Gehalt (Gedanken zu Lehmanns Musikphilosophie 5)

Erst im Spannungsfeld von intellektuellem Konzept und ästhetischer Erfahrung finden jene Sinnsynthesen statt, die einen ästhetischen Gehalt generieren.

(H. Lehmann, „Die digitale Revolution der Musik“, S. 115)

Lehmann schwebt dabei keinesfalls die Ersetzung von Materialarbeit durch Konzeptkunst vor, ihm geht es eher darum, auch die KomponistInnen „Neuer Musik“ daran zu erinnern, dass Kunst im 21. Jahrhundert generell nur eine konzeptuelle, d. h. ihre eigenen Entstehungsbedingungen stets mitdenkende, sein kann.

Neue Musik hingegen, die im Geiste der Klassischen Moderne geschrieben wird und sich durch eine Abgrenzung zur Ästhetik der Klassik, über erweiterte Spieltechniken und über nicht-klassische Kompositionstechniken definiert, fällt hinter diesen Kunstanspruch von Musik zurück.

(H. Lehmann, a. a. O., S. 113)

Aber ist bei der „Neuen Musik“ die Reflexion nicht per definitionem vorinstalliert? Ohne Reflexion der gesamten europäischen Musikgeschichte hätte „Neue Musik“ doch gar nicht erst entstehen können, oder? Und wo gibt es denn bitteschön einen intimeren Bezug zur Philosophie, zur („Hoch-„)Literatur, zur Dichtung etc. als in der „Neuen Musik“?  Zu diesen möglichen Einwänden liest man bei Lehmann lapidar:

Auch die Vertonung von Literatur und Dichtung führt in den Stücken der Neuen Musik zumeist nur zu einer poetischen Verdopplung der ästhetischen Unbestimmtheit und hat mit einer konzeptionellen Rahmensetzung nicht viel zu tun. In der Regel wird hier auf einen bildungsbürgerlichen Selbstverständlichkeitskontext rekurriert – sei es nun Homer oder Shakespeare, Hölderlin oder Beckett, – obwohl dieser längst nicht mehr selbstverständlich ist. Vor allem aber ist die Gegenwärtigkeit solcher Literatur ein Problem, das sich nicht einfach durch ein Verweben dieser Texte mit dem Klangteppich der Neuen Musik beheben lässt.

(H. Lehmann, a. a. O., S. 122)

Ein elektroakustischer HölderlinBeckettShakespeareHomer (HBSH) ist eben deswegen noch lange kein Houellebecq, so to speak (womit ich nichts, aber auch gar nichts über die „Aktualität“ HBSHs gesagt haben will). Natürlich kann man HBSH auch im Jahr 2012 „vertonen“, das würde aber, so Lehmann, nur Sinn machen, wenn im Werk mitkommuniziert würde, warum die Wahl gerade auf diese und keine anderen Autoren gefallen ist. Texte von HBSH nur deshalb zu vertonen, weil diese in der Neue-Musik-Szene bereits etabliert sind bzw. die Komponistin sich sicher sein kann, damit auf keine Widerstände zu stoßen, wäre, mit Lehmann gesprochen, ein  „naivmodernes“ Unterfangen, das nicht mehr für sich in Anspruch nehmen könnte, Kunst zu sein, sondern bestenfalls Kunsthandwerk bzw. sound design.

Gegen musikalisches Kunsthandwerk ist nun wiederum rein gar nichts einzuwenden,  doch würde es der Kunst schlecht bekommen, reduzierte man sie aufs Handwerkliche … was ein Gemeinplatz ist, ich weiß. Doch für wen es zwischen „gut gemacht“ und „gut“ keinen Unterschied mehr gibt (diese Ansicht hört man erschreckend oft, und nicht nur von Banausen!), der hat das wohl vergessen. Also noch mal zum Mitschreiben: „Das war gut gemacht!“ ist keine Aussage über den (ästhetischen) Gehalt von Kunst, „Das war gut!“ aber sehr wohl.

Nebenbemerkung: Wer eigentlich „Das hat mir gut gefallen!“ sagen wollte, aber stattdessen „Ok, das war schon verdammt gut gemacht!“ sagt, stellt sich selbst ein Armutszeugnis aus, indem er ein persönliches Geschmacksurteil vermeidet, um sich nicht angreifbar zu machen. Diese Strategie ist besonders bei Begeisterung für „politisch inkorrekte“ Artefakte, etwa die Filme Leni Riefenstahls oder die Schriften Ernst Jüngers, beliebt. Jemand, der Riefenstahls „Olympia“-Film „gut gemacht“ findet, ist mir allerdings noch unerträglicher als jemand, der ihn einfach „gut“ findet. Mit Letzterem lässt es sich wenigstens streiten.

*

Was als Buchrezension begann, wurde zum blogwork in progress, da Harry Lehmanns Gedanken ein Schlaglicht auf viele Probleme der aktuellen Kunstmusik werfen. So blogge ich immer wieder mal über die „Digitale Revolution der Musik“, aber stets unter einem anderen Leitgedanken. Ein Index: McLuhan oder McKinsey?, Kritik der (Neo-)Avantgarde, Kritik der Postmoderne, Ästhetik, Gehalt, Notation, Kim-Cohen, Gehaltsästhetik und Sonifikation, Übersprungene Geschichte, Musik-Konzepte (aktualisiert 2015-03-29).

Gehalt (Gedanken zu Lehmanns Musikphilosophie 5)

10 Gedanken zu “Gehalt (Gedanken zu Lehmanns Musikphilosophie 5)

  1. Wie wär’s denn, wenn der liebe Herr Lehmann die Übersetzung seiner Texte gleich mitliefern würde? Spricht da was dagegen? Warum braucht er dich als Erfüllungsgehilfen/Interpreten/Übersetzer? Was soll das? Warum schreibt er nicht gleich so, dass man es versteht? Und dann das Thema: Als wenn „Neue Musik“ oder die noch absurdere Diskussion darüber irgendetwas verändert, da lachen ja die Hühner. Nix für ungut, aber die Musik spielt ganz woanders. „Neue Musik“ hört sich ja nun wirklich keine alte Sau freiwillig an.

    Und noch ein Tipp für das Entwickeln universeller Theorien: Hin und wieder mal mit normalen Menschen reden, die ihr Geld mit echter Arbeit verdienen (müssen) und Familie und Freunde haben und fragen was die so bewegt und was denen was bedeutet und was die so glücklich macht. Die müssten ja von der Theorie auch vertreten werden, oder nicht? Kein normaler Mensch verbringt seine Zeit mit der „Reflexion der gesamten europäischen Musikgeschichte“. Das ist wirklich lächerlich.

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  2. Lieber Dennis,

    danke erstmal für deinen meinungsstarken, wenn auch in etwas rüdem Ton gehaltenen Kommentar!

    Wie wär’s denn, wenn der liebe Herr Lehmann die Übersetzung seiner Texte gleich mitliefern würde? Spricht da was dagegen?

    Ich „übersetze“ Lehmanns Buch nicht, ich benutze es als Ausgangspunkt für eigene Gedanken. Und auf diese Weise funktioniert es für mich ganz hervorragend – es regt mich zum eigenen Denken an. Was kann ein Buch mehr leisten?

    Warum braucht er dich als Erfüllungsgehilfen/Interpreten/Übersetzer? Was soll das?

    Als „Erfüllungsgehilfen“ sehe ich mich nicht. Aber ich nehme an, dich stört evtl. sowieso eher sein „Theorie-Sprech“, also die philosophische Fachsprache, in der er schreibt und die dir offenbar die Lektüre vergällt. Warum Lehmann schreibt, wie er schreibt, weiß ich natürlich nicht – da fragst du ihn besser selber!

    Als wenn “Neue Musik” oder die noch absurdere Diskussion darüber irgendetwas verändert, da lachen ja die Hühner.

    Aber es muss doch bitteschön erlaubt sein, über die Bedingungen der Möglichkeit nachzudenken, unter denen selbst „Neue Musik“ gesellschaftlich Einfluss gewinnen könnte, oder? Genau darum geht es, nach meinem Verständnis, in Lehmanns Buch. Es wendet sich also, zugegeben, unter diesem Aspekt eher an die Komponisten als an die Hörer.

    Nix für ungut, aber die Musik spielt ganz woanders. “Neue Musik” hört sich ja nun wirklich keine alte Sau freiwillig an.

    Ok, aber vielleicht ein naives kleines rosa Ferkelchen?

    Und noch ein Tipp für das Entwickeln universeller Theorien: Hin und wieder mal mit normalen Menschen reden, die ihr Geld mit echter Arbeit verdienen (müssen) und Familie und Freunde haben und fragen was die so bewegt und was denen was bedeutet und was die so glücklich macht.

    Is ja gut.

    Die müssten ja von der Theorie auch vertreten werden, oder nicht?

    Na ja, eine „Universaltheorie“ entwickelt Lehmann nicht, es geht schon recht speziell um die Lage der zeitgenössischen E-Musik (bzw. sogar eigentlich nur eines bestimmen Segments innerhalb dieser Musik – die US-amerikanische Minimal music ist beispielsweise bewusst ausgeklammert) – den „universellen“ Ton habe ich wohl eher ins Spiel gebracht in meinen Gedanken. Und da gebe ich dir wieder recht: eine solche „Universaltheorie“ müsste tatsächlich „alle und alles“ vertreten bzw. erklären. Genau deswegen gibt’s wahrscheinlich im Jahr 2012 auch keine – weder in der Physik noch in der Philosophie noch sonstwo.

    Kein normaler Mensch verbringt seine Zeit mit der „Reflexion der gesamten europäischen Musikgeschichte“.

    Völlig richtig. Aber viele Akteure in der „Neue Musik“-Szene versuchen permanent diesen Eindruck zu vermitteln bzw. sie scheinen zu glauben, nur weil sie in einem bestimmten „avantgardistischen“ Idiom komponieren, seien sie quasi automatisch die Krone der Schöpfung. Auf diese Hybris wollte ich hinweisen, denn, wie du, finde ich sie lächerlich.

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  3. Ich verstehe nicht warum sich jemand dafür einsetzen sollte, dass „Neue Musik“ mehr Einfluss bekommt. Die hat doch gesellschaftlich nahezu überhaupt keine Relevanz (was ich übrigens als ein wesentliches Merkmal von Kunst halte). Für mich ist das eine nerdige Wichtigtuerei von gelangweilten Spezialisten ohne Zuhörer/Publikum. Streich diesen Komponisten der „Neuen Musik“ die Subventionen und du wirst sehen wie wichtig denen ihre „Kunst“ ist. Da ist schneller Schluss als du eine Zwölftonreihe spiegeln kannst.

    Und genau das ist, was mich so fuchsig macht: Es geht ganz offenkundig um Geld, Macht, Einfluss und Deutungshoheit und kein bisschen um Kunst, Unterhaltung oder Publikum. Natürlich immer auf Kosten anderer, das ist mal klar.

    Kunst heißt auch das eigene Geld, den eigenen Ruf, den eigenen Arsch zu riskieren. Das kann ich bei der „Neuen Musik“ nicht erkennen. Und wenn der Begriff von dir jetzt auch noch auf europäische – warum nicht gleich deutsche oder bayerische – zeitgenössische E-Musik (wer bestimmt nochmal was E ist? – ach ja, die E-Musiker) eingegrenzt wird, dann wird es immer absurder. Publikum ist bei der Diskussion ja schon lange nicht mehr dabei, also von wie vielen Beteiligten reden wir denn dann? Und dann hätte ich gerne mal Zahlen darüber welche von denen ohne Subventionen auskommen und nicht auf ordentlich bezahlten, öffentlichen Stellen an Unis und Hochschulen sitzen. Ich glaube da bleibst dann nur noch du selber übrig. Hetzel talks to himself. Und Harry, hol schon mal den Wagen. Na dann, Prost Mahlzeit, ich geh jetzt was essen, dieses kommentieren macht mich hungrig.

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  4. Ich verstehe nicht warum sich jemand dafür einsetzen sollte, dass “Neue Musik” mehr Einfluss bekommt. Die hat doch gesellschaftlich nahezu überhaupt keine Relevanz (was ich übrigens als ein wesentliches Merkmal von Kunst halte)

    Würde dir ein Pendant zu Andy Warhol in der Musik nicht auch Spaß machen? Oder zu Gerhard Richter? Wolfgang Tillmans? Meinetwegen Damien Hirst? – All das ist „E-Kunst“, die aber auch (mehr oder minder) die „Massen“ begeistern kann. Und dazu gibt es eben, außer, wie gesagt, bei der Minimal music (Phil Glass) keine Entsprechung in der E-Musik: die tut in weiten Teilen so, als hätte es die Postmoderne nie gegeben. Ihr gesamter Kunstbegriff ist komplett anachronistisch (d. h. aus den 1950er Jahren, Adorno und so).

    Für mich ist das eine nerdige Wichtigtuerei von gelangweilten Spezialisten ohne Zuhörer/Publikum.

    Korrekt.

    Streich diesen Komponisten der “Neuen Musik” die Subventionen und du wirst sehen wie wichtig denen ihre “Kunst” ist.

    Den Verdacht hab ich auch schon lange.

    Und genau das ist, was mich so fuchsig macht: Es geht ganz offenkundig um Geld, Macht, Einfluss und Deutungshoheit und kein bisschen um Kunst, Unterhaltung oder Publikum.

    Den Vorwurf kannst du jetzt aber weder Lehmann noch mir machen. Im Gegenteil, Lehmann versucht ja gerade mit seiner „institutionskritischen“ Theorie den Nachweis zu führen, dass es so eben nicht weitergehen kann: dass die „Neue Musik“ sich eben nicht mehr länger mit gutem Grund als „Kunst“ bezeichnen kann, wenn sie nicht ihr Selbstverständnis komplett um-modelt. Das NM-Establishment hat auf diese Thesen ja bisher folgendermaßen reagiert (meist hinter vorgehaltener Hand, deswegen kann ich hier leider keine Fundstellen nennen):

    1. Ignoranz (totschweigen)
    2. Verachtung („Will uns etwa ein Philosoph sagen, wie wir zu komponieren haben?“)
    3. Denunziation (Lehmann will die Neue Musik lediglich „abwickeln“, er ist einfach ein Neo-Liberaler)

    Allein diese Reaktionen belegen, dass er dahin gefasst hat, wo es weh tut. Und das finde ich gut.

    Publikum ist bei der Diskussion ja schon lange nicht mehr dabei, also von wie vielen Beteiligten reden wir denn dann?

    Es werden schon ein paar Dutzend sein, weltweit vielleicht ein paar Hundert (keine Ironie!).

    Und dann hätte ich gerne mal Zahlen darüber welche von denen ohne Subventionen auskommen und nicht auf ordentlich bezahlten, öffentlichen Stellen an Unis und Hochschulen sitzen.

    Ich auch.

    Ich glaube da bleibst dann nur noch du selber übrig.

    Nee, vergangenes Wochenende habe ich erfahren, dass Helmut Krausser jetzt auch mit Samples komponiert. Sind wir schon mal zwei. Na und? Ich bin gerne Avantgarde (jetzt mal wörtlich verstanden).

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  5. „Würde dir ein Pendant zu Andy Warhol in der Musik nicht auch Spaß machen? Oder zu Gerhard Richter? Wolfgang Tillmans? Meinetwegen Damien Hirst?“

    Was heißt Spaß machen? Gibt’s halt nicht und so einen könnt ihr zwei auch nicht herbeischreiben/-philosophieren. Die Grundatmosphäre in dieser Szene lässt so etwas von außen betrachtet wohl auch nicht zu. Zuviel Neid und Missgunst, zu wenig Risiko und Rock’n’Roll (mein Thema!), ganz zu schweigen von Humor, Selbstironie oder Spaß.

    „Das NM-Establishment hat auf diese Thesen ja bisher folgendermaßen reagiert (meist hinter vorgehaltener Hand, deswegen kann ich hier leider keine Fundstellen nennen):

    1. Ignoranz (totschweigen)
    2. Verachtung (“Will uns etwa ein Philosoph sagen, wie wir zu komponieren haben?”)
    3. Denunziation (Lehmann will die Neue Musik lediglich “abwickeln”, er ist einfach ein Neo-Liberaler)“

    Dann schlage ich mal vor:
    1. Zurückschweigen („Die sind mir so egal, die ignorier‘ ich nicht mal!“)
    2. Nicht ernst nehmen (Auslachen)
    3. Selber machen und nicht labern. (Machst du ja auch)

    „Es werden schon ein paar Dutzend sein, weltweit vielleicht ein paar Hundert (keine Ironie!).“

    Wow, jetzt bin ich aber beeindruckt „ein paar Dutzend“ also gleich und ich nehme an das Publikum setzt sich dann aus genau denselben zusammen, oder? Aber nein, untereinander gibt’s bestimmt auch noch Gehaue und Gesteche und man findet sich gegenseitig doof und unfähig. Wird dir jetzt langsam klar, wie irrelevant das alles ist? Da hat jede Gothic oder Emo-Szene einer deutschen Kleinstadt mehr aktive Macher. Phänomenal ist eher, dass die NM-Szene es schafft mit so wenig Manpower und soviel Publikumsverachtung soviel öffentliche Förderung abzugreifen. Meiner Meinung wäre es das Beste was denen passieren kann, wenn sie wirklich auf Förderung verzichten. Dann zeigt sich die Relevanz ihrer Kunst und die persönliche Hingabe der Macher. Subvention von Kunst ist doch kontraproduktiv und verhindert authentische, neue Entwicklungen.

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  6. meine unwesentliche meinung als konzeptkünstlerin
    (auch wenns keiner mehr liest – die zeit rast uns heute einfach davon) :

    kunst, egal welches genre benötigt im grunde weder rechtfertigungen , erklärungen,analysen oder selbstbespiegelungen
    (es sei denn diese bespiegelung ist die kunst selbst).

    kunst lebt ausschließlich von der befreiung jeglicher beformundender ! beeinflussung
    und saugt gierig aus dem übervollen topf der vergangenheit und mixt mit zeitgeistigem erleben, um neues zu gebären.

    ein „wettstreit“ und „zusammenspiel“ unter künstlern,genreübergreifend, beflügelt.

    ob das werk dann aber,etwas herausrragend beachtenswertes sein wird
    (egal ob zeitgleich,zeitnah ,zeitfern oder niemals),
    oder
    ob daraus eine bahnbrechende neuerung entsteht,
    die eine „lawiene ins rollen bringt“, eine neue epoche anbrechen läßt,

    hängt heute nicht mehr nur von der art der jeweiligen gesellschaft, deren zustand und wertschätzung (egal ob positiv oder negativ) und dem jeweilig betrachteten zeitraum ab,

    sondern die globalisierung (mit allen facetten) bestimmt, beherrscht ,bewirkt, beeinflußt !

    alle künstler sehnen sich schon immer nach einer „neuen zeit“,
    in der man mitmischen,mitkämpfen,rebellieren kann,
    sehnen sich nach einer neuen epochalen umwälzung,die alle genre (inclusive mode,design, philosophie, inclusive aller wissenschaften) gleichermaßen mitreißt -sehnsucht nach einer zeit in der nicht alles nur wiederholung von bereits bekanntem ist, wo man im einheitsbrei mitschwimmt ,sich im kreis dreht.

    vielleicht aber
    merken wir eben gerade nicht ,
    weil wir so mit analysen,selbstbeweihräucherung,selbstmitleid u.ä. beschäftigt sind,daß
    wir genaugenommen doch mitten drin sind in so verrückten epoche!
    immer schneller,immer lauter,immer höher,immer größer,immer mehr,
    immer anachronistischer
    warum auch nicht?
    bis… ja bis.. ?

    also machen wir zeitgenössischen künstler doch einfach eifrig und heftig weiter !!
    [auch wenn der eigene große erfolg, nicht (schon) blinkt.]

    die alchemie war schon immer der beste helfer im schmelztiegel der vielfalt.
    gebrauchen wir alle unsere tausend sinne!
    labern wir nicht so viel,sondern machen!
    am besten gemeinsam!
    vernetzen wir uns, befruchten wir uns gegenseitig,
    „genre aller länder vereinigt euch!“
    benutzen wir alles was die welt heute so hergibt
    wir sind kinder dieser! zeit, mit abertausend möglichkeiten
    und
    vielleicht gebären wir ein „frankensteinwerk“!

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  7. Sehr geehrte Petra Blume!

    kunst, egal welches genre benötigt im grunde weder rechtfertigungen , erklärungen,analysen oder selbstbespiegelungen
    (es sei denn diese bespiegelung ist die kunst selbst).

    Richtig, die Kunst muss autonom sein. Aber dafür braucht sie ein Gegenüber, welches nicht sie selbst ist. Und das auch nicht von ihr abhängig ist. Sie braucht also ein autonomes („freies“) Gegenüber, eine Instanz, die ihre eigenen, von der Kunst unabhängigen Maßstäbe hat. Genau das sollte eine autonome Kunstkritik leisten. Wenn nun die Kunst diese autonome Kunstkritik ablehnt, weil sie eben nur nach ihren eigenen Maßstäben gemessen werden will, verliert sie ihre Autonomie und wird zur: – Diktatur (im Sinn von Jonathan Meese). Wollen Sie das?

    ob das werk dann aber,etwas herausrragend beachtenswertes sein wird
    (egal ob zeitgleich,zeitnah ,zeitfern oder niemals),
    oder
    ob daraus eine bahnbrechende neuerung entsteht,
    die eine “lawiene ins rollen bringt”, eine neue epoche anbrechen läßt,

    hängt heute nicht mehr nur von der art der jeweiligen gesellschaft, deren zustand und wertschätzung (egal ob positiv oder negativ) und dem jeweilig betrachteten zeitraum ab,

    sondern die globalisierung (mit allen facetten) bestimmt, beherrscht ,bewirkt, beeinflußt !

    Die Globalisierung findet nicht außerhalb unserer Gesellschaft und der Geschichte statt, sie ist ganz profaner Teil unserer Gegenwart, der sich die Kunst stellen muss, wenn sie Gegenwartskunst sein will. Oder bevorzugen Sie Eskapismus?

    vielleicht aber
    merken wir eben gerade nicht ,
    weil wir so mit analysen,selbstbeweihräucherung,selbstmitleid u.ä. beschäftigt sind,daß
    wir genaugenommen doch mitten drin sind in so verrückten epoche!

    Meine Rede!

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  8. zu:
    „Richtig, die Kunst muss autonom sein……… usw….“siehe oben

    meine subjektive meinung:
    jede meinung ist subjektiv und niemand ist unabhängig
    (seit der mensch zum ersten mal sein spiegelbild realisierte)

    kunst braucht eigentlich garkeine maßstäbe,
    außer die vom künstlers selbst gesetzten

    kunst muß sich nichts stellen und läßt sich nicht stellen,bestellen oder gar abstellen – von nichts und niemandem!

    kunst wird einfach geboren aus der individuellen reflexion ,in der individuellen situation ,am individuellen ort,in der individuellen interaktion,unter individuellen bedingungen in zeit und raum,aus individuellem antrieb und motivationen.

    (kunst und kunstbetrieb sind zwei völlig verschiedene paar schuh! ist klar)

    jonathan meese (für mich groß-un-artig !)- ein künstler der den drang und den willen hat eine spur hinterlassen zu wollen.
    wie bouys, wie max ernst,wie dali,wie paula modersohn… und und und…wie john cage.. und und und…
    wie groß und lang so eine spur ist , war oder sein wird und mit welchen mitteln sie gelegt wurde ist dabei eigendlich unwesentlich…
    unwesentlich auch, ob die spur positive oder negative auswirkungen auf die welt (auf die natur, inclusive mensch,als teil der natur) hat ( ich weiß um die brisanz dieser aussage!)

    denn das ist menschsein – „eine spur hinterlassen wollen!“ (seit der mensch realisiert hat, daß er vergänglich ist)

    nun dem universum ist das egal !

    unser problem ist nur ,daß wir bei all unserer vorstellung von unserer „menschlichen großartigkeit“ und eigener bedeutungswichtung,
    genau diese vergänglichkeit nicht wirklich akzeptieren wollen, nein besser: nicht können! deshalb immer weiter,immer höher… usw. – seit menschengedenken,seit dem menschlichem denken.
    nur deshalb besiedeln wir diesen planeten auch noch immer.

    zu „Die Globalisierung findet nicht außerhalb unserer Gesellschaft……usw…“.

    meine meinung:
    [Globalisierung=g]

    g ist doch gerade das NEUE:

    g existiert längst unabhängig von gesellschaften, von gesellschaftsformen,
    ist schon längst unaufhaltsamer selbstläufer,taktgeber, „diktator“.
    g ist die neue form „gesellschaftlicher organisation“

    g hat sich leise, unaufhaltsam in alle bereiche des daseins eingeschlichen mittels „0 und 1“ und ist inzwischen unverzichtbar für menschliches leben, ja menschliches überleben heute.
    g ist segen und fluch

    g vollzieht sich außerhalb unserer ganz individuellen erkennungs-und einflußmöglichkeiten – zum zeitpunkt der gewinnung des individuellen erkenntnisstandes ist dieser bereits überholt,nichts ist mehr in der zeit.
    anachronismus
    die individuelle erkennbarkeit der komplexität des weltgeschehens zum jeweiligen zeitpunkt wird immer geringer, bei gleichzeitigem exponentiell zunehmendem erkenntniszuwachs der welt und ständig verbesserten informations-zugangs-möglichkeiten des einzelnen (z.B.googl)
    „alle wissen was ,aber keiner weiß bescheid!..“

    aber
    denken wir an BABYLON – das alles könnte auch eine chance ,ein segen für uns sein ! (siehe auch: „der segen des babylonischen sprachgewirrs“-marcel hénaff ) auch wenn

    auch unser BABEL ist symbol des menschsein und herrausforderung!

    und eine bitte:
    wäre schön ,wenn es keine förmliche anrede mehr gäbe. danke!

    noch ein kleiner buchtipp zum thema: „land aus glas“ alessandro baricco.

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  9. jezZiFeR schreibt:

    Lieber Stefan,

    mir erscheint Deine Definition von Konzeptkunst als eine Kunstform, die »ihre eigenen Entstehungsbedingungen stets mitdenkt« zu eng.

    Zunächst einmal rückt die Konzeptkunst Ideen bzw. Konzepte in den Vordergrund, die Arbeit am Konzept im Gegensatz zur Arbeit am Material. Die tautologische Form, die Du beschreibst, die ihre eigenen Entstehungsbedingungen zur Disposition stellt, wird nur von wenigen Künstler_innen getragen.

    Genereller läßt sich sagen, daß Konzeptkunst sich dezidiert abgrenzt von modernistischen Auffassungen: von Subjektivität, von Konzepten der Autorschaft, von reiner Visualität und auch von jeder Form handwerklichen Könnens, die für sie von untergeordneter Relevanz ist.

    So wird dann auch die Forderung Lehmanns besser lesbar, wenn er offenbar davon spricht, daß Konzeptkunst die Auswahl bestimmter »Autoren« begründen müßte. Das erscheint mir arg gestelzt. Sicherlich ist es gerade im Feld der Neuen Musik der Fall, und für Förderungen ein geeignetes Stilmittel, geistige Ziehväter zu zitieren und in Zusammenhang mit irgendeiner wunderbar ausgearbeiteten neuen Komposition zu stellen. Konzeptkunst ist aber nicht dann, wenn Referenzen begründet werden, sondern wenn eine inhaltliche, konzeptuelle Auseinandersetzung stattfindet.

    Es geht darum, eine eigene künstlerische Position zu entwickeln und diese zu kommunizieren. Weder um begründete noch unbegründete schlaue Zitate. Und eben auch nicht um reine Selbstreferenz, schon gar um subjektive.

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  10. @jezZiFeR: Herzlichen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Ich habe das Gefühl, dich nervt weniger Lehmanns Theorie, als Kreidlers Praxis (was vollkommen legitim ist), die sich ja in schwächeren Werken durchaus in „schlauen Zitaten“ und „reiner Selbstreferenz“ zu erschöpfen scheint. Dass Konzeptmusik auch ganz anders akzentuiert und realisiert sein kann, sollte eigentlich klar sein: Das Spielfeld ist freigegeben …

    Das Produktive an der ja nun auch schon eine Weile andauernden Konzeptmusikdebatte ist weniger, dass man eine Fülle großartiger neuer Werke zu analysieren hätte, sondern, dass überhaupt mal wieder eine neuartige, d. h. nicht durch Adorno geprägte, intellektuelle Debatte über Kunstmusik stattfindet und der Kunstmusik-Diskurs so wieder Anschluss an den Diskussionsstand bsp.weise in der Bildenden Kunst findet (wo „Konzeptkunst“ seit 50 Jahren eine Option – und zwar die „mainstreamigste“ – darstellt).

    [Übrigens sage ich deshalb jetzt auch immer „Kunstmusik“ statt „Neue Musik“, denn „Neue Musik“ ist ein Narrativ der bundesdeutschen Nachkriegszeit und die war bekanntlich 1989 zu Ende.]

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