Ellison on the relationship between Traditional and Modern Jazz (Bebop)

Thelonious Monk @ Minton’s Playhouse, ca. 1947

Usually music gives resonance to memory (and Minton’s was a hotbed of [traditional, S.H.] jazz), but not the music then in the making here. It was itself a texture of fragments, repetitive, nervous, not fully formed; its melodic lines underground, secret and taunting; its riffs jeering [,] … its timbres flat or shrill, with a minimum of thrilling vibrato. Its rhythms were out of stride and seemingly arbitrary … . And in it the steady flow of memory … summed up by the traditional jazz beat and blues mood seemed swept like a great river from its old, deep bed.

Ralph Ellison: „The Golden Age, Time Past“, 1959*


* In: Callahan, John F. (Hg.): The Collected Essays of Ralph Ellison, New York 1995, S. 240
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Ellison on the relationship between Traditional and Modern Jazz (Bebop)

Ellison on Musical Group Improvisation and Social Organization

King Oliver (Dritter von links, am Kornett) and his Creole Jazzband, ca. 1920, den soziokulturellen Charakter ihrer Kollektivimprovisationen ausdruckstanzmäßig darstellend 😉

These jazzmen … lived for and with music intensely. Their driving motivation was … the will to achieve the most eloquent expression of idea-emotions through the technical mastery of their instruments … and the give and take, the subtle rhythmical shaping and blending of idea, tone and imagination demanded of group improvisation. The delicate balance struck between strong individual personality and the group during those early jam sessions was a marvel of social organization.

Ralph Ellison: „Living with Music“, 1955*


* In: Callahan, John F. (Hg.): The Collected Essays of Ralph Ellison, New York 1995, S. 227-228
Ellison on Musical Group Improvisation and Social Organization

„Invisible Man“, ein Roman von Ralph Ellison aus dem Jahr 1952

Leidgeprüft, aber unbeugsam: der junge Ellison

Das Buch – im habe es im englischen Original als E-Book gelesen – ist im Laufe der Lektüre immer stärker geworden, was nicht allzu häufig passiert. Mittlerweile erstarre ich in Ehrfurcht vor dem Talent des Autors, was auch nicht allzu häufig passiert.

Der Roman ist von einer derartigen Hellsichtigkeit, was das Thema Rassismus betrifft – und hier speziell natürlich den Post-Sklaverei-Rassismus in den Vereinigten Staaten von Amerika -, dass einem schwindelig wird. Rassismus ist ein Verhängnis: so lässt sich Ellisons Erkenntnis zusammenfassen. Ein Verhängnis zudem, das auf einem Irrtum beruht, der sich wiederum von einer derart soliden anthropologischen Grundlage (Menschen trauen instinktiv eher Menschen, die so aussehen wie sie selber) nährt, dass man die Gattung Homo sapiens schon komplett ummodeln müsste, um hier so etwas wie objektiven* Fortschritt zu erreichen.

Ellisons ebenso grandios wie absurd an sich selbst und der Gesellschaft scheiternder Protagonist ist ein sehr junger, sehr unerfahrener und sehr hochbegabter Afroamerikaner, der sich im Lauf der Geschichte vom Naiven zum Idealisten, dann zum Realisten und Sarkasten und schließlich zum Fatalisten und Zyniker wandelt. Unsichtbar (invisible) fühlt er sich dabei in allen Phasen, selbst als er kurzfristig zum afroamerikanischen Maskottchen einer philanthropischen weißen Bruderschaft (die evtl. für die Kommunistische Partei der USA steht, das wird nicht ganz klar) aufsteigt, das mit seinem intuitiven Redetalent die schwarzen Massen Harlems für deren Sache gewinnen soll. Sogar einen neuen Namen bekommt er von der Bruderschaft, was er sich gefallen lässt, solange es nur der progressiven Sache (soziale Gerechtigkeit im weitesten Sinn, das genaue, offenbar weltanschaulich recht anspruchsvolle Programm der Bruderschaft bleibt im Nebel) dienen mag.

Durchaus etabliert, aber weiter unbequem: Ellison im mittleren Alter.

Warum und wie genau der tragische Held sich von den weißen MenschenfreundInnen schließlich doch verraten und verkauft fühlt, muss die Leserin von „Invisible Man“ – und ich wünsche diesem Buch noch viele Leser! – selbst herausfinden. Nur soviel sei verraten: die Dinge verhalten sich komplex.

Ralph Ellison (1913 – 1994) ist neben James Baldwin einer der wichtigen afroamerikanischen Schriftsteller der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hierzulande ist er bis heute so gut wie unbekannt. Ein Skandal.

Obwohl „Invisible Man“ bereits 2 Jahre nach seinem Erscheinen als „Unsichtbar“ von Georg Goyert übersetzt wurde, ist der Roman aktuell nur in antiquarischen Print-Ausgaben auf Deutsch erhältlich.**

Und bitte nicht mit dem Science-Fiction-Klassiker „The Invisible Man“ von H. G. Wells aus dem Jahr 1897 verwechseln.


* d. h. nicht nur situativ bedingten
** Ergebnis meiner Recherche auf eBook.de und Amazon 2017-12-20.
„Invisible Man“, ein Roman von Ralph Ellison aus dem Jahr 1952