Deutsche Romantik, 2010

Vielleicht fällt dem Einen oder der Anderen auf, dass ich mir manchmal komische Titel für meine Fotoarbeiten ausdenke. Oft fällt mir nichts Verbalisierbares ein, dann heißt das Bild „Forst (Forst) 03, 2012“ oder so und das ist dann auch gut so. Aber manchmal juckt es mich und dann überfällt sozusagen mein intellektuelles, d. h. begriffsbildendes und -liebendes Ich den empfindsamen, d. h. unbegrifflichen und rein rezeptiven Teil. Manchmal handelt es sich dann um eine nahezu feindliche Übernahme, manchmal um eine freundschaftliche Bereicherung und Erläuterung. Hier definitiv um Letzteres.

Kurze ideologiekritsche Bemerkung zum Spannungsverhältnis von Bildinhalt und Bildtitel dieser Arbeit: Die deutsche Romantik gilt gemeinhin als Reaktion empfindsamer Bürger- und Aristokratenseelen auf die Zumutungen der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Mensch träumte sich in eine naturverbrämende, manchmal quasi-mittelalterliche Idealwelt hinein, die so niemals existierte, um den Nüchternheiten zunehmender Zivilisierung und Profanisierung des frühkapitalistischen Alltags zu entgehen. Unbeabsichtigter Nebeneffekt derartiger Verklärung des Innenlebens und der Kontemplation war allerdings eine zunehmende Isolation des romantischen Selbst, welches sich auf der Flucht vor der Vermassung mehr und mehr in sein selbstgezimmertes Wolkenkuckucksheim einzumauern begann.

3 Kommentare zu „Deutsche Romantik, 2010

  1. Im Vordergrund schiebt sich en Reptil durchs Bild.

    Der Begriff „Kleister“ fällt mir ein. Diese hingewürfelten Schichten, Dächer und auch Wände, kleben zusammen, sind zusammengebacken.
    Das Ganze guckt auf sich selbst vermittels der zwei Fenster…die Luft steht.

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