«Infinite Jest» for ePlayer ensemble, 2020

Sample-Bibliotheken VSL Special Edition, Mellow Grand Piano (Urheber unbekannt)
Temperierung 12-TET, arabisch (nur Klavier)
Effekte Echo, Kammfilter, HarmonicAdder
Faltungshall LargeStairwell

Kompositionsnotiz

 

“ […] Und alles klingt scharf, ja stachelig und scharf, als hätte alles, was man hört, plötzlich Zähne.“

David Foster Wallace: „Unendlicher Spaß“, 2009 (S. 107)

Die Blechbläser-Soli stammen aus meiner Ensemble-Komposition «Ein Tag (2004)», das manische Klavier basiert auf dem «Tetraktys»-Thema. Es handelt sich bei «Infinite Jest» also um eine Meta-Komposition im Sinne der Postmoderne – nur dass ich hier keine fremde Quelle, sondern mich selbst gesamplet habe. Ist das dann überhaupt noch postmodern? Keine rhetorische Frage.

Das Stück kippt soundmäßig vom Klassischen in Korrosive, ganz als ob, „alles, was man hört, Zähne bekäme“.

Der Titel bezieht sich auf David Foster Wallaces gleichnamigen Roman aus dem Jahr 1996, den ich vor ca. 10 Jahren in der phänomenalen Übersetzung „Unendlicher Spaß“ von Ulrich Blumenbach, nun ja, erfuhr (von „Lesen“ kann keine Rede sein). Blumenbach erhielt für seine Leistung zurecht 2009 den Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis.

«Nachtstück #1 (gleichschwebend)» für Klavier

Kompositions-Software Cubase, Music Mirror
MIDI-Editoren Sekaiju (kuzu), MidiEditor (M. Schwenk), MIDIPLEX (Stas’M), Cubase
Sample-Bibliothek Bösendorfer Imperial Konzertflügel (VI)
Faltungshall Large Stanford Stairwell

Kompositionsnotiz

Aert van der Neer: Kanal bei Mondschein, um 1660

Der vom Denken Henri Bergsons beeinflusste französische Musikphilosph Jankélévitch liebte die Gattung des Nocturnes („Nachtstücks“) für Klavier, v. a. die entsprechenden Werke Chopins, Liszts, Ravels und – Faurés. Die Arbeiten des Letzteren kannte ich gar nicht und so hörte ich mal rein in seine 13 Nocturnes, die er zwischen 1875 und 1921 geschrieben hatte. An der elegischen und ganz un-aufgeregten (aber so ist Fauré scheinbar immer) Nummer 6 blieb ich schließlich hängen:

Ich stellte fest, dass das Stück in einer ABA‘-Form, dieser klassischsten aller klassischen Formen, komponiert war. Diese Form hatte ich bisher vermieden, also war es nun an der Zeit, sie auszuprobieren.

Es entstand die Idee einer neuen kleinen Reihe von Klavierstücken, die ich „Sechs Nachtstücke in fünf Temperaturen“ nennen wollte. Das erste und letzte Nachtstück sollte in der herkömmlichen gleichschwebenden Temperatur, auch 12-Tone Equal Temperament oder 12-TET gennant, gehalten sein die restlichen in den von mir bereits vielfach verwendeten alternativen Temperaturen bzw. Temperierungen, die ich von den Komponisten Klarenz Barlow, Adriaan Fokker, Lou Harrison und Ben Johnston übernommen habe.

Wenn du die Weltsicht unterstützen möchtest, erwirb einen Download meiner Musik via bandcamp oder sende mir ein Buch von meinem Wunschzettel.

«orbalines» for ePlayer ensemble, 2020

Sample-Bibliotheken VSL Special Edition, Syncla-X (virtuelles Synclavier)
MIDI-Editoren MidiEditor (M. Schwenk), MIDIPLEX (Stas’M), Sekaiju (kuzu), Cubase
Faltungshall Large Stanford Stairwell

Kompositionsnotiz

Ausschnitt aus einem Linienbild von Eka Orba

Die Komposition ist Eka Orba gewidmet.

Wenn du die Weltsicht unterstützen möchtest, erwirb einen Download meiner Musik via bandcamp oder sende mir ein Buch von meinem Wunschzettel.

«Rätsel (2010)» für Orchester, 2020 (ePlayer-Realisierung)

0:00 Rätsel 1.0 – 3:52 Religion – 7:20 Aufklärung – 10:56 Maschine – 15:26 Rätsel 2.0

Sample-Bibliotheken Vienna Symphonic Library Special Edition, Sonatina (Klavier)
MIDI-Editoren MidiEditor (M. Schwenk), MIDIPLEX (Stas’M), Sekaiju (kuzu), Cubase
Faltungshall Large Stanford Stairwell

Ausschnitt der MIDI-Daten für „Maschine“ im Piano Roll-Editor von Cubase

Kompositionsnotiz

2010

2010 is an orchestral composition for Strings (Violas, Double Basses), Brass (French Horns, Contrabass Tuba), Winds (Oboe, Englishhorn, Bassoon), Piano, and Percussion (Marimba, Rails, Concert Toms, and Cymbal).

2020

(SH) Hauptstr. 36 A, 2010

«Rätsel (2010)» für Bratschen, Kontrabässe, Waldhörner, Tenortuba, Kontrabasstuba, Piccoloflöte, Querflöte, Oboe, Englischhorn, Fagott, Klarinette, Kontrafagott, Bassklarinette, Klavier, Plattenglocken, Taikos, Donnerblech und Große Trommel
Abschnitt 1: „Rätsel 1.0“
Abschnitt 2 : „Religion“
Abschnitt 3: „Aufklärung“
Abschnitt 4: „Maschine“
Abschnitt 5: „Rätsel 2.0“

Das Klavier ist einen Achtelton (-25 Cent) tiefer gestimmt als alle anderen diastematischen Instrumente.

«Fahles Licht (2005)» für Orchester, 2020 (ePlayer-Realisierung)

0:00 Sanfter Absturz – 2:52 Trigger – 4:26 Klage – 8:40 Stupor – 12:18 Re-Trigger

Sample-Bibliotheken Vienna Symphonic Library Special Edition, Sonatina (Klavier)
MIDI-Editoren MidiEditor (M. Schwenk), MIDIPLEX (Stas’M), Sekaiju (kuzu), Cubase
Faltungshall Large Stanford Stairwell

Anfang des Standard MIDI Files der Komposition unter Sekaiju

Kompositionsnotiz

2010

2005 is an orchestral composition for Strings (Violas and Double Basses only), Brass (3 Trumpets, 3 Trombones, 8(!) French Horns), Percussion (Vibraphone, Gongs, Crotales, Rails, Wind Chimes and – last not least – a Thundersheet) and a Piano, which is tuned one quarter-tone (50 cents) lower than all other instruments. The composition’s name fills a gap in the „Jahreszahlen“ series. Back in 2005, I worked on a composition that primarily was called „2005“, but it developed in another direction and was renamed to „Cello Scene“. Later on, I continued the „Jahreszahlen“ series with „2006“ and so the gap came into being.

2020

(SH) Wittlich (Eifel), 2013

«Fahles Licht (2005)» für Violinen, Bratschen, Celli, Kontrabässe, 3 Trompeten, 3 Posaunen, 8 Waldhörner, Oboe & Englischhorn („Wiener Holz“), Fagott & Kontrafagott („Fagotte“), Klavier, Celesta, Crotales, Buckelgongs und Perkussion
Abschnitt 1: „Sanfter Absturz“
Abschnitt 2 : „Trigger“
Abschnitt 3: „Klager“
Abschnitt 4: „Stupor“
Abschnitt 5: „Re-Trigger“
Das Klavier ist einen Viertelton (-50 Cent) tiefer gestimmt als alle anderen diastematischen Instrumente.

*

In diesem Stück geht es um mein inneres Erleben einer Depression und der sie umgebenden Ereignisse, also etwas verbal nur unzureichend Vermittelbares. In der Folge werde ich es dennoch versuchen, aber in einem bewusst distanzierten, an das einschlägige psychiatrische Fachvokabular angelehnten Stil. Was sich überhaupt sagen läßt, läßt sich klar sagen (Wittgenstein). Die emotionale Seite des inneren Erlebens lässt sich m. E. besser nonverbal, hier also mit Musik, vermitteln.1

Sanfter Absturz behandelt das allmähliche Hineingleiten in eine innere Unschärfe, d. h. ein nachlassendes Interesse an der aktuell virulenten Weltwahrnehmung, das von einer mentalen Erschöpftheit begleitet ist. – Trigger handelt von dem plötzlich, unvermittelt und katastrophisch einbrechenden kognitiven Event, der die eigentliche Depression auslöst. Der kohlenstoffweltliche Auslöser dieses Ereignisses ist nahezu arbiträr, es können aber auch schon lange vorher mit Zwangsgrübeleien behaftete idiosynkratische Vorstellungen sein. Bei mir waren dies oft innere Bilder von sich allmählich ablösenden Klebe-Etiketten auf an Freunde verschenkte CompactCassetten, die mich bei den Beschenkten blamieren, weil sie etwas über die Mängel („Schlampigkeit“, Nachlässigkeit) meiner Persönlichkeit aussagen. – Klage handelt von der Melancholie, die mitunter auch weit weniger vornehm bzw. literarisch als „Jammerdepression“ firmiert. Ein politisch inkorrekter Ausdruck, der dennoch exakt beschreibt, wie melancholische Menschen früher oder später auf ihre Umwelt wirken: als Jammerlappen eben. – Unter Stupor versteht man klassischerweise einen „Starrezustand des ganzen Köpers bei wachem Bewusstsein“. Die Hörerin wird sich vielleicht wundern, warum dieser Abschnitt dann musikalisch so unruhig ist. Nun, die Art von depressivem Stupor, die ich kenne, ist charakteristischerweise mit einem unangenehmen, ungerichteten inneren Zucken und Zappeln verbunden, den man im Volksmund gerne als „Nervosität“ bezeichnet. Die Musik versucht, die Gleichzeitigkeit von kognitiver Erstarrung und diesen stroboskopischen brain zaps darzustellen. – Re-Trigger ist, musikalisch gesehen, eine nur leicht modifzierte Wiederholung des zweiten Abschnitts. In meinem inneren Erleben entspricht dies dem Immer-mal-wieder-und-immer-im-blödesten-Moment-Auftauchen des Triggers auch innerhalb des depressiven Stupors, welches jeweils eine Auffrischung und Re-Intensivierung der depressiven Verstimmtheit bewirkt. Es ist, als ob sich dadurch der Akku der Depression wieder auflädt.

Die Komposition ist eine weitere Übung in Musik als Psychoplastik.

Weiter mit «Rätsel (2010)» für Orchester (verfügbar ab 10. Oktober 2020)


  1. Malerei, Fotografie, Bildhauerei, Tanz etc. gehen natürlich auch, aber das ist ja nicht mein Metier. 

«Am Bahnhof / Entfremdung (2003)» für Orchester, 2020 (ePlayer-Realisierung)

0:00 Präludium – 1:12 Am Bahnhof I.I – 3:12 Entfremdung I – 4:39 Am Bahnhof I.II – 5:02 Entfremdung II – 6:50 Interludium – 8:20 Am Bahnhof II – 10:16 Entfremdung III – 11:52 Am Bahnhof III – 14:37 Entfremdung IV – 17:15 Stretta

Sample-Bibliotheken Vienna Symphonic Library Special Edition, Sonatina (Klavier)
MIDI-Editoren MidiEditor (M. Schwenk), MIDIPLEX (Stas’M), Sekaiju (kuzu), Cubase
Faltungshall Large Stanford Stairwell

Anfang des Standard MIDI Files der Komposition unter Sekaiju

Kompositionsnotiz

2003

2003 is an orchestral composition for Strings, Brass, Celesta, Harp, Percussion and Piano, which is tuned one quarter-tone (50 cents) lower than all other instruments. The music was desktop-composed in 2003 using a MIDI Keyboard and a sequencer.

2020

(SH) Trinkhalle, 2007

«Am Bahnhof / Entfremdung (2003)» für Bratschen, Celli, Harfe, 3 Trompeten, 3 Posaunen, 8 Waldhörner, 2 Tuben (Tenor, Kontrabass), Klavier, Celesta, Glockenspiel, Plattenglocken, Kesselpauken und Perkussion
Abschnitt 1: „Präludium“
Abschnitt 2 : „Am Bahnhof I.I“
Abschnitt 3: „Entfremdung I“
Abschnitt 4: „Am Bahnhof I.II“
Abschnitt 5: „Entfremdung II“
Abschnitt 6: „Interludium“
Abschnitt 7: „Am Bahnhof II
Abschnitt 8: „Entfremdung III“
Abschnitt 9: „Am Bahnhof III“
Abschnitt 10: „Entfremdung IV“
Abschnitt 11: „Stretta“

Das Klavier ist einen Viertelton (-50 Cent) tiefer gestimmt als alle anderen diastematischen Instrumente.

*

Ganz für mich habe ich «2003» immer gern als „meinen Sacre“ bezeichnet. Nicht, weil ich finde, dass mein Stück qualitativ oder sonstwie auch nur im Geringsten an Strawinskys Schlüsselwerk heranreicht, sondern weil es eine ähnliche Stellung in meinem Komponistenleben einnimmt (abgesehen davon, dass Fürst Igor eines meiner role models war und ist): Ich hatte immer das Gefühl, hier erstmals angekommen zu sein, d. h. einen Widerschein von dem umgesetzt zu haben, was ich von Musik will.

Als ich die Arbeit nun 17 Jahre später nochmals virtuell anfasste, um sie dem Stand der Dinge anzupassen, fiel mir als Erstes auf, wie un-ökonomisch ich damals meine Ideen verarbeitet hatte: Manches eher Epigonale, vor allem Minimalistische à la Glass, hatte ich auch noch breitgewalzt, während eigenständigere melodische Einfälle oft lediglich kurz aufblitzten, um anschließend ungenutzt auf ewig im Orkus zu verschwinden. Ich weiß noch genau, wie froh ich damals (2003) gewesen war, erstmals überhaupt ein funktionierendes Orchesterstück zustandegebracht zu haben; eine Freude, die allzu große Selbstkritik komplett überdeckte. Ich finde die Urfassung weiter charmant, aber dieses reworking bringt die Substanz des Stücks deutlich besser zur Geltung.

Wie stets bei meinen Überarbeitungen habe ich auch hier nicht Substanzielles hinzukomponiert. Wenn etwas im Vergleich zur Urfassung neu klingt, dann ist es immer eine Permutation des Altmaterials.

Weiter mit «Fahles Licht (2005)» für Orchester (verfügbar ab 19. September 2020)

Wenn du die Weltsicht unterstützen möchtest, erwirb einen Download meiner Musik im WeltsichtWebShop oder sende mir ein Buch von meinem Wunschzettel.

«As we go along (2006)» for Orchestra, 2020 (ePlayer realisation)

0:00 Verwirrung – 0:57 Aufklärung – 2:52 Häusliches Idyll – 6:04 Fegefeuer – 7:49 Himmel

Sample-Bibliotheken Vienna Symphonic Library Special Edition, VSCO2 (Marimbafon), Sonatina (Klavier)
MIDI-Editoren MidiEditor (M. Schwenk), MIDIPLEX (Stas’M), Sekaiju (kuzu), Cubase
Faltungshall Large Stanford Stairwell

Anfang des Standard MIDI Files der Komposition unter Sekaiju

Kompositionsnotiz

2006

2006 is an orchestral composition for Strings, Brass, 2 Pianos and 2 Marimbas. It consists of almost pure contrapunctual minimal music in the tradition of Steve Reich. The music was desktop-composed in spring and summer 2006 using a MIDI Keyboard and a sequencer.

2020

(SH) Mainufer (Eibelstadt) 2, 2006

«As we go along (2006)» für Bratschen, Celli, 3 Trompeten, 3 Posaunen, 8 Waldhörner, 2 Tuben (Tenor/Kontrabass), 2 Klaviere, 2 Marimbafone, Kesselpauken, Plattenglocken und Marschtrommeln
Abschnitt 1: „Verwirrung“
Abschnitt 2 : „Aufklärung“
Abschnitt 3: „Häusliches Idyll“
Abschnitt 4: „Fegefeuer“
Abschnitt 5: „Himmel“
Die Abschnitte 2, 3 sowie 4+5 sind doppelt so lang wie der jeweils vorhergehende Abschnitt (in Takten). Die Klaviere sind einen Achtelton (-25 Cent) tiefer gestimmt als alle anderen diastematischen Instrumente. Der Werktitel ist ein Ausschnitt aus der Ludwig Wittgenstein zugeschriebenen Sprachspiel-Direktive „Making the rules as we go along.“

*

Ich empfinde «2006» / «As we go along» als die am leichtesten zu hörende Komposition in der Werkreihe «Jahreszahlen». Und meine formale Charakterisierung als „contrapunctual minimal music in the tradition of Steve Reich“ vor 14 Jahren trifft’s immer noch. In der überarbeiteten Fassung habe ich zwar versucht, das Reichianische ein wenig zurückzudrängen, aber allein das continuo von 2 Klavieren und 2 Marimbafonen genügt natürlich schon, um einer kundigen Hörerin klarzumachen, wer hier das kompositorische Vorbild war. Sei’s drum, ich bin damit im Reinen.

Weiter mit «Am Bahnhof / Entfremdung (2003)» für Orchester (verfügbar ab 12. September 2020)

Wenn du die Weltsicht unterstützen möchtest, erwirb einen Download meiner Musik im WeltsichtWebShop oder sende mir ein Buch von meinem Wunschzettel.