Hommage to Hardy Fox, Composer of „The Residents“

Das wohl bekannteste Foto der „Residents“ zeigt die vier Bandmitglieder in einschlägiger Kostümierung vor der Golden Gate Bridge San Franciscos.

Die Trash- und Mashup-Werke, mit der Trond Ø Reinholdtsen und auch Moritz Muzak Eggert derzeit die spießige, ästhetisch hinterwäldlerische, aber intellektuell extrem hochfahrende Welt der „Neuen Musik“ schocken bzw. verärgern, haben ihre geistigen Wurzeln zweifellos auch in den Arbeiten des soeben verstorbenen Hardy Fox, der Zeit seines Lebens in selbstgewählter Anonymität als principal composer der Pop-Formation The Residents fungierte, wie sich angesichts seines bedauerlichen Krebstods nun definitiv herausgestellt hat.* Aus diesem Anlass wies das empfehlenswerte Blog „Second Inversion“ dankenswerterweise auf „Pollex Christi“ (Der Daumen Christi), eines der „Hauptwerke“ Foxens aus dem Jahr 1997, hin.

Das durchgehend gute Laune verströmende und gute Laune machende Œuvre, welches aber gerne auch als Anhäufung postmoderner Zynismen verstanden werden kann, sei der geneigten Weltsicht-Hörerin nicht vorenthalten (Abfolge von 5 YouTube-Videos, Gesamtlänge ca. 20 Minuten):

Welchen Einfluss The Residents auf das Schaffen meines Co-Bloggers R. Schuster hatten, kann man hier lesen.


* Dabei ist es unerheblich, ob Reinholdtsen bzw. Eggert „The Residents“ (oder deren deutsches Gegenstück „Die Tödliche Doris“) kennen oder nicht – die künstlerischen Arbeitsweisen sind objektiv verwandt, und nur darauf kommt es mir hier an. Natürlich wäre in diesem Zusammenhang auch Frank Zappa zu nennen, aber über den ist m. E. bereits alles gesagt worden.
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Kalifornische Freaks mit bayerischer Corporate Identity

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Durch Zufall hatte ich erfahren, dass The Residents in Berlin auftreten würden. Ja, die Residents, jene einst mal geheimnisumwitterte New Wave-Band aus San Francisco, die nie preisgeben wollte, wer die vier Musiker sind, aus der die Band besteht.

Ich erinnere mich aber auch, dass ich damals, als die Residents so zwischen fünf und zehn Jahre alt waren, also Anfang der 80er, in einer Musikzeitung las: Inzwischen interessiert es niemanden mehr, wer sie sind. Das war die Zeit, als die frühen Platten der Band Kultstatus hatten, aber die aktuellen Werke als esoterisch und langatmig galten.

Inzwischen gibt es sie seit 40 Jahren, angeblich ist nur noch ein Gründungsmitglied dabei, ich kenne weiterhin nur drei frühe LPs von ihnen, aber ich möchte hier vor allem meine Hochachtung zum Ausdruck bringen. Die Konsequenz, mit der die Residents ihr Ding so lange durchgezogen haben, beeindruckt mich.

Das ganze Projekt war immer eine Parodie auf Rock- und Popmusik, aber es steckte auch ganz viel Eigenes, Fremdartiges drin. Die Residents sind Freaks, so wie Zappa oder andere Westküstenbewohner der USA, die das Anderssein ganz entspannt präsentieren. Das Eigentümliche scheint ihnen in die Wiege gelegt worden zu sein.

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Deshalb brauchte es auch nicht zu wundern, dass sie in Berlin Anzüge mit blau-weißen Rauten trugen und der Sänger ungelenk im Kuhkostüm tanzte. Denn bereits auf der ersten LP Meet the Residents (1974) gab es ja Bezüge zu Bayern, da dort berichtet wurde, dass die Residents ihren Sound gemeinsam mit dem Wissenschaftler N. Senada entwickelt hätten, der davor in Bayern phonetische Studien betrieben haben soll. Pioniere der Fake-Identität waren die Residents auf jeden Fall.

Im Bühnenhintergrund gab es eine große Kugel, die für die bekannten Residents-Augäpfel stand. Auf diese Kugel wurden mehrere Videos projiziert – unter anderem „Richard Nixon sings the Blues“ -, die der Sänger von Hand startete, indem er zum Beamer ging und auf einen Knopf drückte. Das beeindruckte mich, weil es so einfach war. Ebenso die Rauten im Bühnenhintergrund. Ich hielt sie zunächst für eine besonders ausgeklügelte Projektion, aber es war einfach ein großes Tuch, das Falten warf, und durch diese Falten bekamen die Rauten Plastizität.

Da ich das komplette Songrepertoire der Residents bei weiten nicht kenne, gab es beim Konzert kaum Wiedererkennungseffekte, aber es klang bekannt (Stimme, Stimmung und Intonation) und unbekannt (Sound, Songs) zugleich. Natürlich wurde das Publikum nie angesprochen oder begrüßt (Kein „Hallo, Berlin“, zum Glück!) und nur mit einer Verbeugung verabschiedet. Die Show ging ziemlich pünktlich los, die Zugabe war kurz, aber ich fand es wirklich toll. Eine schöne, fremde Welt, Freaks eben, und zwar gute!