«Über spitze Steine», visualisiert

Visualisierungs-Software: MusicGraph 1.0 (Paul Nelson 2002)
Visuelle Nachbearbeitung: GIMP 2.8.18
Animations-Software: PhotoFilmStrip 3.0.2 (Jens Göpfert 2017)

Eine mit MusicGraph farblich und strukturell angereicherte Piano-Roll-Grafik meines Klavierstücks wurde unter GIMP um den Faktor 6 in die Breite skaliert und mit dem Algorithmus „Warp“, den man als Schmierfilter bezeichnen könnte, verfremdet. Anschließend wurde die Datei unter Verwendung des Ken-Burns-Effekts mit PhotoFilmStrip animiert. Das Video ist so angelegt, dass man das musikalische Geschehen stets mitverfolgen kann.

Die farbigen Linien des Videos generiert MusicGraph automatisch auf Basis von Intervallverhältnissen, die es entdeckt. Die Farben sind frei konfigurierbar und ich habe mich für folgende entschieden: Rot bedeutet, dass eine kleine Sekunde im Spiel ist, Grün bezeichnet eine große und Blau eine kleine Terz. Alle anderen Intervalle bleiben weiß, also sozusagen unfarbig, Einzeltöne erscheinen schwarz.

Ich bin mit dieser Arbeit deshalb so besonders zufrieden, weil sie die kalte Genauigkeit einer digitalen mit der warmen Expressivität einer analogen Visualisierung vereint, ohne dabei jedoch in’s Lauwarme zu münden.

Der Vollständigkeit halber hier das gesamte, dem Video zugrundeliegende Partiturderivat auf einen Blick:


Mehr zur verwendeten ePlayer-Realisierung der Komposition hier.

Es gibt noch zwei weitere, komplett andersartige Video-Visualisierungen der „Spitzen Steine“, die eine ist ästhetisch komplett digital, die andere ein Hybrid aus digitalen und analogen Elementen.

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«Six Pieces», visualized

 

Nachdem er meine „6 Pieces for Player Piano (2005 – 2012)„, die ich im November hier eingestellt habe, gehört hatte, wies mich der Komponist Klarenz Barlow auf Stephen Malinowskis Music Animation Machine (MusAniM) hin, einer auf das Jahr 1985 (!) zurückgehenden freien Software, die MIDI-Daten grafisch aufbereitet. Ich war MusAniM zwar schon vor Jahren begegnet, hielt deren visuelle Möglichkeiten aber bisher nicht für sonderlich attraktiv: zu karg und elementar, zu „mathematisch“ erschien mir die von Malinowski implementierte Formensprache. Allerdings hatte ich noch nie ernsthaft mit MusAniM gearbeitet. Aber jetzt.

Es zeigte sich, dass die ja ebenfalls ziemlich „mathematischen“ (sprich: algorithmisch-repetitiven) Strukturen der „6 Pieces“ sehr charmant mit den von Malinowski favorisierten geometrischen Elementarformen harmonieren, weswegen mir die gestalterische Arbeit sehr flott von der Hand ging. Probleme bereitete dann natürlich mal wieder (wie fast immer!) die technische Umsetzung (Minimierung des Bildruckelns der Animation), aber ich hab mich halt reingekniet. Das Ergebnis ist technisch halbwegs in Ordnung, ästhetisch bin aber sogar sehr zufrieden 🙂 [Nerd-Info: Die Investition in die Screen-Capturing-Shareware „Fraps“ lohnt sich und der „Movie Maker“ ist der beste Beweis dafür, dass Microsoft auch gute freie Software machen kann.]

Bei der Gelegenheit habe ich die Komposition gleich noch mal neu gerendert und zwar mit dem wunderbaren „Iowa Piano„, einem freien Soundfont eines Steinway „Model B“ Konzertflügels. Im Gegensatz zum brillant-klaren Bösendorfer Imperial (aus der kommerziellen Vienna Symphonic Library), den ich sonst verwende, ein viel „humanoiderer“ Klang, d. h. alles ist ein wenig dunkler, unklarer, sogar (auf angenehme Weise) verwaschener, die lauten Töne sind dennoch sehr hell (das Problem beim Bösendorfer ist ja: er klingt immer hell und kristallin, auch im Pianissimo-Bereich). Die Samples rauschen ein bisschen, v. a. bei getretenem Haltepedal (da summiert sich ganz offenbar das Hintergrundrauschen der „ausgehaltenen“ Einzelsamples, ohne dass die gesampelten Klänge noch hörbar wären), was ich in einer späteren Version evtl. herausfiltern werde.

Eine neue Temperierung, die ich eher zufällig in Op de Couls Skalenarchiv entdeckte, habe ich den „6 Pieces“ auch verpasst. Es handelt sich um diese:

Lou Harrison, "Incidental Music for Corneille's Cinna" (1955-56) 1/1=C

 0: 1/1      0.000000 unison, perfect prime
 1: 25/24   70.672427 classic chromatic semitone, minor chroma
 2: 9/8    203.910002 major whole tone
 3: 6/5    315.641287 minor third
 4: 5/4    386.313714 major third
 5: 21/16  470.780907 narrow fourth
 6: 45/32  590.223716 diatonic tritone
 7: 3/2    701.955001 perfect fifth
 8: 8/5    813.686286 minor sixth
 9: 5/3    884.358713 major sixth, BP sixth
10: 7/4    968.825906 harmonic seventh
11: 15/8  1088.268715 classic major seventh
12: 2/1   1200.000000 octave

Zum Anfang des vierten Stücks erzeugt diese Skala gewisse aurale Härten am Rande des Unangenehmen (aber für meine Begriffe eben nur am Rande), ansonsten aber verleiht Harrisons Stimmung (die vermutlich eine Variante der „reinen Stimmung“ darstellt, aber da bin ich kein Experte, wer weiß Bescheid?) den „6 Pieces“ eine zusätzliche leichte, aber entschiedene Sprödigkeit, die mich (pardon) entzückt!

Viel Spaß beim Schauen & Lauschen wünsche ich euch … und meldet doch mal zurück, wie’s euch gefallen hat 🙂

 

«Ego-Shooter» für Selbstspielklavier | «Ego-Shooter», visualisiert

MIDI-Editoren Cubase, MidiEditor (M. Schwenk), MIDIPLEX (Stas’M), Sekaiju (kuzu)
Temperierung arabisch d (siehe Kompositionsnotiz)
Sample-Bibliothek Yamaha Disklavier Pro-Konzertflügel (Zenph Studios)
Sample-Renderer SynthFont2 (K. Rundt)
Faltungshall [Software] ORTF-Studiohall (Urheber unbek.) [FreeverbVST3_Impulser2]

Kompositionsnotiz

Das Klavierstück basiert auf dem PianoLog 2006-10-27 und wurde nachträglich im Maqam Sikah Baladi gerendert. Auf den martialischen Werktitel kam ich erst, nachdem ich begonnen hatte, die Komposition zu visualisieren, denn in der dafür verwendeten Software kommt Technologie zum Einsatz, die aus der Welt des Gamings stammt.

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«Ego-Shooter» visualisiert

Die Visualisierung basiert auf der frei im Internet verfügbaren Software MIDITrail, die seit 2010 von Masahi Wada entwickelt wird. MIDITrail visualisiert den MIDI-Datenstrom mit erstaunlicher visueller Präzision. «Ego-Shooter» ist meine erste Komposition, die ich sofort visualisiert online stelle.

«2008», visualisiert

«2008» is a chamber music composition for Violin, Viola, Cello, Contrabass, Trumpet, Trombone, Flute, Oboe, Englishhorn, Contrabassoon, Clarinet, Bass Clarinet, Piano and Marimba. The music was laptop-composed during a „composer-in-residence“ vacation in Lieberose (Brandenburg / Germany) in August 2007. A rhythmically and harmonically freewheeling section in the composition’s center is sharply contrasted by two rigidly minimalistic sections at the beginning and at the end of the piece.

 

 

«2003», visualisiert

«2003» is an orchestral composition for Strings, Brass, Celesta, Harp, Percussion and Piano. The piano is tuned one quarter-tone (50 cents) lower than all other instruments. The music was desktop-composed in 2003 using a MIDI Keyboard and a sequencer.

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«2003» war mein erstes Orchesterstück überhaupt, vorher hatte ich mich ausschließlich in Klavier- und ein wenig Kammermusik versucht. Thomas Bernhard hat mal sinngemäß gesagt „Ins erste Buch schreibt man alles rein“ und so ähnlich war es hier wohl auch. Das Stück ist mir – auch bei späterem Hören – immer als recht unübersichtliches „Sammelalbum“ erschienen (mehr Inhalt als Form sozusagen). Erst mit dieser Visualisierung über 10 Jahre später ist mir aufgefallen, dass es eigentlich dreiteilig genannt werden kann, ja, sogar eine ABA‘-Form hat. Die A-Teile sind – mehr oder weniger – minimalistisch, der B-Teil melodisch organisiert.

Entsprechend der Komplexität des Stücks wollte ich dann natürlich auch die Visualisierung gestalten. Die A-Teile sind dennoch eher schlicht geraten: Der vierfach geteilte Schirm zeigt dasselbe Video (den Bahnhofsvorplatz in Würzburg im Jahr 2008, gefilmt mit einer Kompaktkamera, die auf dem Tisch eines Restaurants stand), ein sog. Threshold-Filter strukturiert das Ganze formal (im A-Teil wird graduell vom Normalfarbraum auf einen reinen Schwarzweiß-Farbraum übergeblendet, im A‘-Teil läuft dieser Prozess umgekehrt ab; Steve Reichs Rede von der „Musik als graduellem Prozess“ wird so recht buchstäblich auf Video übertragen). Der B-Teil schließlich besteht aus der für meine Visualisierungen üblichen Slideshow, nur, dass diesmal zwei Slides zusätzlich dezent animiert sind (im Waldbild bewegt man sich von oben nach unten, im Straßenbild ist es umgekehrt).