Pat Thomas „One“ (2013)


patthomasUnd ein letztes ebenso rüdes wie sensibles Statement des afrobritischen Meisters. Sein Spiel hat eine Qualität, für die mir kein abgefuckterer Begriff als spirituell einfällt.

Tut mir leid.

Wirklich.

Denn was meine ich mit spirituell? Nun, hat Musik spirituelle Qualität, glaubt man, mehr wahrzunehmen als bloß akustische Phänomene. Das Hörbare triggert etwas in mir an, das sich begrifflicher Vermittlung nachhaltig entzieht. Dabei kann es sein, dass es nur mir so geht und andere Ohren hier nur Chaos und/oder Indifferenz wahrnehmen. Aber so verhält sich das nun mal mit dem subjektiven Erlebnisgehalt eines mentalen Zustands. Ganz grundsätzlich und evtl. unhintergeh- und -überbrückbar. – Recorded live @ Cafe Oto, London.

Pat Thomas „One“ (2013)

«Fake Blues» for piano (ePlayer-Realisierung)

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Dieses Foto eines malerisch kaputten alten Klaviers fand ich im Netz. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um das für den Soundfont verwendete Klavier.

Soundfont Upright Piano (Beskhu)
Sample Player Kontakt 5 (Demo Mode)
Faltungshall Schellingwoude (F. van Saane)

Der gewählte Soundfont klingt ganz bewusst ein wenig nach „Omas altem Klavier“, um die sentimentale Stimmung der Komposition zu unterstreichen.

Kompositionsnotiz

Das Ausgangsmaterial zu diesem in konventioneller Jazzrhythmik gehaltenen Stück entstand am 28. April 2007. Harmonisch habe ich mir einige Freiheiten genommen, ohne jedoch das Blues-Feeling jemals komplett aufzugeben. Auch wenn das unglaubwürdig klingt: „Fake Blues“ wurde ohne vorherige Skizzen oder Konzept in einem Rutsch durchimprovisiert, ich habe nachträglich lediglich* den Anfangsteil noch einmal hinten „angeklebt“.


* Neben dem üblichen Nano-Editing.
«Fake Blues» for piano (ePlayer-Realisierung)

Fotoarbeit der Woche : KW 48 : Selbstporträt, 2011

selbstportraet-2011

Das technisch natürlich komplett misslungene, aber gerade deshalb ästhetisch reizvolle Foto stammt wirklich aus dem Jahr 2011 und ist irgendwann während einer längeren Zugfahrt aus Langeweile entstanden, die krakeligen Striche habe ich – aus welchem Grund auch immer – erst vor kurzem hinzugefügt. Und fragt mich bitte nicht, was sie bedeuten.

Fotoarbeit der Woche : KW 48 : Selbstporträt, 2011

«Philips» (Soundscape 23)

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Elektroakustische Klänge, die erzählen, ohne dabei zum Hörspiel zu werden. Das geht, finde ich. Für bessere Lesbarkeit bitte aufs Bild klicken.

Field Recording Eigene Aufnahme vom 17. August 2014
Kompositionssoftware HourGlass (Xenakios)
Audio-Editor Audacity 2.1.2
Faltungshall Large Factory Amsterdam (F. van Saane)

Kompositionsnotiz

Befüllt man den Wassertank des Kaffeeautomaten HD7632/22 „Essence“ von Philips und benutzt dabei die mitgelieferte Thermoskanne, entsteht ein lang anhaltendes melodisches Gluckergeräusch, das mich stets entzückte. Also nahm ich es mit meinem portablen Wave-Rekorder bereits im Sommer 2014 auf, mit der Absicht, aus diesem Audioschnipsel einst eine Soundscape zu erwirtschaften, was Anfang November 2016 mithilfe des frei erhältlichen Granularsynthesizers HourGlass (Link siehe oben) in die Tat umgesetzt wurde.

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Der Kaffeeautomat HD7632/22 „Essence“ von Philips

Zunächst erarbeitete ich einen kleinen Pool von Varianten des Themas, indem ich dieses als Endlosschleife durch HourGlass schickte, dabei an allen verfügbaren Reglern wüst herumspielte, also improvisierte – und mitschnitt, wenn etwas Interessantes passierte. Dabei vergab ich immer gleich einen möglichst aussagekräftigen Namen für eine neue Variante, damit sie sich besser in mein aurales Gedächtnis einprägte. Auf diese Weise entstanden die Soundschnipsel „Groove“, „Ganz tief unten“, „Cascades“, „Der sprechende Wasserhahn“, „Schwere See“, „Water Ghost“, „Unter Deck 2“ und ein paar weitere, die aber letztlich keine Verwendung fanden.

Die eigentliche Komposition im Wortsinn bestand dann in einer musikalisch möglichst gehaltvollen Anordnung dieser akustischen Halbzeuge (Erklärung dieses Begriffs hier), wobei (bei mir) instinktiv immer so etwas wie eine mehr oder minder klassische Dramaturgie mit Exposition, Konflikt, Höhepunkt, Peripetie, Katastrophe etc. Verwendung findet.

Ich denke, ein (offenes) Geheimnis nachvollziehbaren Komponierens besteht genau darin: Man erzählt mit rein musikalischen Mitteln (also text- und kommentarlos) eine Geschichte*. Freilich teilt sich diese hier evtl. aus Materialgründen nicht jeder mit und die Hörerin mag statt Narrativität nur unterschiedlich moduliertes Geblubber wahrnehmen. Ist aber anders gemeint – weshalb ich das Spektrogramm der Komposition hier mal so exakt wie möglich beschriftet habe, um den Nachvollzug evtl. zu erleichtern und darüber hinaus zu belegen, dass ich hier keinen Quark verzapfe. Have fun!


* „Geschichte“ ist hier nicht im streng literarischen Sinn von „Es war einmal eine Kaffeemaschine“ zu verstehen, sondern als lose, aber nicht zufällige Abfolge akustischer Ereignisse, die (für mich zumindest) „Sinn“ ergeben. Dennoch lege ich Wert auf die Feststellung, dass derartige Kompositionen keine Musik im traditionellen Sinn sind, aber auch keine Hörspiele, sondern etwas Drittes, das man evtl. „geerdete Akusmatik“ nennen könnte.
«Philips» (Soundscape 23)