„Verlegen heißt: nicht verlegen“

Die interviewten Kaufleute geben sich demonstrativ zukunftsfähig, aber manchmal schimmert dann doch ein wenig Angst und Pessimismus, ja Resignation durch ihre wohlformulierten Sätze. Was ist das auch für eine Welt! Das Böse fängt mit „A“ an und hört mit „mazon“ auf. Der „Endkunde“ ist zum „Beratungsdieb“ mutiert: Er informiert sich beim lokalen Musikalienhändler, um dann bei A… seine Noten zu kaufen. Unverfroren. Undankbar. Geht gar nicht.

Auffällig ist, wie oft sich beide Interviewte mit Formulierungen wie „Wir haben erkannt, dass…“, „Wir müssen jetzt aber auch endlich…“ oder „…und das tun wir ja auch.“ etc. selber anfeuern – als müssten Sie sich permanent neu davon überzeugen, dass ihr Business irgendwie weitergeht.

Am Schluss prescht der Schott-Mann dann etwas überraschend und unmotiviert mit der Behauptung vor, dass sich das herkömmliche Verlegen von Noten ja eigentlich erledigt habe (Ich vermute, er steht kurz vor der Pensionierung). Aber einen Trumpf habe man ja zweifellos noch im Ärmel: „Qualität“ – bzw. das untrügliche Bewusstsein hiervon.

Leider definiert er anschließend nicht, was er unter „Qualität“ versteht. Es ist aber zu vermuten, dass – in Analogie zum berühmt-berüchtigten Begriff „Qualitätsjournalismus“ – so etwas wie „Qualitätsverlegertum“ gemeint ist. Und das habe nun mal seinen Preis. – Hm. – Investigativer Journalismus mag ja mitunter durchaus aufwändig sein – aber Notenverlegen? Im Jahr 2013?

Man möge mich bitte eines Besseren belehren, aber soweit ich weiß, liefern KomponistInnen ihre Partituren heutzutage – dank Notensatzprogrammen wie Sibelius, Finale oder MuseScore – den Verlagen druckreif an – als fix und fertiges Produkt. Der Verlag muss dann bloß noch ein bisschen trommeln und das Ding verkaufen. Das könnte der/die KomponistIn aber notfalls auch via Internet selber auf die Reihe kriegen – ohne die „Häuser“ Schott oder Bärenreiter weiter bemühen zu müssen.

Was also bleibt als Existenzberechtigung des klassischen Notenverlags eigentlich übrig?

Auch darauf hat der Schott-Mann eine markige Antwort. Schon sein Großvater habe ihm immer eingeschärft: „Verlegen heißt: nicht verlegen.“ Selektion sei ja überhaupt das Allerwichtigste. Und Selektion gebe es „im Internet“ ja nun mal von Haus aus gar nicht, da könne schließlich jeder machen, was er wolle. Leider.

Hieraus schließe ich: Die Zukunft des Notenverlags besteht im Nicht-Verlegen.

Worauf man erst mal kommen muss.

Brillant.

„Verlegen heißt: nicht verlegen“