«the crossing (ambient 18)», 2019

(SH) Anatolian Landscape 04, 2010
Klänge ABvst, Tetra, Oatmeal
Verarbeitung Cubase SE
Faltungshall ORTF Studio

Kompositionsnotiz

Ausgangsfrage

Wie sollte sich Programm-Musik im Sinn von Richard Straussens „Alpensinfonie“ im Jahr 2019 anhören?

Umsetzung

Komposition eines einstündigen (!) ambient tracks für drei polyphone Softsynths, welcher sich in drei ineinander übergehende gleichlange Abschnitte gliedert. Jeder Abschnitt steht für ein „Programm“, das sich aus meinem inneren Erleben bei der fußläufigen Durchquerung einer Hochebene im anatolischen Taurus-Gebirge, die so nie stattgefunden hat, aber stattgefunden haben könnte, denn vor 10 Jahren war ich da mal (Beleg siehe Fotoarbeit oben), speist.

Für jeden Abschnitt des Tracks habe ich einen Wandertagebucheintrag erfunden:

ANATOLISCHES WANDERTAGEBUCH 2010

10. August, Taurus-Gebirge, Banaz Platosu

(I) … Ereignisloses Hineinwandern in die überaus karge und abwechslungsarme Hochebene. Zikaden machen ihre einförmigen Geräusche. Gelegentlich huschen Eidechsen über die heißen Steine, was uns ein wenig erschreckt, bis wir uns daran gewöhnt haben …

(II) … Allmählicher Aufstieg auf das Zentralmassiv der Ebene. Dohlen segeln neugierig um uns herum, der Ausblick wird besser und besser…

(III) … Abstieg vom Gipfel des Zentralmassivs, die Bergdohlen begleiten uns bis hinunter und weichen bis zum Ende der Wanderung nicht von unserer Seite. Die öde Hochebene empfängt uns wieder, ihr deprimierender Anblick wird jedoch gemildert durch die Erinnerung an die soeben genossene schöne Aussicht. Unsere Mägen beginnen zu knurren, es wird Zeit für die Brotzeit …

Das Konzept hat Ähnlichkeit mit Luc Ferraris Idee einer musique anecdotique, ohne jedoch field recordings zu verwenden, da das Geschilderte ja nie stattgefunden hat. Man könnte demzufolge von einer musique anecdotique fictive sprechen.

Instrumente

Verlaufsskizze des Tracks «the crossing (ambient 18)»: Oben die Timeline in Minuten.
schön, mittel und hässlich bezeichnen Gruppen von Synthi-Presets, künftig Instrumentengruppe (IG) genannt.
Die farbigen Linien markieren die ungefähre Dominanz der jeweiligen IG im Verlauf des Tracks.
Die Elemente Drum and Bass und voc fanden keine Verwendung.

Es folgt eine knappe Charakteristik der sieben verwendeten Presets. Kursiv Gesetztes markiert die Preset-Namen. Sie stammen nicht von mir, sondern vom Autor des jeweiligen Softsynths, ich käme ja nicht auf die Idee, ein Preset „near creature“ zu nennen.  Gesperrt Gesetztes markiert die Zugehörigkeit des Presets zu einer IG.

Synth I: ABvst

  • near creature | hässlich | links ein pulsierender Signalton; rechts und anderswo Zirpen; überall ständig Knackser, Knarzer und Kratzer
  • forgery sOU -n -d | hässlich | rechts stets doppelt aufblitzende Töne/Akkorde, die Echos hinter sich herziehen; überall Knackser, Knarzer und Kratzer

Synth II: Tetra

  • Fairyphone | schön | glockenartig, ist einen Dreiviertelton (66 Cent) tiefer temperiert als die anderen Instrumente
  • BrokenBell | schön | ein Glockenklang, der folgendermaßen moduliert:
ENTWICKLUNGEN von BrokenBell
1 Set1 | Color: 0  -1
2 MorphRange | Range Lower: 1  0
3 Set2 | Pitch (ohne Rundung): 0  -2
  • Chaos | mittel | polyphones Sirenengeheule

Synth III: Oatmeal

  • sworg | schön | ein leicht verzerrter, flächiger Klang; omnibus-tuned
  • overwrought (=“überreizt“) | mittel | technoider Klang, der sich wie folgt entwickelt:
ENTWICKLUNGEN von overwrought_mod
1 filter | track > Maximum
2 osc2 | transpose > Maximum
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5 Kommentare zu „«the crossing (ambient 18)», 2019

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