Pofallas stiller Sieg

Ebenso nüchtern wie vernichtend analysiert der Bamberger Linguistik-Professor Martin Haase im untenstehenden Video die legendäre „NSA-Presseerklärung“ des damaligen Kanzleramtsleiters Ronald Pofalla aus dem August des vergangenen Jahres.

Überraschenderweise stellt Haase fest, Pofalla habe die Aussage „Ich erkläre die NSA-Affäre hiermit für beendet.“ niemals gemacht, seine Formulierung hätte vielmehr gelautet, dass alle gegen die beteiligten Geheimdienste erhobenen Vorwürfe nun „vom Tisch“ seien. Pofalla habe, so Haase, mit dieser reichlich unscharfen Wendung aber listenreich und absichtsvoll Presse und öffentlicher Meinung eine verbale Steilvorlage geliefert, um das Thema im damals bevorstehenden Bundestagswahlkampf klein zu halten, ohne als Meinungsdiktator dazustehen.

Pofallas Strategie, so Haase, sei voll aufgegangen. Die NSA-Affäre war kein großes Thema der Bundestagswahl, Angela Merkel wurde wiedergewählt. Die anschließend kübelweise über Pofalla ausgegossene Häme, so möchte ich hinzufügen, verschleiert also eigentlich eher den durchschlagenden Erfolg von dessen Öffentlichkeitsarbeit, als dass sie irgendeine „Protestwirkung“ gehabt hätte.

Haase mutmaßt, es sei sehr unwahrscheinlich, dass im August 2013 noch komplett unbekannt gewesen sein sollte, dass das Mobiltelefon der Kanzlerin ebenfalls abgehört wurde. Dies sei aber, wiederum, erst nach der (gewonnenen) Bundestagswahl skandalisiert worden – durch Merkel selbst.

Haase konstatiert nicht ohne Bewunderung, Pofalla habe es, ohne sich mit einer platten Lüge zu belasten, dennoch mit rein sprachlichen Mitteln geschafft, die öffentliche Meinung eine (entscheidende!) Weile lang in seinem Sinne zu beeinflussen.

Und das, sage ich, muss ihm erst mal einer nachmachen. Guter Mann, der Pofalla. Vielleicht sollte ihn die Piratenparei als Öffentlichkeitsarbeiter verpflichten. Ist aber jetzt nur mal so ne Idee.

Pofallas stiller Sieg

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