Mein MIDI-Wissen, kompakt zusammengefasst

In den letzten Jahren ist bei mir ziemlich was zusammengekommen an Erfahrung mit MIDI-Software und speziell mit dem Thema MIDI und Mikrotonalität. Wen’s interessiert, der findet auf meiner Homepage nun eine strukturierte Übersicht meiner Erfahrungen (in Englisch). Einfach auf den folgenden Screenshot klicken:

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Mein MIDI-Wissen, kompakt zusammengefasst

Skrjabin, optimiert

Die Dramaturgie der kürzlich hier präsentierten und für mich exemplarischen Kollektion von MIDI-Renderings ebenso exemplarischer Klavierminiaturen Alexander Skrjabins hat mich nicht ganz zufriedengestellt, deshalb heute eine optimierte Fassung: Ein Stück (op. 11 #4) ist dazugekommen, die Reihenfolge wurde geändert und – vor allem – habe ich teilweise nun doch etwas längere Pausen zwischen den „Sätzen“ eingefügt, damit die Musik mehr Luft zum Atmen hat. Hier kommt die aktualisierte Playlist:

  1. Etude op. 2 #1 | Robert Finley 1995
  2. Masque op. 63 #1 | Serge Winitzki 1997
  3. Etude op. 8 #4 | Robert Finley
  4. Poème op. 69 #2 | B. Restemeyer
  5. Prélude op. 11 #4 | Peter Kriek
  6. Prélude op. 11 #11 | B. Restemeyer
  7. Etrangeté op. 63 #2 | Serge Winitzki 1997
  8. Prélude op. 11 # 8 | Chris Todd 1998
  9. Fragilité op. 51 #1 | Serge Winitzki 1996
  10. Etude op. 8 #12 | Robert Finley 1995

Soundfont Skerratt Upright Piano (KungKrille)
Sample Player SynthFont2 (Kenneth Rundt)
Faltungshall Schellingwoude Kerk Amsterdam (F. van Saane)

Skrjabin, optimiert

10 Skrjabin-Klavierminiaturen als Seelen- und Herz-Erwärmer

Die folgenden MIDI-Renderings stellen ein besonderes Kleinod für mich dar: Es handelt sich um Interpretationen kurzer bis kürzester Klavierkompositionen des verehrten Meisters Александр Николаевич Скрябин (1872-1915), die ich – teilweise schon vor langer Zeit – im Netz fand (v. a. hier).

Alexander Skrjabin (1872-1915) in gelöster Stimmung. Man beachte: Die (für ihn besonders wichtige) linke Hand schützt ein Handschuh, die rechte nicht. [Ich konnte mir nicht verkneifen, dieses alte Foto mit einem „Altes Foto“-Filter  wie ein „altes Foto“ aussehen zu lassen.]
Erst jetzt habe ich einen wirklich adäquaten Soundfont gefunden, um diese Dateien in Klang umzusetzen. Es handelt sich um die frei erhältliche Sample-Bibliothek eines Klaviers, die KungKrille unter der Bezeichung „Skerratt London Piano“ vor 6 Jahren ins Netz stellte.*

KungKrille sampelt das Klavier seiner Eltern.

Ich habe mir beim Arrangement der Miniaturen große Mühe gegeben, um einen dramaturgisch interessanten Gesamtverlauf zu erzeugen. So gibt es keine Pausen zwischen den einzelnen Stücken, so dass der Skrjabin-unerfahrene Hörer die Musik als eine fortlaufende Komposition wahrnehmen kann (und soll). Die Skrjabin-Expertin wird feststellen, dass ich Kompositionen aus dem schwärmerischen Frühwerk mit solchen aus dem konstruktivistischen Spätwerk wild durcheinander mischte.

Die Stücke und ihre Interpreten im Einzelnen:

  1. Etude op. 2 #1 | Robert Finley 1995
  2. Masque op. 63 #1 | Serge Winitzki 1997
  3. Etude op. 8 #4 | Robert Finley
  4. Poème op. 69 #2 | B. Restemeyer
  5. Prélude op. 11 #4 | Peter Kriek
  6. Prélude op. 11 #11 | B. Restemeyer
  7. Etrangeté op. 63 #2 | Serge Winitzki 1997
  8. Prélude op. 11 # 8 | Chris Todd 1998
  9. Fragilité op. 51 #1 | Serge Winitzki 1996
  10. Etude op. 8 #12 | Robert Finley 1995

Die Liste wurde aktualisiert. Hier geht’s zur aktuellen Fassung.

Ihren vollen Charme entfaltet diese Musik erst, wenn man vorher den Alltagskopf amputiert und beiseite gelegt hat. Zum Nebenbeizwischendurchhören ist sie nicht geeignet**, vermutlich, weil das in ihr ausgedrückte Lebensgefühl allzu weit von dem des Jahres 2018 entfernt ist. Aber exakt deswegen liebe ich sie ja.

Wie gefällt euch diese Musik?


* Nerd-Info: Der Font hat nur einen (!) Velocity Layer, was aber kurioserweise seiner Expressivität keinen Abbruch tut. Ich empfehle dringend die von bigcat optimierte Version, die hier verfügbar ist. Grund: KungKrilles Originalsamples sind nicht sonderlich gut geschnitten, was beim Rendering Probleme mit dem Haltepedal zur Folge hat.
** Ich höre sie auch so gut wie nie im Klassische Musik-Radio.
10 Skrjabin-Klavierminiaturen als Seelen- und Herz-Erwärmer

Jenseits der Digital Audio Workstation

[Aktualisiert 2018-03-05]

Schon seit vielen Jahren pflege ich auf meiner Homepage eine kommentierte Liste in englischer Sprache mit Software, die ich gerade beim Komponieren verwende. Dabei handelt es sich nicht um eine der üblichen Zusammenstellungen von „Lieblings-Apps“ zu einem bestimmten Themengebiet, von denen das Netz überquillt (und die zweifellos nützlich sind, wenn man sich gar nicht auskennt), sondern um die Quintessenz persönlicher Auseinandersetzung mit einer ganz beträchtlichen Menge von Musik-Software. Für jede gelistete Software könnt ihr ruhig 6 bis 7 weitere Anwendungen annehmen, die es nicht in die Liste geschafft haben.

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Bitte auf das Bild klicken, um auf meine Homepage zu gelangen.

Eine integrierte Digital Audio Workstation (DAW), also die Art von Anwendung, die die digitale Musikproduktion aller Genres weiterhin dominiert, werdet ihr dort allerdings nicht finden. Aber warum?

Ein Blick zurück: Angefangen mit der rechnerbasierten Musikproduktion habe ich vor über 15 Jahren sehr wohl mit einer Freeware-DAW namens Massiva (kennt heute keiner mehr), einem wunderbar übersichtlichen, leicht zu handhabenden Programm, von dessen MIDI-Funktionalität ich massiv (pardon) profitierte. Autor Jørgen Aase war mit diesem Stand der Dinge aber offenbar nicht zufrieden und bettete Massiva in ein umfassenderes Programmkonzept namens energyXT ein. Und dann war ich draußen, denn mit der „Technizität“ dieser Weiterentwicklung kam ich partout nicht zurecht.

Einen ähnlich guten MIDI-Sequenzer wie Massiva kannte ich damals nicht und so sah ich mich gezwungen, zu einer der „großen“ DAWs zu wechseln. Irgendwo las ich, dass Cubase den besten MIDI-Support hat, also legte ich mir hoffnungsvoll die damals aktuelle Light-Version Cubase SE zu. Das war schon ein schwererer Brocken, mit gefühlt unendlich vielen Optionen vor allem im Audio-Bereich, die mich zwar neugierig machten, die ich aber letztendlich doch nicht nutzte. Außerdem gab mir Cubase im Gegensatz zu Massiva das ständige Gefühl, etwas falsch zu machen.

Und so erwischte ich mich irgendwann dabei, mehr Zeit mit Grübeleien über das „richtige“ Handling dieser Software zu verbringen als mit der kreativen Arbeit. Etwas überspitzt gesagt: Das DAW-Prinzip der technischen Integration hatte bei mir zur kreativen Desintegration geführt. Damals schrieb ich das meiner „Dummheit“ zu. Mittlerweile weiß ich, dass die meisten Menschen, die keine besonders ausgeprägte Affinität zu ingenieursmäßigem Denken haben, ihre liebe Not mit hochintegrierten DAWs hatten und haben.

Aus dieser Not heraus begann ich erneut, nach kleinerer und leichterer Software zur Lösung der anstehenden Aufgaben zu suchen. Nach einigem Umherirren im WWW fand ich schließlich in den Weiten der Filehosting-Dienste SourceForge und GitHub, wo mehr oder weniger professionelle ProgrammiererInnen aus aller Welt ihre Arbeit öffentlich teilen, was mein Herz begehrte.

Heute nutze ich Cubase kaum noch*. Ich habe festgestellt, dass es – zumindest meinem – kreativen Workflow zuträglicher ist, der Reihe nach mit überschaubaren Komponenten zu arbeiten und deren Output nachträglich sozusagen zusammenzukleben. So gelang es mir – Stück für Stück und ganz allmählich – mich von der einschüchternden Dominanz der DAW und vor allem dem lähmenden Gefühl der Dummheit zu befreien, was dann auch meiner Produktivität gut tat.


* Wenn es um die Koordination von MIDI-basierten Klängen mit Audioaufnahmen geht, führt allerdings weiterhin kein Weg daran vorbei.
Jenseits der Digital Audio Workstation

Neue ePlayer-Realisierung von Karl F. Gerbers Komposition „Giesing Township“

Kompositionssoftware MIDI Improvisor (Karl F. Gerber)
Soundfont Surprise Piano (Joe Stevens)
Sample Player Kontakt 5 Demo Mode
Faltungshall Chromatische Saitenresonanzen eines Klaviers (Netzfundstück)

Kompositionsnotiz 2017 von Karl F. Gerber

Formeleditor des MIDI Improvisors
Der Formeleditor des MIDI Improvisors, programmiert in GFA-BASIC.

Das Stück entstand aus Improvisationen mit meinem Programm MIDI Improvisor um das Jahr 2000. Dabei werden MIDI-„Partituren“ live aufgezeichnet (zum Konzept siehe www.formelimprovisation.de).
Als Klangerzeuger („Sample Player“) stand mir zunächst neben dem Soundmodul Roland SC-88 Pro das E-Piano Yamaha P-120 zur Verfügung. Mein Bestreben war, zusätzlich eine Aufnahme auf einem computergesteuerten akustischen Klavier zu veröffentlichen.
Die erste derartige Aufnahme kam 2004 durch das Cutting Edge Music Studio von David Breaux in Austin, TX (USA) auf einem Yamaha U1 Disklavier (48 inch upright) zustande.
Der Austausch der Daten erfolgte ausschliesslich über Internet.
Der Track erschien 2004 auf der Eigenklang-CD „future chords“. Als Begleittext wurde lediglich das Studio und der Hinweis „recorded … from composer’s MIDI file in realtime, no overdubs“ angegeben.

Ein weitere Möglichkeit ergab sich völlig unverhofft beim First Munich Classical Music Hack Day 2013, wo ein roter Steinway-Computerflügel in der Eingangshalle des Instituts für Informatik Nähe Englischer Garten aufgestellt war. Dem Vernehmen nach stammte dessen Computerisierung von der Firma QRS. Trotz absehbarer Störungen und Nebengeräusche beschloss ich, einige Aufnahmen zu machen und dabei auch die Tastenbewegungen zu videographieren:

Mein Begleittext zur YouTube-Veröffentlichung vom 25.12.2013 erklärte die oben erwähnte Vorgeschichte und (auf Englisch) „‚Giesing‘ ist das Münchner Stadtviertel, in dem der Komponist wohnt. ‚Township‘ bezieht sich auf Klänge und Stimmungen der Musik des afrikanischen Musikers Dollar Brand.“

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Karl F. Gerber

Im Januar 2017 traf ich nach mehrjährigem Internetkontakt erstmals den Komponisten Stefan Hetzel bei seinem Seminarvortrag in der Musikhochschule München. Er verwendet seit Jahren virtuelle Musikinstrumente (ePlayer) und ich war von seinen Klaviersound-Emulationen sehr positiv überrascht, während er an Disklavier-Aufnahme-Möglichkeiten interessiert war. Ich stellte ihm mein MIDI-File von „Giesing Township“ zur Verfügung und er „renderte“ als Gegenüberstellung zur akustischen Disklavier-Aufnahme weitere ePlayer-Versionen.
Als Visualisierung steuere ich ein Screen Capture der Partiturdarstellung im Pianorollen-Format des Sequenzers Cubase bei (Lochstreifendarstellung).
Meine spontane Reaktion auf Stefans erste ePlayer-Version per Mail war wie folgt: „Vielen Dank, diese Einspielung ist ein großer Gewinn für mich: gerade die rhythmischen Schichten kommen wunderbar … danke, Jazz! Danke, Afrika!“

*

Ergänzung S.H.: Die Farbcodierung der Note-On-Werte in Karls Video bezeichnet die Anschlagsdynamik in folgender Weise:
kfgfarbcodierung

Neue ePlayer-Realisierung von Karl F. Gerbers Komposition „Giesing Township“

How to turn your mainstream laptop PC into an industry-standard microtonal composition workstation without spending a cent except for accessing the internet

Bitte nicht erschrecken, liebe Weltsicht-LeserInnen, ich bin’s immer noch, der S.H., aber heute muss ich einfach mal den geek aus dem Käfig lassen.

Also, wen die nicht-proprietäre Implementierung von Mikrotonalität in Standard MIDI Files (jaaa – genau jetzt schalten die ab, die ich meine) nicht interessiert, soll die folgende Very-Special-Interest-Bastelanleitung jetzt ganz einfach mal ignorieren:

How to turn your mainstream laptop PC into an industry-standard microtonal composition workstation without spending a cent except for accessing the internet:

micromidi_screenshot
TMP, intun and VMPK working together on my laptop via LoopBe1 (invisible)
  1. Download and install (=d&i) VirtualMIDISynth (VMS).
  2. D&i the Yamaha Disklavier soundfont.
  3. D&i Markus Schwenk’s excellent MidiEditor and select VMS as MIDI OUT.
  4. Create / compose MIDI data input for one instrument / timbre / MIDI „program“ using an existing SMF, some algorithmic composition software or by playing a MIDI keyboard 🙂
  5. D&i LoopBe1.
  6. D&i intun and select LoopBe1 as MIDI IN and VMS as MIDI OUT.
  7. Make your mind up for a specific temperament. A huge scale archive is available here. You have to manually adapt this archive’s scl files before you can use them with intun. Open them with Notepad and use intun’s example txt files as templates.
  8. D&i Tim’s MIDI Player (TMP) and select LoopBe1 as MIDI OUT.
  9. „Rehearse“ your input data with TMP triggering intun triggering VMS. You are now able to listen to the music in different temperaments in realtime, while the actual SMF remains unchanged. For me, this is the most important part of working with microtonality: I have to hear what a scale „does“ to my composition in realtime to decide if it is usable or not. From a mathematical point of view, countless microtonal scales are possible. But, for me, it as a purely aesthetic decision which scale to implement.
  10. D&i PianoTuner and process your SMF with it. The chosen temperament (e.g. this one) is now hard-coded within the SMF.
  11. (optional) D&i VMPK, selecting LoopBe1 as MIDI IN and VMS as MIDI OUT. Rendering your tempered SMF with TMP triggering VMPK triggering VMS you can listen to the music while seeing a neat keyboard visualization of it 🙂
  12. If everything sounds ok, d&i the TiMidity++ Windows Synthesizer (TWS), selecting the Yamaha Disklavier as your output soundfont by creating a textfile timidity.cfg in the TWS directory and writing soundfont /[path to your soundfont]/[name of your soundfont file].sf2 in it. Select RIFF WAVE file as TWS output.
  13. Drag & drop your SMF to TWS, which will render your MIDI data (VERY fast) and create a microtonally tempered industry standard WAVE audio file using the selected soundfont 🙂
  14. Congratulations, you’re done. Relax and enjoy your favourite drug 🙂

This howto is also available as a static webpage on my homepage here. If technical issues change, it will eventually be updated.

How to turn your mainstream laptop PC into an industry-standard microtonal composition workstation without spending a cent except for accessing the internet