200 Jahre Richard Wagner: Der Würdigung sechster Teil

Hören wir einen Juden sprechen, so verletzt uns unbewußt aller Mangel rein menschlichen Ausdrucks in seiner Rede: die kalte Gleichgültigkeit des eigentümlichen „Gelabbers“ in ihr steigert sich bei keiner Veranlassung zur Erregtheit höherer, herzdurchglühter Leidenschaft.

Richard Wagner, „Das Judentum in der Musik“ (1850/1869), S. 8
Volltext als PDF (via archive.org)

200 Jahre Richard Wagner: Der Würdigung sechster Teil

200 Jahre Richard Wagner: Der Würdigung fünfter Teil

Wagner Ghost (Würzburg), 2013

Als durchaus fremdartig und unangenehm fällt unsrem Ohre zunächst ein zischender, schrillender, summsender und murksender Lautausdruck der jüdischen Sprechweise auf: eine unsrer nationalen Sprache gänzlich uneigentümliche Verwendung und willkürliche Verdrehung der Worte und der Phrasenkonstruktionen gibt diesem Lautausdruck vollends noch den Charakter eines unerträglich verwirrten Geplappers, bei dessen Anhörung unsre Aufmerksamkeit unwillkürlich mehr bei diesem widerlichen Wie, als bei dem darin enthaltenen Was der jüdischen Rede verweilt.

Richard Wagner, „Das Judentum in der Musik“ (1850/1869), S. 7
Volltext als PDF (via archive.org)

200 Jahre Richard Wagner: Der Würdigung fünfter Teil

200 Jahre Richard Wagner: Der Würdigung vierter Teil

Zunächst muß im Allgemeinen der Umstand, daß der Jude die modernen europäischen Sprachen nur wie erlernte, nicht als angeborene Sprachen redet, ihn von aller Fähigkeit, in ihnen sich seinem Wesen entsprechend, eigentümlich und selbständig kundzugeben, ausschließen.

Richard Wagner, „Das Judentum in der Musik“ (1850/1869), S. 7
Volltext als PDF (via archive.org)

200 Jahre Richard Wagner: Der Würdigung vierter Teil

Offenbar notwendige Ergänzung zu „Thielemann über Wagner“

Da ich zu diesem Artikel Applaus von der falschen Seite bekommen habe („franwag“ nahm ihn zum Anlass, mein Blog zu abonnieren), hier eine Ergänzung in etwas deutlicherer Sprache:

Thielemanns Aussage „Was tun mit Wagners Antisemitismus? In den Noten ist dafür kein Platz, denn C-Dur bleibt tatsächlich C-Dur.“ gehört zum Reaktionärsten, was man über Musik überhaupt sagen kann.

Warum? Nun, wer jemals „In C“ von Terry Riley gehört hat, dem dürfte klar geworden sein, dass C-Dur-Klänge auch außerhalb von Wagners Welt ihre Wirkung entfalten können.

Sie haben schlicht eine stimulierende Wirkung auf Menschen und andere Säugetiere – wie vieles andere auch. Man kann sich auf physiologischer Ebene gegen diese Wirkung wohl ebensowenig wehren wie gegen das Streicheln einer Hand (ob dies auch für Menschen gilt, die in außereuropäischen Musikkulturen sozialisiert wurden, wo „C-Dur“ unbekannt ist, weiß ich ich nicht).

Damit ist aber lediglich gesagt, dass „C-Dur“ dazu verwendet werden kann, den entsprechend vorgeprägten Hörer zu manipulieren. Und zwar mit beliebiger Absicht.

Ich unterstelle jetzt mal, dass Thielemann das weiß. Was er aber sagt, ist, „C-Dur ist unschuldig.“ Was er damit suggeriert, ist „Wenn C-Dur unschuldig ist, dann ist auch Wagners Musik unschuldig.“ – ganz als würde Musik absolut existieren, losgelöst von ihrem Schöpfer.

Es gibt aber keine absolute Musik, genausowenig wie es absolute Malerei oder absolute Literatur gibt. Es gibt nur relationale Musik, d. h. Musik von kontingenten Subjekten für kontingente Subjekte. Wer anderer Meinung ist (und das sind offenbar einige), der müsste dann aber bitte auch die folgende Paraphrase von Thielemanns Sätzen unterschreiben:

Ein Filmregisseur wird Leni Riefenstahl immer nach ihren Filmen beurteilen, nach ihrem handwerklichen und künstlerischen Können. Da dieses Können unstrittig ist, landet man rasch in einem Dilemma. Wohin mit dem sogenannten Weltanschaulichen? Was tun mit Riefenstahls Nähe zum Nationalsozialismus? In den Bildern ist dafür kein Platz, denn schöne menschliche Körper bleiben tatsächlich schöne menschliche Körper.

(Zum Thema Riefenstahl siehe auch diesen Artikel. Und auch jenen.)

Offenbar notwendige Ergänzung zu „Thielemann über Wagner“

Thielemann über Wagner

Elite (Thielemann), 2013

Ein Musiker wird Richard Wagner immer nach seiner Musik beurteilen, nach seinem handwerklichen und künstlerischen Können. Da dieses Können unstrittig ist, landet man rasch in einem Dilemma. Wohin mit dem sogenannten Weltanschaulichen? Was tun mit Wagners Antisemitismus? In den Noten ist dafür kein Platz, denn C-Dur bleibt tatsächlich C-Dur.

Christian Thielemann: „Mein Leben mit Wagner„, 2012

Thielemann über Wagner