Flusser über Kommunikologie als Theologie

Vielleicht ist die Kommunikationslehre in der Zukunft jenes Gebiet, das im Mittelalter von der Theologie eingenommen wurde. Vielleicht ist es das Gebiet eines neuen postreligiösen Glaubens.

Vilém Flusser: „Bochumer Vorlesungen“, 1991 (S. 24)

Anm. „Kommunikologie“ hat Flusser seine eigene Variation einer Kommunikationslehre gennannt.

Der Blogbetreiber meint Das hätte er wohl gerne gehabt, der Flusser: Das neue, selbst-designte heuristische Konzept zur Super-Weltanschauung erklären und damit sich selbst zum postreligiösen Papst. Dessen Autorität, ganz wie im Mittelalter, dann per definitionem von keinerlei Alterität mehr infrage gestellt werden könnte. Wie immer bei Flusser ist diese Übersteigerung natürlich auch ein geistreicher Witz. Andererseits: Die Hybris und immense Wirksamkeit so mancher „KommunikationsdesignerInnen“ (vgl. die Formulierung „alternative Fakten“) macht mich schon manchmal gehörig schaudern.

Flusser über die Folgen der Explosion naturwissenschaftlichen Wissens

Es gibt einen Dialog, vor allen Dingen in den Disziplinen der Naturwissenschaften, von dem der größte Teil der Menschheit ausgeschlossen ist. Daher kann in unserer Situation von einer Demokratie überhaupt keine Rede sein. Diese Behauptung ist reine Demagogie. Selten war die Kultur so elitär strukturiert wie gegenwärtig.

Vilém Flusser: „Bochumer Vorlesungen“, 1991 (S. 40-41)

«Nachtstück #1 (gleichschwebend)» für Klavier

Kompositions-Software Cubase, Music Mirror
MIDI-Editoren Sekaiju (kuzu), MidiEditor (M. Schwenk), MIDIPLEX (Stas’M), Cubase
Sample-Bibliothek Bösendorfer Imperial Konzertflügel (VI)
Faltungshall Large Stanford Stairwell

Kompositionsnotiz

Aert van der Neer: Kanal bei Mondschein, um 1660

Der vom Denken Henri Bergsons beeinflusste französische Musikphilosph Jankélévitch liebte die Gattung des Nocturnes („Nachtstücks“) für Klavier, v. a. die entsprechenden Werke Chopins, Liszts, Ravels und – Faurés. Die Arbeiten des Letzteren kannte ich gar nicht und so hörte ich mal rein in seine 13 Nocturnes, die er zwischen 1875 und 1921 geschrieben hatte. An der elegischen und ganz un-aufgeregten (aber so ist Fauré scheinbar immer) Nummer 6 blieb ich schließlich hängen:

Ich stellte fest, dass das Stück in einer ABA‘-Form, dieser klassischsten aller klassischen Formen, komponiert war. Diese Form hatte ich bisher vermieden, also war es nun an der Zeit, sie auszuprobieren.

Es entstand die Idee einer neuen kleinen Reihe von Klavierstücken, die ich „Sechs Nachtstücke in fünf Temperaturen“ nennen wollte. Das erste und letzte Nachtstück sollte in der herkömmlichen gleichschwebenden Temperatur, auch 12-Tone Equal Temperament oder 12-TET gennant, gehalten sein die restlichen in den von mir bereits vielfach verwendeten alternativen Temperaturen bzw. Temperierungen, die ich von den Komponisten Klarenz Barlow, Adriaan Fokker, Lou Harrison und Ben Johnston übernommen habe.