«confusion» for microtonal player piano (ePlayer realization)

Material Section 1 aus „scatterbrained“
Kompositions-Software Music Mirror (T. Katsuda)
MIDI-Editoren MidiEditor (M. Schwenk), MIDIPLEX (Stas’M), Sekaiju (kuzu), Cubase
Temperierung nach Ben Johnston
Microtonal MIDI Software Harmonic, PianoTuner (F. Nachbaur)
Soundfont Bösendorfer Imperial (VSL)
Faltungshall Anchorage Tunnel (EchoThief)

Kompositionsnotiz

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«confusion» for microtonal player piano (ePlayer realization)

Mein MIDI-Wissen, kompakt zusammengefasst

In den letzten Jahren ist bei mir ziemlich was zusammengekommen an Erfahrung mit MIDI-Software und speziell mit dem Thema MIDI und Mikrotonalität. Wen’s interessiert, der findet auf meiner Homepage nun eine strukturierte Übersicht meiner Erfahrungen (in Englisch). Einfach auf den folgenden Screenshot klicken:

Mein MIDI-Wissen, kompakt zusammengefasst

«some variations» for microtonal player piano, 2018 (ePlayer realization)

Die Komposition besteht aus drei Sätzen und dauert gut achtzehneinhalb Minuten. Die Sätze im Einzelnen:

variation 1 (andante)

variation 2 (lento)

variation 3 (allegro)

Material variation 1 – Piano Selfie | variation 2 – Expedition | variation 3 – Über spitze Steine (eigene Klavierkompositionen)
Kompositions-Software Music Mirror (T. Katsuda)
MIDI-Editoren MidiEditor (M. Schwenk), MIDIPLEX (Stas’M), Sekaiju (kuzu), Cubase
Temperierungen nach Fokker (variation 1), Johnston (variation 2) und Partch (variation 3)*
Microtonal MIDI Software Harmonic, PianoTuner (F. Nachbaur)
Soundfont Bösendorfer Imperial Grand Piano (VSL)
Sample Renderer Freepiano
Audio-Editor Audacity
Faltungshall Anchorage Tunnel (EchoThief)

Kompositionsnotiz

Die Standard MIDI Files dreier meiner abstraktesten Klavierstücke aus dem Klavieralbum II („Piano Selfie“, „Expedition“, „Über spitze Steine“) wurden mit MusicMirror jeweils einer horizontalen und einer vertikalen Spiegelung unterworfen (betrifft Noten und Haltepedalstatus). Doppelte und überlappende Noten wurden unter Cubase SE bereinigt, anschließend wurden die Notenwerte unter Sekaiju in ein 32stel-Raster quantisiert. Dann wurden alle Haltepedalwerte gelöscht und die Haltepedalwerte aus den Ursprungsdateien wieder eingefügt. Schließlich habe ich die Abspielgeschwindigkeit des zweiten Satzes verlangsamt und die des dritten erhöht.

Jeder Satz wurde individuell temperiert, der erste mit einer von Adriaan Fokker entworfenen Skala, der zweite mit einer Skala von Ben Johnston und der dritte mit einer solchen von Harry Partch.* Für größere Darstellung bitte auf die Bilder klicken:

Wie man sieht, weichen die Skalen von links nach rechts immer stärker von der gleichschwebenden Stimmung (rote Linie) ab. Partchs Skala hat darüber hinaus nur 9 statt 12 Stufen, da Stufe 2 = Stufe 1, Stufe 9 = 8 und Stufe 11 = 10**. Weiterhin liegt die 5. Stufe unter der 4. und die 7. unterhalb der 6.

*

Wie schon in den 3 Scale Studies für Selbstspielklavier aus dem vergangenen Jahr verfolge ich hier die Strategie, improvisiertes Material in großem zeitlichem Abstand algorithmisch zu transformieren, ohne dass es seinen ursprünglichen Charaktar allzu stark einbüßt. Nach vielen Jahren improvisatorischer Praxis „kennt man seine Pappenheimer“. Während des Spielens bleibt zwar alles aufregend, aber das Ergebnis mutet dann doch mehr und mehr strukturell bekannt an. Das ist natürlich vollkommen normal. Niemand außer Gott – falls es ihn gibt, was wir nicht wissen können – verfügt über unbeschränktes schöpferisches Vermögen. Jetzt kommt es darauf an, das Material ausreichend genug zu transformieren, dass sich wieder ein novelty feeling gegenüber der eigenen Kreativität einstellt, es auf der anderen Seite aber nicht so stark zu verändern, dass man nur noch den Algorithmus hört (Letzteres geschieht allzu leicht.). Auch die nachträgliche Mikrotonalisierung der Improvisationen ist – in diesem Sinn – eine algorithmische Transformation.

Darüber hinaus möchte ich ganz allmählich ein besseres Gefühl für die emotionale Wirkung mikrotonaler Skalen bekommen. Mikrotonalität ist traditionell nerd country. Und exakt dieser formale, spielerische Aspekt daran interessiert mich nicht. Musik ist nur so gut, wie sie wirkt, nicht, wie sie sich der Analyse erschließt bzw. wie sie mathematische Strukturen, und seien sie auch noch so cool, abzubilden in der Lage ist. Und so lege ich mir Stück für Stück eine kleine Bibliothek mit erprobten mikrotonalen Temperierungen an, die distinkte Emotionen bei mir auszulösen in der Lage sind. Dabei haben sich bisher drei „Klassen“ herausgebildet:

  1. mäßig exzentrisch:
    – Scale from „Incidental Music for Corneille’s Cinna“ (Lou Harrison 1956)
    – 12-tone 31-tet mode (Adriaan Fokker, siehe Tabelle oben links)
  2. prägnant anders:
    – Piano tuning from „Çoğluotobüsişletmesi“ (Klarenz Barlow 1980)
    – Combined otonal-utonal scale (Ben Johnston, siehe Tabelle oben Mitte)
  3. Paralleluniversum:
    – The well-tuned piano (La Monte Young, 1960er-Jahre)
    – Greek scale on black/white from „Two Studies on Ancient Greek Scales“ (Harry Partch, siehe Tabelle oben rechts)

Es geht hier natürlich nicht um die real existierenden Persönlichkeiten dieser Komponisten, denen ich – außer Barlow – sowieso niemals begegnet bin bzw. begegnen kann, weil sie, wie bsp.weise Partch, bereits verstorben sind …


* Scala-Archiv-Bezeichnungen:
– Fokker’s 12-tone 31-tET mode, has 3 4:5:6:7 tetrads + 3 inv.
– Ben Johnston’s combined otonal-utonal scale
– Partch Greek scales from „Two Studies on Ancient Greek Scales“ on black/white
Technische Details zur mikrotonalen Temperierung von Standard MIDI Files habe ich hier zusammengefasst (englisch).
** d. h. alle C#/Dbs wurden nach C transponiert, alle G#/Abs nach A usw.
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«some variations» for microtonal player piano, 2018 (ePlayer realization)

How to turn your mainstream laptop PC into an industry-standard microtonal composition workstation without spending a cent except for accessing the internet

Bitte nicht erschrecken, liebe Weltsicht-LeserInnen, ich bin’s immer noch, der S.H., aber heute muss ich einfach mal den geek aus dem Käfig lassen.

Also, wen die nicht-proprietäre Implementierung von Mikrotonalität in Standard MIDI Files (jaaa – genau jetzt schalten die ab, die ich meine) nicht interessiert, soll die folgende Very-Special-Interest-Bastelanleitung jetzt ganz einfach mal ignorieren:

How to turn your mainstream laptop PC into an industry-standard microtonal composition workstation without spending a cent except for accessing the internet:

micromidi_screenshot
TMP, intun and VMPK working together on my laptop via LoopBe1 (invisible)
  1. Download and install (=d&i) VirtualMIDISynth (VMS).
  2. D&i the Yamaha Disklavier soundfont.
  3. D&i Markus Schwenk’s excellent MidiEditor and select VMS as MIDI OUT.
  4. Create / compose MIDI data input for one instrument / timbre / MIDI „program“ using an existing SMF, some algorithmic composition software or by playing a MIDI keyboard 🙂
  5. D&i LoopBe1.
  6. D&i intun and select LoopBe1 as MIDI IN and VMS as MIDI OUT.
  7. Make your mind up for a specific temperament. A huge scale archive is available here. You have to manually adapt this archive’s scl files before you can use them with intun. Open them with Notepad and use intun’s example txt files as templates.
  8. D&i Tim’s MIDI Player (TMP) and select LoopBe1 as MIDI OUT.
  9. „Rehearse“ your input data with TMP triggering intun triggering VMS. You are now able to listen to the music in different temperaments in realtime, while the actual SMF remains unchanged. For me, this is the most important part of working with microtonality: I have to hear what a scale „does“ to my composition in realtime to decide if it is usable or not. From a mathematical point of view, countless microtonal scales are possible. But, for me, it as a purely aesthetic decision which scale to implement.
  10. D&i PianoTuner and process your SMF with it. The chosen temperament (e.g. this one) is now hard-coded within the SMF.
  11. (optional) D&i VMPK, selecting LoopBe1 as MIDI IN and VMS as MIDI OUT. Rendering your tempered SMF with TMP triggering VMPK triggering VMS you can listen to the music while seeing a neat keyboard visualization of it 🙂
  12. If everything sounds ok, d&i the TiMidity++ Windows Synthesizer (TWS), selecting the Yamaha Disklavier as your output soundfont by creating a textfile timidity.cfg in the TWS directory and writing soundfont /[path to your soundfont]/[name of your soundfont file].sf2 in it. Select RIFF WAVE file as TWS output.
  13. Drag & drop your SMF to TWS, which will render your MIDI data (VERY fast) and create a microtonally tempered industry standard WAVE audio file using the selected soundfont 🙂
  14. Congratulations, you’re done. Relax and enjoy your favourite drug 🙂

This howto is also available as a static webpage on my homepage here. If technical issues change, it will eventually be updated.

How to turn your mainstream laptop PC into an industry-standard microtonal composition workstation without spending a cent except for accessing the internet