Software der Woche | KW 7 | MIDI Normalizer

Heute geht es um ein Programm für Musiker und Komponisten, die mit Standard MIDI Files (SMFs) arbeiten. Für den Rest der Menschheit ist es von keinerlei Interesse.

Ihr habt ein Klavierstück als SMF aufgezeichnet. Bei der Einspielung auf einem Masterkeyboard habt ihr die Sample-Bibliothek eines Yamaha-Konzertflügels verwendet und natürlich intuitiv so laut bzw. leise gespielt, dass alles „richtig“ klang. Nun soll die Musik aber – aus welchen Gründen auch immer – auf einem (virtuellen) kleinen Bechstein-Flügel erklingen. Piano eingespielte Passagen sind auf ihm aber plötzlich kaum noch hörbar, während bisherige fortissimo-Stellen weiter ordentlich kräftig daherkommen. Der Bechstein interpretiert die aufgezeichneten Dynamikwerte ganz offenbar anders als der Yamaha. Eine manuelle Korrektur wäre nun zwar möglich, aber mit gigantischem Zeitaufwand verbunden, denn es müssten ja die velocity-Werte jedes Einzeltons händisch korrigiert werden, was viele Stunden dröger, aber dennoch aufmerksam durchzuführender Arbeit bedeutete. Und ein lineares „Hochziehen“ aller Dynamikwerte würde der Differenziertheit der ursprünglichen Interpretation nicht gerecht werden: Die allzu wispernden Passagen wären nun zwar wieder hörbar, aber sämtliche bisherigen Anschlagswerte über, sagen wir, 96 lägen nun einheitlich bei 127. Damit wäre ein großer Anteil eurer Anschlagskultur verlorengegangen.

Abhilfe schafft hier der MIDI Normalizer, der technisch korrekt eigentlich „MIDI Velocity Compressor“ heißen sollte, aber das klingt noch abschreckender. Die Software analysiert die Anschlagsdynamik eines SMFs und stellt die Eckwerte für jeden Kanal grafisch dar. Im oben geschilderten Fall lägen diese Werte für Kanal 1 ursprünglich zwischen 34 (piano) und 125 (fortissimo). Das Programm bietet nun einen Kompressions- und einen Normalisierungsalgorithmus an, um die Anschlagsdynamik – in diesem Fall für den kleinen Bechstein-Flügel – anzupassen und dabei so wenig wie möglich in die ursprüngliche Gestaltung einzugreifen.

Hierfür kalibriert man zunächst den Kompressionsalgorithmus auf, sagen wir, 75% und anschließend den Normalisierungsalgorithmus auf einen Maximalwert von 127 (oder ggf. weniger).

Üblicherweise wird nur ein MIDI-Kanal pro virtuellem Instrument verwendet, hier jedoch habe ich jeder Skalenstufe der chromatischen Tonleiter einen eigenen Kanal zugeordnet, d. h. alle „C“s des virtuellen Klaviers erklingen auf Kanal 1, alle „C#/Db“s auf Kanal 2 etc. So wird noch anschaulicher, wie das Programm arbeitet: Die hellgrau unterlegte Tabellenzeile oben zeigt die ursprünglichen Velocity-Werte des SMFs, für den „C“-Kanal 1 liegen sie hier zwischen 34 und 125. Die Grafik unten stellt die Werte nach der Kompression dar, Kanal 1 hat nun Werte zwischen ca. 52 und ca. 112.

Hier nochmal das ganze Procedere auf einen Blick. Zur Veranschaulichung habe ich hier sehr stark komprimiert (33%), in der Praxis genügen nach meiner Erfahrung Werte zwischen 90% und 75% (siehe oben), denn so stark unterscheidet sich die Ansprache der Klaviere dann auch wieder nicht.


Am Ende sollte euer auf dem Yamaha-Konzertflügel eingespieltes Stück dynamisch (ziemlich) exakt auf dem kleinen Bechstein-Flügel reproduziert werden können, obwohl beide Instrumente eigentlich ganz unterschiedliche Dynamik-Kurven besitzen.

Veröffentlicht von MidiDesign
Getestet unter Windows 7 Home Premium Service Pack 1 64-Bit
Download-URL MidiDesign scheint nicht mehr zu existieren, weswegen ich den Download von der rumänischen Website Softpedia empfehle. Ich kenne die Seite seit Jahren und es gab nie Probleme mit ihr: https://www.softpedia.com/get/Multimedia/Audio/Audio-Editors-Recorders/MIDI-Normalizer.shtml
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