„Propaganda“ – ein Podcast von 2014 und ein Song von 1985

Im (für mich, aber ich kenn halt auch nicht alles) gehaltvollsten politischen Podcast dieser Republik geht es in dieser Ausgabe vom 26. August 2014 um den „Kalten Krieg – damals und heute“:

 

Nicht, dass ich etwa mit allen hier geäußerten Analysen, Meinungen und Mutmaßungen übereinstimmte, speziell Felix von Leitner (ein 1973 geborener Wessi, hohe Stimmlage, Quieklache, wirkt pausenlos „amüsiert“) scheint mir Russland stets etwas zu wohlwollend und den USA stets etwas zu misstrauisch gesinnt zu sein, was allerdings durch Frank Riegers (ein 1971 geborener Ossi, Brummstimme, spricht sehr leise und leicht konspirativ) exakt umgekehrte Präferenzen mehr als ausgeglichen wird, klar ist jedoch, dass die beiden mit ihrem Podcast „Alternativlos!“, der es auf mittlerweile 32 Ausgaben in vier Jahren, was einer Durchschnittsfrequenz von einem Podcast alle eineinhalb Monate entspricht, bringt, einen längst überfälligen Internationalen Frühschoppen 2.0 etabliert haben.

Das „2.0“ bezieht sich dabei vor allem auf die Sprache, in der komplexe politische Sachverhalte verhandelt werden: Sie ist flapsig, betont lässig und nah an der Alltagssprache, ohne aber je ins Vulgäre bzw. Undifferenzierte bzw. Populistische zu kippen. Von Leitner und Rieger sprechen, als ob sie „unter sich“ wären (auf eine vertrackte Weise sind sie es ja auch), nehmen keinerlei institutionelle Rücksichten (warum auch, sie sind keine angestellten bzw. freien Journalisten, sondern Funktionäre des Chaos Computer Clubs, die sich hier aber als private Individuen, d. h. als Bürger [vgl. das Motto dieses Blogs], äußern) und streben auch keine „professionelle“ journalistische Objektivität an (d. h., sie sagen so oft „ich“, wie es ihnen angemessen erscheint). Paradoxerweise wirken sie aber gerade durch diese unter Werner Höfer komplett undenkbaren Verhaltensweisen auf mich relativ sachlich und, ja: – glaubwürdig.

Das Wichtigste am Diskursstil der Alternativlosen scheint mir aber zu sein, dass es ihnen letztlich gar nicht um Meinung (oder gar die „richtige“) geht, sondern um Aufklärung.

Bereits 1985, also kurz vor Ende des Kalten Krieges, veralberte ich, damals Abiturient, mit Hilfe der eigens zu diesem Behufe gegründeten und anschließend gleich wieder aufgelösten Formation „Die Komsomolzen“, das Thema „Propaganda“ in folgendem Song, der auf der Idee basiert, Ronald Reagans damals brandaktuelle „Mikrofonpanne“, während der er scherzhaft die atomare Auslöschung der Sowjetunion ankündigte, ins Russische zu übersetzen und mit ein paar beliebigen Fragmenten aus der russischen Tageszeitung „Prawda“ („Wahrheit“) zu vermengen:

 

(Besetzung: Rezitation – Volker Reichenbach; Konzept, Komposition & Keyboard – S. H.; Bass – Robert Weber; Schlagzeug – Ralf Schuster)

„Propaganda“ – ein Podcast von 2014 und ein Song von 1985

2 Gedanken zu “„Propaganda“ – ein Podcast von 2014 und ein Song von 1985

  1. Volker schreibt:

    Ich lass mich ja auch gerne korrigieren, aber bei der Prawda handelte es sich seinerzeit weniger um eine „Tageszeitung“, sondern um das Zentralorgan der KPdSU, das freilich nicht wöchentlich erschien (hierzulande hatte man keinen solch hohen Anspruch – da war es schlicht das „Neues Deutschland“ ) – nicht dass hier jemand noch auf die Idee kommt, das hätte was mit Pressefreiheit zu tun gehabt…

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