Zwei der damaligen Stücke stammten bereits aus dem Jahr 2010.

Nun habe ich einige grundsolide neue Arbeiten entdeckt, in denen Orbison seinen bereits in Fuerza (2017) erkennbaren advanced style weiter ausbaut: Die Sachen sind atmosphärischer, überlegter und weniger greifbar als die frühen Tracks, die allerdings ja auch von derartig brutalistischer Reduziertheit und Direktheit waren, dass sie selbst innerhalb des das Techno-Genre ohnehin konstitutierende brutalistische Reduziertheit und Direktheit noch mühelos herausstechen konnten. Was eine Leistung war.

Die Musik wird laut Website erst im Dezember diesen Jahres „releast“, was wohl heißen soll, dass dann haptisch erfahrbare Tonträger, vermutlich aus dem szeneüblichen Vinyl, erhältlich sein werden. Wer Orbisons Musik hören, genießen und wertschätzen kann, ohne dabei etwas in Händen halten zu müssen, für das er Geld ausgegeben hat*, kann das jetzt schon tun. Track 2 kommt morgen dran.


* Es gibt viele Menschen, die so etwas nicht können. Kein Scherz. Es ist eine fremde und seltsame Welt.

Guter Techno von Joy Orbison 1 von 3: „Ladywell“ (2010)

Die nächsten drei Sonntage gibt’s hier Techno von einem bieder wirkenden weißen jungen Briten namens Peter O’Grady, der seit 2009 unter dem nom de guerre Joy Orbison oder auch Joy O publiziert.

Mr. O’Grady bei der Arbeit.

Orbisons Arbeiten haben alles, was ich von einem guten Techno*-Track erwarte: Intelligenten musikalischen Reduktionismus (der sich leicht und selbstverständlich anhören muss und gerade deshalb nicht leicht zu komponieren ist**), hypnotische Qualität, musikalischen Witz und das Gefühl, der / die Macher nimmt zwar seine Musik, nicht aber sich selbst überaus ernst.


Joy Orbison?


* bzw. Dubstep / Jungle / House / Drum & Bass …
** Als Faustregel kann gelten: Wenn man den Eindruck hat, bei einem Track könne noch irgend etwas weggelassen werden, wurde er vom Komponisten nicht gründlich genug durchdacht. Hat man hingegen den Eindruck, auch der nanokürzeste Sample sitzt da, wo er hingehört, um substanzielle Arbeit zu verrichten, d. h. zur Gesamtarchitektur des Stücks beizutragen, ist der Track gelungen. Bei Gradys Sachen habe ich – und das ist selten – durchgehend den zweiten Eindruck, chapeau!