Wer war Vilém Flusser? (1 von 2)

Ein vollkommen zu Unrecht vergessener Medienphilosoph der 1980er-Jahre. Ich habe ihn damals vor allem als Mode-Intellektuellen um Umfeld von Baudrillard und Lyotard wahrgenommen, aber das war vermutlich falsch.

Im Zentrum von Flussers Denken steht das Phänomen des ganz allmählichen Verschwindens der linearen Schriftlichkeit und deren Ersetzung bzw. „Aufhebung“ (im Hegelschen Sinne, Lehmann würde von „Verschachtelung“ sprechen) im neuen Medium des Technobilds. „Technobild“ ist tatsächlich ein Terminus technicus bei Flusser, hat aber mit der gleichnamigen Musikströmung natürlich nichts zu tun. Vielleicht ein Grund, warum dieser m. E. sehr brauchbare Begriff sowie Flussers Denken als Ganzes sich nie durchsetzen konnte.

Nebenbemerkung Der Tscheche (genauer: Prager) Flusser spricht mit charmantem osteuropäischem Akzent und hat, ganz allgemein gesprochen, exakt jenen sehr spezifischen Habitus des ostjüdischen Intellektuellen, den viele mehr oder weniger gebildete Kreise im alten Westdeutschland so liebten (vgl. z. B. die Popularität Reich-Ranickis und Thomas Gottschalks Verhältnis zu ihm) und die für sie offenbar quasi automatisch mit dem Nimbus höchster intellektueller wie moralischer Autorität verbunden war. Warum das so war, lässt sich, wenn auch indirekt, in dem grässlichen Diktum zusammenfassen, das ich bei Maxim Biller gefunden habe und das da lautet: „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz niemals verzeihen.“

Kommenden Sonntag gibt’s den zweiten Teil, vielen Dank für die Aufmerksamkeit.