Weltsicht aus der Nische

Bürger, Musiker, Komponist (autonom, aber vernetzt)

Pigliucci’s Corner (2 of 15): Neuroethics & the Trolley Dilemma (2009)

by Stefan Hetzel

“Medialismus”, Roman: 1. Kapitel

by ralf schuster

Eine leere Werbefläche, die üblichen 10 qm, aber in diesem Fall inhaltslos und weiß. Man nennt das verfügbare Plakataußenwerbung. Das ist der Anfang der Geschichte, denn ich wollte die Fläche bemalen, aber ich traute mich nicht. Leider verplemperte ich viel Zeit damit, es NICHT zu tun. Das hätte viel schneller gehen können, aber nein, zu lange stand ich vor der weißen Wand, trug die Faserschreiber in der Tasche, befühlte sie, dachte an die Worte, die ich hätte schreiben können, oder die Bilder, die ich hätte malen können, an die Reaktionen der Freunde oder die Reaktionen der Feinde, schwankte hin und her, verlor den Faden und ging schließlich bis an die Straßenecke, kehrte dann aber nochmal zurück, holte sogar einen Stift heraus, von dem ich die Abdeckkappe herunterzog, und versuchte, mich auf den ersten Strich zu konzentrieren, was nicht gelang, und dann wollte ich die Kappe wieder aufstecken, was auch nicht gelang, die Kappe fiel mir auf den Boden, ich musste sie suchen. Während ich am Boden herumkroch, reifte der Entschluss, mich aus meiner mir selbst gestellten Aufgabe zurückzuziehen. Was bedeutete, dass ich nach Hause ging und bei meinem einsamen Spaziergang durch die ziemlich leblose Universitätsstadt umso lebhafter darüber phantasierte, wie bedeutsam es gewesen wäre. Selbstbestätigung wünschte ich mir, Selbstbefriedung wurde es, denn die endlose Kette der Gedanken, die zu nichts führte als zu der Einsicht, dass ich zu zaghaft sei und versagt hatte, ließ sich nur durch erotische Hirngespinste abwürgen, welche wiederum einen Samenerguss verursachten. Was mich emotional nicht weiter berührte, damals onanierte ich mehrmals täglich. Später übrigens auch.

Am Abend des Tages, der auf die Nacht folgte, die ich an der leeren Werbefläche verplempert hatte, saß plötzlich eine unbekannte Blondine in der WG-Küche. Sowas kommt natürlich nicht oft vor. Um die Umstände kurz zu umreißen: Da ich an jenem Tag erst um zehn Uhr zur Vorlesung musste, war ich halbwegs ausgeschlafen, am späten Nachmittag saß ich mit dem Medizin- und dem Lehramtsstudenten in der Küche, aß Käsebrote. Als wir satt waren, gingen wir alle in unsere jeweiligen Zimmer, ich beschäftigte mich ausgiebig mit Differenzialrechnung, was der Lehrplan so vorsah und es waren innerhalb der nächsten Tage Übungsaufgaben zu bewältigen. Als es mir gerade so schien, als hätte ich das entscheidende Problem der Aufgabe gelöst und ich könnte nun mit aufwändiger, aber vorhersehbarer Methodik ins mathematische Ziel schlittern, wollte ich mir in der Küche ein Glas mit Wein füllen. Den Übergang von der harten Gedankenarbeit zur Abendentspannung einläuten. Das war der Moment, als ich dort die Blondine mit dem Rücken zur Tür sitzen sah. Ausnahmsweise reagierte ich angemessen, sagte beiläufig hallo, nahm mir den Wein, blickte sie auch von vorne an. Vom Kühlschrank aus kommend, hatte ich die bessere Position. Von vorne gefiel sie mir gar nicht so gut, denn ihr Gesicht war etwas kantig und grob, die Lippen schmal. Von hinten hatte ich mir mehr erwartet. Die Bluse mit den großen Punkten gefiel mir, die halblangen glatten Haare auch, aber etwas mehr Oberweite hätte mich durchaus angespornt. Sie nahm ein Glas Wein von mir, ich setzte mich an den Tisch und dann plauderten wir ungezwungen. Sie war mit meiner Mitbewohnerin, der Geografiestudentin gekommen, und die Geografin wollte noch duschen und sich aufhübschen, bevor die beiden dann gemeinsam zu einem Kunstfilmabend gehen würden, und deshalb saß die blonde Sabine mit dem kantigen Gesicht allein in der WG-Küche. Kurzfilmabend, das war mein Spezialgebiet, denn ich hatte mir ja inzwischen einen Namen als Super-8-Aktivist gemacht, aber nein, sie sagte ja Kunstfilm, war das überhaupt ein definierter Begriff? Es seien wohl Kurzfilme mit künstlerischem Inhalt, die im Spätprogramm des Videofestivals laufen sollten. Video? Ja, das gab es auch schon. Man könnte vermuten, dass Super-8-Filmemacher Videotechnik mögen, was aber in meinem Bekanntenkreis nicht der Fall war, es handelte sich eher um eine unbegründet verbissene Feindschaft. Super 8 war die Sparversion des ehrwürdigen Kinofilmes, Video das Handwerkszeug des Fernsehens, speziell des damals noch neuen Privatfernsehens, das, was alle verachteten, ohne es gesehen zu haben. An ideologisch motivierter Polemik mangelte es nicht. Vielleicht ahnten die Super-8-Aktivisten damals schon, dass die Zeit gegen sie arbeitete und sträubten sich trotzdem gegen den Fortschritt. Mit Sabine unterhielt ich mich angeregt über die Kontroverse, sie zeigte Verständnis für meine provokanten Thesen, mit denen ich mich gegenüber der videologischen Ideologie abgrenzte, die es vermutlich gar nicht gab, aber ich tat so, als handele es sich um gesicherte Erkenntnisse. Obwohl es mir auf der Zunge lag, verkniff ich mir, ihr vorzuwerfen, dass sie zum Videofestival ging, ich beschränkte mich darauf, die künstlerische Überlegenheit filmischer Produktionsweisen auf filmischem Material zu erläutern. Sie fand das wohl interessant, vermutlich hatte sie darüber überhaupt noch nie nachgedacht, warum auch, sie war ja Geografin, so wie meine Mitbewohnerin, die kannten sich aus dem Studium. Dann kam meine Mitbewohnerin frisch geduscht und ziemlich aufgestylt in die Küche. Zu ihr hatte ich kein so gutes Verhältnis wie zu den anderen, sie nahm auch weniger intensiv am WG-Leben teil. Aber ihre Freundin Sabine brachte das Gespräch gleich in die richtige Richtung, denn sie beschwerte sich bei meiner Mitbewohnerin, dass sie ihr gar nicht gesagt hätte, dass ich Filmemacher sei. Meine Mitbewohnerin fragte daraufhin, ob ich nicht mitkommen wolle, in die Spätvorstellung des Videofestivals. Da saß ich in der Falle, denn da ich vorher gegenüber Sabine so ausführlich über die ästhetische Minderwertigkeit von Video schwadroniert hatte, musste ich jetzt, um Würde zu bewahren, darauf verzichten, mir die künstlerischen Kurzfilmebzw. die kurzen Kunstfilme anzusehen. Meine geografisch bewanderte Mitbewohnerin versäumte nicht, mich zum Abschied mit der Aussage zu quälen, dass sie immer gedacht hätte, es sei egal, ob man mit Film oder mit Video dreht. Aber Sabine machte das wieder wett, sie forderte mich auf, Bescheid zu geben, wenn meine Filme mal irgendwo zu sehen seien. Das war gut. So musste ich gar nicht aufdringlich sein, um sie zu einem Wiedersehen anzuregen. Dann verschwanden die beiden und ich kümmerte mich um meine Mathematik-Übungsaufgaben.


Medialismus?

Britta Thie: “Transatlantics” – Episode 1/6: “Pores of Perception”

by Stefan Hetzel

Der Film von und mit der 28-jährigen deutschen Künstlerin Thie, von der ich grade zum ersten Mal über die Homepage der Kunst-Illustrierten monopol erfuhr, überzeugt bei aller hochprofessionellen Selbstinszenierung (o.k., sie scheint auch als Model zu arbeiten) durch leichte Angetrashtheit und Realitätsnähe, fein :-)

Felix Stephan hat auf ZEIT ONLINE etwas über Thie geschrieben.

«Metal Springs»

by Stefan Hetzel

Spektrogramm
Created using GranuLab. Based on my own field recording. Composed in 2007. / Elektroakustische Musik

Andrea Kneis tanzt «2007 (Lieberose)»

by Stefan Hetzel

Mitschnitt der Generalprobe vom Nachmittag des 26. Aprils 2015 im Tanzspeicher zu Würzburg:

Danke, liebe Andrea, für diese sehr gelungene tänzerische Umsetzung meiner Musik :-)

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