«Some carnivorous plants moaning in the dusk (SoftSynthSession 2)», 2020

Spektrogramm der Komposition, erstellt mit Sonic Visualiser
Klänge Sophia, Darkness Theory
Effekt JB FSynth Pro
Verarbeitung Audacity
Faltungshall Large Stanford Stairwell

Kompositionsnotiz

Screenshot der SoftSynthSession 2: Ein SMF-Player (unten links) sendet basale Notenimpulse an den SoftSynth Sophia (oben links) und das Controller-Tool MIDIplanes (oben rechts). Das improvisatorische Moment besteht in der Echtzeit-Manipulation der Controller-Daten mit der Maus via MIDIplanes. Ein Audio-Rekorder (unten rechts, teilweise verdeckt) schneidet alles mit.
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«1984 (ordinary music 07)», 2019

Klänge Alice-1377, Noisetar, SC-88 Pro
Verarbeitung Cubase, Audacity
Faltungshall Large Stanford Stairwell

Kompositionsnotiz

Das Bildfragment links zeigt den Blogbetreiber im Jahr 1986, damals wohnhaft in Ochsenfurt (Ufr.), Foto: Ralf Schuster. Es handelt sich um einen Ausriss aus Ralfs Punkzine „Student Pogo Info“, mit dessen Hilfe er kleinbürgerliche Gewissheiten in diesem miefigen Ort mit Stumpf und Stiel ausrotten wollte. Kam großartig an. Zumindest bei mir. Über die Reaktion des Rests der Bevölkerung ist nur wenig bekannt, aber es ist von kompletter Indifferenz auszugehen.

Trotz meiner bereits damals virulenten ästhetischen Fixierung auf die Pariser Moderne (Strawinsky, Satie) und die Minimal music (vor allem Letztere wurde von damals tonangebenden Pop-Intellektuellen passim als „bürgerliche Hippie-Scheiße oder so“ abqualifiziert) erlangte ich als zumindest teilweise interessante kulturelle Randerscheinung Zutritt zum erlauchten Kreis provinzieller Post-Punk-RebellInnen, was meinem späteren kompositorischen Werdegang nicht unwesentliche Impulse zu geben in der Lage war.

Postskriptum: Die Musik ist kein Post-Punk, es handelt sich um eine Hommage an jene Zeit mit den Mitteln, die mir heute zur Verfügung stehen.

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«stumbling» for synclavier

Das einzige Zappa-Album, das ich wirklich kenne ‒ und gleichzeitig nach übereinstimmender Aussage von Leuten, die es wissen müssen, sein un-typischstes ‒, ist „Jazz from Hell“ aus dem Jahre des Herrn 1986. Ich fand’s streckenweise recht anregend, wenn auch insgesamt etwas zu selbstverliebt. Der Meister hat’s damals hauptsächlich auf einem Synclavier eingespielt.

Softsynth Syncla-X (Mooggy)
DAW Cubase Elements 6
Faltungshall Reso Far
Audio-Editor Audacity

Kompositionsnotiz

Der 2. Satz meiner Player Piano Sonata 2018 wurde mit Mooggys frei verfügbarer Synclavier-Emulation „Syncla-X“ neu gerendert. Dabe habe ich einige Oktavanpassungen vorgenommen. Drei von Mooggys Presets fanden Verwendung: „PSS 170“ für die Oberstimme, „Gong“ für die Mittellagen und „Bass“ (Wer hätt’s gedacht?) für die tiefen Lagen.

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«Tetraktys-Variation 4 (kosmisch)», 2019

Die Pythagoreer bezeichneten die Gesamtheit der Zahlen 1, 2, 3 und 4, deren Summe 10 ergibt, als „Tetraktys“ und haben dies mit Zählsteinen, die in der Form eines gleichseitigen Dreiecks übereinander angeordnet wurden, veranschaulicht. Auch die Zahlenverhältnisse der musikalischen Intervalle Oktave (2:1), Quinte (3:2) und Quarte (4:3) sahen sie in dieser Form angemessen visualisiert. Laut Wikipedia war die Tetraktys für die antiken Philosophen nichts Geringeres als „der Schlüssel zum Verständnis der Weltharmonie.“ Oha. Grafik: Blogbetreiber.
Klänge Oatmeal
Verarbeitung Cubase
Faltungshall Anchorage Tunnel

Kompositionsnotiz

Ich bin zwar Agnostiker, aber A. Kirchers barocke Idee einer „Weltorgel“ gefällt mir. Egal, welches Register man hier zieht, diese Orgel produziert immer Welt.
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«Tetraktys-Variation 3 (afrikanisch)», 2019

Die Pythagoreer bezeichneten die Gesamtheit der Zahlen 1, 2, 3 und 4, deren Summe 10 ergibt, als „Tetraktys“ und haben dies mit Zählsteinen, die in der Form eines gleichseitigen Dreiecks übereinander angeordnet wurden, veranschaulicht. Auch die Zahlenverhältnisse der musikalischen Intervalle Oktave (2:1), Quinte (3:2) und Quarte (4:3) sahen sie in dieser Form angemessen visualisiert. Laut Wikipedia war die Tetraktys für die antiken Philosophen nichts Geringeres als „der Schlüssel zum Verständnis der Weltharmonie.“ Oha. Grafik: Blogbetreiber.
Klänge Oatmeal
Verarbeitung Cubase
Faltungshall Anchorage Tunnel

Kompositionsnotiz

Die Musik ist ebenso authentisch afrikanisch, wie Mozarts Türkischer Marsch authentisch türkisch ist. Im Standard MIDI File von «Tetraktys-Variation 1 (reichianisch)» wurden alle Controller (Spielanweisungen) entfernt und die bisher stets gleichbleibende Anschlagsdynamik in zwei Stufen differenziert: Zunächst zeichnete ich in jedem der drei MIDI-Clips (Stimmen) der Komposition über die gesamte Dauer der jeweiligen Stimme eine Sinuskurve für die Dynamikwerte ein. Anschließend wurden diese velocities zusätzlich noch leicht randomisiert. Das Ergebnis sah dann so aus:

Ausschnitt der leicht randomisierten Sinuskurve für die Anschlagsdynamik einer Softsynth-Stimme in «Tetraktys-Variation 3 (afrikanisch)». Screenshot aus Cubase SE.

Das derartig modifizierte SMF wurde anschließend zur Partitur der Komposition erklärt.

Als Klangquelle diente mir der in Fachkreisen aufgrund seiner Komplexität bereits legendäre Softsynth „Oatmeal“ von Jakob Katz aka fuzzpilz (sic!) aus dem Jahr 2005, der nicht nur „Haferbrei“ heißt, sondern auch so ausieht:

Die Benutzeroberfläche von fuzzpilzens Haferbrei-Synthesizer sucht ihresgleichen.
Ein Kunstwerk. I love it.

Jeder der drei Stimmen wurde zunächst eine unabhängige Haferbrei-Instanz zugeordnet. Anschließend diente mir das Preset „SEQ Rythm Flow_m“ (orthographischer Fehler im Original) aus der Sammlung „Oatmeal-bkjf1-vf“ als Ausgangspunkt für die drei zu schreibenden Presets. Im Laufe des Kompositionsprozesses entwickelten sich diese deutlich auseinander, was erlaubt und gewollt war. Die basalen Wellenformen (siehe „oscs“-Block links oben auf dem Screenshot) sollten allerdings erhalten bleiben, um Beliebigkeit – das ästhetische Hauptproblem bei dieser Art, zu Komponieren! – zu vermeiden. So erklingt das Preset für die erste Oatmeal-Instanz bsp.weise 2 Oktaven tiefer als die beiden anderen, fungiert also als „Bass“.

Controller-Bewegungen, wie sie alle bisherigen Kompositionen dieser Reihe dominierten, habe ich mir hier untersagt. Das Schneiden und Umgruppieren der Clips, also „Komponieren“ im Wortsinn, war allerdings erlaubt. Aufgabe war es stattdessen, für jede der drei Stimmen ein so mächtiges Preset zu schreiben, dass während der knappen Viertelstunde, die das Stück dauern sollte, keine Langeweile aufkommt. Eine harte, aber lohnende challenge, denn so lernte ich die teilweise exzentrischen Parameter-Verknüpfungsmöglichkeiten des Haferbrei-Synths so richtig kennen und schätzen. Kompliment an fuzzpilz.

Die Arbeit an dieser Komposition war besonders quälend 1 . Damit will ich nicht sagen, dass ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden bin.


 

1 D. h. bei mir immer: vernichtende Selbstkritik bis hin zum zeitweisen Verwerfen und Verwünschen der ganzen Arbeit inkl. „illusionslosem“ Infragestellen irgendeines kompositorischen Talents, dann – stets, nachdem einige Zeit ins Land gegangen ist – teilweise Rehabilitierung der Arbeit, oft unter gravierenden Änderungen. Das Stück steht wieder auf wie Phoenix aus der Asche. Dieser Prozess hat sich hier sogar ca. zweimal wiederholt.
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«Tetraktys-Variation 2 (freihändig)», 2019

2020-02-16 16:44 Sorry, bis eben war hier versehentlich «Tetraktys-Variation 1 (reichianisch)» verlinkt, also das Stück vom letzten Samstag. Ein bisschen anders klingt Variation 2 dann doch. Also nochmal versuchen bitte. Es fängt leise an.


Die Pythagoreer bezeichneten die Gesamtheit der Zahlen 1, 2, 3 und 4, deren Summe 10 ergibt, als „Tetraktys“ und haben dies mit Zählsteinen, die in der Form eines gleichseitigen Dreiecks übereinander angeordnet wurden, veranschaulicht. Auch die Zahlenverhältnisse der musikalischen Intervalle Oktave (2:1), Quinte (3:2) und Quarte (4:3) sahen sie in dieser Form angemessen visualisiert. Laut Wikipedia war die Tetraktys für die antiken Philosophen nichts Geringeres als „der Schlüssel zum Verständnis der Weltharmonie.“ Oha. Grafik: Blogbetreiber.
Klänge Tetra
Verarbeitung Cubase, Audacity
Faltungshall Anchorage Tunnel

Kompositionsnotiz

Das auf die Loop-Elemente reduzierte Standard MIDI File, also die „Partitur“, von «Tetraktys-Variation 1 (reichianisch)» diente mir als Grundlage dieser Arbeit, die sich des Softsynths „Tetra“ als Klangquelle bedient. Im Gegensatz zur minutiös durchgeplanten ersten Variation habe ich hier mit den Softsynth-Parametern in Echtzeit, also „sessionmäßig“, improvisiert – am 16. Novemer 2019 war das – und währenddessen auch nichts mitnotiert, um meinen Flow nicht zu stören.

Die durch den improv-bedingten Kontrollverlust entstandenen Kratzer hätte ich in der Postproduktion eliminieren können, aber das hätte dem Konzept dieses Stücks widersprochen. Demzufolge ist «Tetraktys-Variation 2 (freihändig)», wie das nun mal bei musikalischer Improvisation so ist, auch nicht en detail reproduzierbar.

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