Die Weltpause macht Sommersicht

Hetzel mit Heiligenschein (2015-12-05)Mir ist aufgefallen, dass ich seit dem 22. August 2011, an dem der erste Artikel der Weltsicht erschien, noch nie eine offizielle Pause eingelegt habe. Gut, es gab immer mal wieder Unterbrechungen, manchmal gesundheitlich, manchmal durch Mangel an Inspiration bedingt. Aber eine echte, geplante Pause? Nö.

Gut, dann also jetzt: Ich wünsche allen LeserInnen und vor allem KommentatorInnen der Weltsicht einen erholsamen, nicht zu heißen Sommer. Ich selber werde ein paar Mal ein bisschen wegfahren, aber nur innerhalb Deutschlands. Hier die aktuellen

Termine

Location When Summary Description
2016-08-23 (Di) – 2016-08-28 (So) S.H. ist in Berlin
Café Wunschlos glücklich, Bronnbachergasse 22R, 97070 Würzburg, Deutschland 2016-09-11 (So) um 15:30 – 18:00 S.H. & Friends spielen Modern Jazz unter freiem Himmel Eintritt frei im Rahmen des StraMu-Festivals. Bei schlechtem Wetter im Café. THIS IS A SESSION. ALL JAZZ MUSICIANS ARE WELCOME🙂
Würzburg, Marktplatz 2016-09-17 (Sa) um 10:00 – 12:00 Modern Jazz mit dem Saxofonisten Dirk Rumig und dem Trio Hetzel, Demus, Meister Oberer Markt, "FRIZZ"-Bühne
Harley-Davidson, Raiffeisenstraße 12, 97265 Hettstadt, Deutschland 2016-10-09 (So) um 15:30 – 18:00 Konzert "The Blue Jazz Four" (Kolla, Hetzel, Demus Meister) Eintritt frei, genaue Anfangszeit noch nicht bekannt

Am Montag, dem 5. September geht’s dann wieder weiter, in alter bzw. neuer Frische.

Bis dahin nur das beste wünscht euch

Stefan Hetzel

P.S.: Wenn euch in der Zwischenzeit langweilig werden sollte, dann schaut euch doch einfach im Weltarchiv um. Es ist – wie ich ohne falsche Bescheidenheit sagen darf – gigantisch und enthält mittlerweil Hunderte von Originaltexten, Dutzende von Originalfotoarbeiten und viele Stunden Originalmusik :-)) Eine Übersicht verschafft die

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Statusmitteilung

Die Filterblase als Ursprung und Grenze der Welt(sicht)

Der von der Weltsicht seit Jahr & Tag geschätzte soziologisch informierte (Luhmann-Schule) Web-Entrepreneur Christoph Kappes wartet in diesem Text mit einer überraschenden Beobachtung auf, die ich von meinem alltäglichen Internet-Nutzungsverhalten her nur bestätigen kann:

Stabiler und instruktiver Inhalt findet sich häufig in der Wikipedia, die in den ersten Tagen eines Ereignisses halbwegs neutral und gesichert guten Überblick bietet. Ich jedenfalls beobachte bei mir, dass ich ein aktuelles Thema bei Wikipedia nachlese […].

Gut, ich recherchiere zwar meist eher zu nicht tagesaktuellen Themen aus Philosophie, Musik und Naturwissenschaft, aber dennoch erscheint mir das Informationsangebot der bekanntermaßen durch vielerlei Checks and Balances regulierten Online-Enzyklopädie oft alternativlos.

Damit hätte sich das, was wir Journalismus zu nennen gewohnt waren, erübrigt, obwohl es, so Kappes, „keinen Anhaltspunkt“ gibt, „dass Journalisten dümmer oder schlechter geworden wären.“ Faszinierend.

Ich spreche hier in erster Linie von der sich selbst gerne als „Qualitätsjournalismus“ bezeichnenden Arbeit der Print-Journalisten von ZEIT, WELT, SÜDDEUTSCHER und FAZ, in der es nicht um Tagesaktualität und Schnelligkeit geht, sondern um die Analyse von Kontextualitäten (früher auch „Aufdecken von Hintergründen“ genannt). Seit vielen Jahren lese ich keines der oben genannten vier führenden deutschen „Intelligenzblätter“ mehr (die WELT habe ich allerdings nie regelmäßig gelesen) und deren Online-Angebot nutze ich auch nicht. Dennoch habe ich nicht den Eindruck, seitdem „schlechter informiert“ zu sein über die Dinge, die mich wirklich interessieren. In die Bresche gesprungen sind Facebook (bzw. meine hochgradig personalisierte Variante davon), meine ebenso hochgradig personalisierte Variante der Blogosphäre und einige wenige, handverlesene Podcasts – ja, und eben die Wikipedia. [Ergänzung 2016-07-11: „sowie YouTube und Vimeo“]

Die „Tagesschau“ sah und sehe ich täglich, benutze sie aber als reinen Newsfeed, d. h. sobald kommentiert wird, drehe ich den Ton ab (kein Scherz). Der Neutralität bzw. Objektivität dieses Feeds bringe ich weiterhin Vertrauen entgegen. Nicht nur, weil ich an das Prinzip „öffentlich-rechtlich“ glaube, sondern weil ich feststelle, dass sich all meine Meinungsfeeds stets weiter auf diesen Primärfeed beziehen. Taucht in meinen Meinungsfeeds einmal ein Thema auf, dass die Tagesschau nicht kennt, werde ich sofort misstrauisch. Es gilt aber auch das Umgekehrte.

So versuche ich – auf evtl. etwas unterkomplexe, dafür aber praktikable (d. h. zeitlich nicht allzu übergriffige) Art – ein eigenes kleines System von Checks and Balances in meine tägliche Informationsdiät einzubauen und am Laufen zu halten.

„Siehst du, auch du lebst nur in einer Filterblase!“, höre ich populistische Ignoranten und Provinzialisten jetzt triumphieren – aber DAS IST NICHT DER PUNKT. Zu keiner Zeit hat irgendein Mensch jemals komplett außerhalb irgendwelcher Filterblasen gelebt. Dieses Feeling bleibt Gott* vorbehalten – falls es ihn gibt**

Um so wichtiger, sich über Entwurf, Konstruktion und Instandhaltung dieser Blase gehörig den Kopf zu zerbrechen (evtl. ist das sogar wichtiger als das Kopfzerbrechen über den Content, also die Probleme selbst).

Auch das Projekt Wikipedia hat evtl. seine besten Tage schon hinter sich, wird aber – da bin ich optimistisch – rechtzeitig durch etwas anderes (das wir uns heute technisch noch gar nicht vorstellen können) abgelöst werden.

Kurz gesagt: Ohne Filterblase keine „Welt“, sie ist sowohl ihr Ursprung als auch ihre Grenze***.


* Gottesdefinition für das 21. Jahrhundert: Als Gott bezeichnen wir eine Entität, die zur Gewinnnung von Information nicht auf die Konstruktion von Filterblasen angewiesen ist.
**  Als glücklicher Agnostiker verfüge ich bekanntermaßen (?) über das sichere Wissen, die Existenz Gottes weder beweisen noch widerlegen zu können.
*** „Grenze“ steht hier für die naturgemäß endlichen kognitiven Kapazitäten des Einzelnen, nicht für „Beschränktheit“. Ich plädiere hier nicht für diese neumodische Art von „Ignoranz mit gutem Gewissen, weil ja sowieso alles viel zu komplex ist“, ganz im Gegenteil.
Die Filterblase als Ursprung und Grenze der Welt(sicht)

Lobo über Demagogie

Trump und Johnson haben einfach vor allen anderen bemerkt, dass Tatsachen irgendwie kompliziert sind und deshalb die Wirksamkeit von Kommunikation vermindern – und gleichzeitig vom Publikum gar nicht als Voraussetzung für einen Diskurs betrachtet werden.

Sascha Lobo: Politik und Medien: Wut sticht Wahrheit (spiegel.de 2016-06-29)

Vgl. auch den Eintrag Demagogie in der deutschsprachigen Wikipedia, in dem u. a. folgende Definition des Publizisten Martin Morlock aus dem Jahr 1977 zitiert wird, die mir sehr griffig erscheint:

Demagogie betreibt, wer bei günstiger Gelegenheit öffentlich für ein politisches Ziel wirbt, indem er der Masse schmeichelt, an ihre Gefühle, Instinkte und Vorurteile appelliert, … Wahres übertrieben oder grob vereinfacht darstellt, die Sache, die er durchsetzen will, für die Sache aller Gutgesinnten ausgibt, und die Art und Weise, wie er sie durchsetzt oder durchzusetzen vorschlägt, als die einzig mögliche hinstellt.

Lobo über Demagogie

«BaWambient 05»

sc-88proJemand, der sich robbi-985 nennt, hat sich die Arbeit gemacht, das legendäre Soundmodul SC-88 Pro von Roland, das im Jahre des Herrn 1994 auf den Markt geworfen wurde, als Software-Synthesizer nachzubauen – und zwar unter ausschließlicher Verwendung elementarer Wellenformen, also ohne Samples. Das Ding heißt demzufolge konsequenterweise „Basic Waveform MIDI Software-Synthesizer“ oder kurz „Bawami-tan“.

bawamiIch war von dieser ausgesprochen nerdigen Idee (es handelt sich ja um die LoFi-Simualation eines frühen ePlayers) sofort angetan und begann, BaWaMI-Versionen meiner vor 16 Jahren dem SC-88 Pro auf den virtuellen Leib geschneiderten Kompositionen zu erstellen. Es entstanden „Arte Povera“-Varianten dieser Stücke, denn elementare Wellenformen klingen nun mal piepsiger als „dicke“ Instrumentalsamples.

Dabei stellte sich soundmäßig eine gewisse Nähe zur Elektronik des diese Woche gefeatureten britischen Post-Punk heraus, na, passt doch, also hier nun „BaWambient 05“:

Synth: BaWaMI, Algorithmen: MusiNum, Entstehungsjahr: 2016 / electronica

«BaWambient 05»